Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

Peter Wanitschek: Kreative Grooves für Tim Bendzko

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Er zählt seit den Anfangstagen zum kreativen Kreis um Tim Bendzko und gehört zu den groovigsten Drummern, die in Deutschland derzeit unterwegs sind. Peter Wanitschek ist nicht der virtuose Prog-Rocker; sein charismatisches Geschick zeigt sich vielmehr in der Leichtigkeit eines wunderbaren Schlagzeugspiels. Dabei zeigt er eine feine GrooveÄsthetik, die augenblicklich Begeisterung herbeiführt.

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Du spielst einen überaus eleganten Drum-Style, der an die federnde Leichtigkeit eines Manu Katché wie auch die treibende Energie eines Ralf Gustke erinnert. Woher kommen deine Spielart und diese aufgeweckte Frische?

Interessant, dass du Ralf Gustke erwähnst. Es ist ein Drummer, den ich tatsächlich viel gehört habe. Sein Spiel kombiniert alle Aspekte des Pop mit Song-orientierter Zielrichtung. Das begeistert mich. Ich selber habe immer schon die verschiedensten Arten von Musik gehört – von Beatles bis Country. Es gibt überall so viel zu entdecken.

Zitat des Tages Wanitschek

Auch bei anