Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums
Späteinstieg zum Berufsmusiker

Peter Kalff im Interview

Peter Kalff(Bild: Dieter Stork)

Peter Kalff ist Berufsmusiker. Allerdings ist sein Berufsbild ein ziemlich anderes als das, was gemeinhin in Musiker-Publikationen als das eines Rockstars oder vielgebuchten Studio- und Live-Drummers dargestellt wird. Hinzu kommt, dass Peter als Schlagzeuger beruflich ein Späteinsteiger ist und erst mit Ende 20 ein Schlagzeugstudium abschloss. Doch Peter ist weit mehr als nur ein Drummer. Im STICKS-Interview erzählt er mal aus einer etwas anderen Perspektive, was es bedeutet, Musik als Beruf auszuüben.

Interview

Dein Werdegang als Musiker ist alles andere als gewöhnlich. Außerdem bist du nicht nur Schlagzeuger, sondern als Musiker vielseitig aufgestellt. Erzähl doch mal, wie das bei dir angefangen hat. Wie kam das Schlagzeug in dein Leben?

Anzeige

Peter Kalff: Das Schlagzeug kam schon sehr früh in mein Leben, da war ich so etwa fünf Jahre alt. Allerdings nicht in der Form, dass ich es als richtiges Instrument spielen konnte. Ich war davon einfach so fasziniert, dass ich mir aus alten Waschmitteleimern und Fischertechnik- Teilen und Gaffer Tape etwas zusammengebastelt habe, das ich dann mit halbierten Stöcken aus dem Garten bearbeitet habe. Merkwürdigerweise hatten meine Eltern aber die Vorstellung, dass ich gerne Trompete spielen würde, da ich mal so eine Plastiktrompete von der Kirmes bekommen hatte. Also habe ich mit sechs Jahren erst mal angefangen, in der städtischen Musikschule Trompete zu lernen. Das Instrument hat mich übrigens mein Leben lang begleitet, und ich spiele und unterrichte es immer noch.

Kurze Zeit vor dem Abitur habe ich dann in Erwägung gezogen, Musik zu studieren, Trompete und Klavier. Ich hatte damals auch zwei Jahre lang Klavier gelernt. Die letzten vier Schuljahre hatte ich Unterricht beim ersten Trompeter und Orchesterleiter der Bigband der Bundeswehr. Dann kam ich als wehrpflichtiger Trompeter zum Stabsmusikcorps der Bundeswehr nach Siegburg. Und dort habe ich dann das Schlagzeug für mich wiederentdeckt. Das stand dort in unserem Orchesterproberaum, einem alten Kino. Nach den Orchesterproben, als es an die Einzelübungen ging, habe ich die mit der Trompete zur Hälfte gemacht und mich dann in das Kino gestohlen und am Schlagzeug herumgedoktort. Was dazu führte, dass der Traum, Trompete zu studieren, somit geplatzt war, denn ich habe gemerkt, dass Trompete nicht wirklich mein Instrument war.

Und dann hast du Schlagzeug studiert?

Peter Kalff: Nein, mein Vater hat mir geraten, erst einmal eine Lehre zu machen, und so habe ich dann nach der Bundeswehrzeit eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. In diesem Job habe ich dann auch einige Jahre gearbeitet. Irgendwann hat die Bigband der Bundeswehr in der Nähe gespielt, und dort habe ich deren Drummer Holger Hälbig kennengelernt. Ein Freund hatte mir geraten, ihn zu fragen, ob er nicht noch einen Schlagzeugschüler annehmen kann. Bei Holger hatte ich gute sechs Jahre Unterricht. Als ich dann einer Entlassungswelle in meinem damaligen Betrieb zum Opfer fiel, dachte ich mir: So, jetzt dreh ich die ganze Sache! Ich will jetzt etwas tun, was mir auch wirklich Spaß macht. Dann habe ich mich ein Jahr lang konsequent mit Hilfe von Holger auf die Aufnahmeprüfung am Drummer’s Institute, damals noch in Düsseldorf, vorbereitet. Ich wurde dort angenommen, und habe das Vollzeitstudium dort absolviert und die Abschlussprüfung gemacht und bestanden.

Und wie bist du nach dem Studium an Jobs als Schlagzeuger gekommen?

Peter Kalff: Kurioserweise rief mich direkt nach der Abschlussprüfung Tom Schäfer an und empfahl mir, mich bei der Beatles-Tribute-Band The Silver Beatles zu bewerben, die gerade einen Schlagzeuger für das Musical „She Loves You“ suchten. Es ging um die Besetzung des ersten Beatles-Drummers Pete Best, der dann für sechs Songs auf der Bühne stand und danach einige Statistenparts machte. Das war ein Engagement für nur drei Monate, doch ich wollte das unbedingt machen und Erfahrung sammeln. Ich habe meine Zahnbürste eingepackt, bin nach Wien zu den Proben gefahren und saß dann auf einmal zum Vorspielen auf der Bühne und musste etwas spielen, was ich nicht kannte, denn ich hatte auch nichts zur Vorbereitung bekommen. Ich musste dann „Rock’n’Roll Music“ spielen, was nicht so gut klappte, doch bei den Jams zu anderen Beatles-Songs habe ich überzeugen können und hatte den Job – mit der Bitte um gründliche Vorbereitung! (lacht) Da gab es dann viele Proben, um meinen amtlichen modernen Pop/Rock-Stil vom Drummer’s Institute wieder auf das 60er-Jahre- Beat-Niveau zurückzuentwickeln. Auch nach der Musical-Produktion war ich noch viele Jahre in der Band und habe Hunderte von Auftritten mit den Silver Beatles gespielt. Das hat richtig Spaß gemacht – und es war laut! (lacht) Übrigens habe ich da auch zum Harmoniegesang beigetragen. Ich bin jedenfalls dadurch zum echten Beatles-Fan geworden und habe großen Respekt vor Ringo Starr als Drummer.

Dann warst du also direkt vom Studium voll im Fahrwasser Berufsschlagzeuger?

Peter Kalff: Zumindest einige Jahre lang. Als die Band sich auflöste, musste ich mir natürlich ein neues Standbein suchen und habe angefangen, nebenbei in Musikfachgeschäften zu jobben. Allerdings konnte ich hauptsächlich vom Schlagzeugspielen und vom Unterrichten leben. Ich hatte damals etwa 15 Privatschüler und habe bei verschiedenen Bands auch als Sub-Musiker ausgeholfen. Aufgrund meines einfachen Lifestyles mit geringen Fixkosten funktionierte das recht gut.

In der Szene bist du als Drummer von Whiteshake bekannt geworden, einer Whitesnake-Tribute-Band.

Peter Kalff: Nach dem Ende der Silver Beatles wollte ich gerne weiterhin in einer so guten Cover- oder Tribute-Band spielen, und so ist die Idee zu Whiteshake entstanden. In dieser Band habe ich dann 10 Jahre lang gespielt, doch leider hat sich die musikalische Ausrichtung im Laufe der Zeit geändert, und man wollte mehr die Musik der frühen Blues-orientierten Zeit spielen, was nicht mehr so mein Ding war. Mich hatte Whitesnake damals mit dem „1987“-Album gepackt, und Tommy Aldridge war ein Hero. Der hat mich total fasziniert. Besonders wenn man ihn live spielen sieht: Diese wuchtigen Sounds, dieses Spielen am Limit der Leistungsfähigkeit, natürlich die Sticktricks, die Geschmeidigkeit seiner Bewegungen, diese unglaubliche Power und wie das alles den Song transportiert und der Musik dient, das ist einfach wahnsinnig beeindruckend.

Peter Kalff(Bild: Dieter Stork)

Wie hast du dich denn nach deinem Ausstieg bei Whiteshake musikalisch orientiert?

Peter Kalff: Bereits 2009 bin ich bei der Band Jack Is Back eingestiegen, und wir haben zunächst versucht eigenes Material zu schreiben. Leider sind wir damals nicht über das Demo- und Proberaum-Stadium hinausgekommen, doch die Freundschaft untereinander ist gewachsen. Nachdem Mirko Bäumer zu den Bläck Fööss gegangen war, haben Peter Kindler, Frank Altheide und ich zusammen mit Simone Altheide als neue Sängerin weitergemacht. Nachdem wir zunächst unsere Live-Gigs hauptsächlich als Cover-Band bestritten hatten, wurde der Anteil eigener Songs immer größer. Was Auftritte angeht sind wir sehr flexibel. Wir können auch akustische, „Unplugged“- Gigs spielen, wie auch solche mit voller Verstärkung, wir können reines Cover-Programm oder eine Mischung von Covers und eigenen Songs bieten. Mittlerweile haben wir bereits drei Alben am Start. Und die Nachfrage nach unseren eigenen Songs steigt auch immer mehr. Was Gigs angeht sind wir sehr flexibel. Das ist der aktuelle Stand der Dinge.

Zumindest was dein Schlagzeugspiel angeht. Allerdings unterrichtest du ja außerdem auch noch und spielst noch andere Instrumente.

Peter Kalff: Ja, außer Trompete und Klavier versuche ich mich jetzt seit einigen Jahren am Bass, was mir auch sehr viel Spaß macht. Ich spiele sogar Bass in einer Band, noch nicht allzu Anspruchsvolles, doch ich denke, dass ich mich auch da gut weiterentwickeln kann. Dadurch, dass ich einige Jahre Klavierunterricht hatte, habe ich auch das Keyboard-Spiel im Sinne einer Akkordbegleitung noch gut im Griff, so dass ich in einer weiteren Band auch noch Keyboards spiele, um das Ganze frisch zu halten.

Außerdem unterrichte ich weiterhin Schlagzeug und Trompete. Und ich leite ein Jugendorchester bei uns in Nöthen in der Eifel, was mir immensen Spaß macht. Wir haben drei Schlagzeuger, für Snaredrum, Drumset und Percussion. Besonders begeistert es mich, was die Schüler für einen Spaß als Team haben, und wenn sie das erste Mal vom Einzelunterricht in das Orchester wechseln. Seit drei Jahren unterrichte ich auch noch an einem Gymnasium in Meschernich und leite im Programm „Kultur & Schule“ die Rock-Band AG.

Damit stellt sich dein Musikeralltag doch etwas anders dar als der der meisten professionell arbeitenden Rock- und Pop-Drummer hierzulande.

Peter Kalff: Ich habe von Anfang an darauf gesetzt, dass zur Deckung der Lebenshaltungskosten das Unterrichten den Hauptanteil bestreiten sollte, damit ich musikalisch möglichst immer das machen kann, was mir am Herzen liegt. Zudem kann man sich heutzutage auch nicht darauf verlassen, dass es immer genügend Drummer-Jobs gibt.

Wo ist denn Peter Kalff als Drummer musikalisch zu Hause?

Peter Kalff: Was mich schon immer fasziniert hat, ist das Schlagzeugspiel von Jeff Porcaro, dieser unglaubliche Groove. Durch ihn bin ich darauf gekommen, die Drums nicht allein zu hören, sondern innerhalb des Songs. Wie wird der Groove des Songs durch die Drums transportiert? Außerdem achte ich auf den Bass und das Spiel von Drums und Bass in der Gesamtheit. Berührt mich der Song im Herzen? Es muss für mich kein virtuoses Schlagzeugspiel in einem Song sein. Groove, Harmonien, das alles muss eine Einheit sein, die mich trifft. Interessant ist auch das Tempo der Songs, die ich mag. Meist ist es nicht superschnell, sondern eher nur ein wenig schneller als mein Puls, was mich zum mitwippen bringt. Was die Styles angeht, so war es zunächst generell klassischer Hardrock, später während des Studiums auch Funk und Latin, was mich sehr interessiert hat.

Wobei es bei Latin eher der Popals der klassische Bereich ist. Grooves von Gloria Estefan & Miami Sound Machine finde ich klasse, im Funk sind es Tower Of Power und die britischen Bands Level 42 und Incognito. Da darf dann auch gern mal was in meine Grooves bzw. mein Spiel stilistisch reinschwappen, wenn es denn gerade passt. Und für mich selbst zum Auschecken interessieren mich auch durchaus Dinge wie ungerade Metren, doch als Musiker heißt das Thema für mich Groove und diesen so gut wie nur irgend möglich zusammen mit der Band zu transportieren, dynamisch zu spielen und das Ganze für die Band als Fundament zu tragen. Wahrscheinlich kommt dieser Ansatz daher, dass ich von Beginn an auch immer Melodie-Instrumente gespielt habe.

Peter Kalff(Bild: Dieter Stork)

Würdest du anderen Schlagzeugern empfehlen, außer Drums noch weitere Instrumente zu lernen?

Peter Kalff: Ja, natürlich. Man muss ja kein Weltmeister werden. Es hilft zum Verständnis eines Songs jedoch sehr, wenn man auch darüber Bescheid weiß, was da harmonisch passiert. Oder Singen kann, wie ich das damals bei den Silver Beatles angefangen habe. Und das sind auch zwei nicht zu unterschätzende Faktoren, wenn man sich als Drummer um Jobs bewirbt. Es hilft sehr, wenn man auch Gesang anbieten kann. Und es ist außerdem sehr gut, um mal einen ganz anderen Blick auf den Song und seine Struktur zu bekommen.

Konntest du denn Gesang und Schlagzeugspiel gut koordinieren?

Peter Kalff: Bei den meisten Songs ja, bei einigen wenigen, wie zum Beispiel „Come Together“ von den Beatles ist das schon etwas schwieriger. Prinzipiell ist es allerdings eine gute Sache, wenn man als Schlagzeuger auch singen kann, zumindest zweite Stimmen. Ich singe ja auch keine Lead Vocals, doch bei Jack Is Back haben wir bei fast allen Songs auch immer Harmoniegesang. Lead Vocals gibt es von mir nur Zuhause, wenn ich am E-Piano sitze und Songs nachspiele. (lacht) Aber egal welches Instrument man spielt oder ob man singt, das Wichtigste ist immer, sich in den Dienst des Songs zu stellen und das Ego außen vor zu lassen.


Equipment

Drums: Canopus Yaiba Groove Kit Birch (Satin White)

  • 22″ x 18″ Bassdrum
  • 10″ x 8″ Tom
  • 12″ x 8″ Tom
  • 16″ x 16″ Floor-Tom
  • 14″ x 6,5″ Snaredrum

Cymbals: Anatolian

  • 13″ Baris Hi-Hat
  • 17″ Ambient Crash
  • 18″ Ambient Crash
  • 18″ Baris Crash
  • 20″ Limited One Ride

Sticks: Vater Hickory Power 5A, Sugar Maple Recording

Felle:

  • Bassdrum: Aqauarian Force clear/Remo Powerstroke 3
  • Snaredrum: Remo Ambassador Coated/Ambassador Snare
  • Toms: Powerstroke 3 clear/Ambassador clear

Hardware: Canopus, Tama

Hi-Hat-Maschine: Tama RoadPro

Double-Bassdrum-Pedal: Tama Speed Cobra Junior

Metronom: Tama RW105 Rhythm Watch

Zubehör: Sky Gel Damper Pads

Peter Kalffs Schlagzeug(Bild: Dieter Stork)

Profil

Jahrgang: 1972

Sternzeichen: Widder

geb. in: Bonn

lebt in: Bad Münstereifel

reist gerne nach: Los Angeles

isst gerne: Hühnchen, Suppen, Salate

3 Alben für die einsame Insel:

  • Toto – The Seventh One
  • Manfred Mann’s Earth Band – Mann Alive
  • Whitesnake – Live … In The Shadow Of The Blues

Drummer, die ihn beeinflusst haben:

Jeff Porcaro, Simon Phillips, Gregg Bissonette, Bertram Engel

Den coolsten Drum-Groove hat gespielt …

Bernard Purdie: Babylon Sisters (Steely Dan – Gaucho)

YouTube-Tipps

Toto Live In Paris 1990

Drums: Jeff Porcaro


Star Licks Jeff Porcaro


Eric Moore II: PASIC Open Solo


Peter on YouTube:

Jack Is Back: Sweet Child O’Mine (Live Groove Bar)


Jack Is Back: Nutbush City Limits (Live Groove Bar)

aktuelle Bands/Projekte:


(aus STICKS 07-08/2019)

// [9410]

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren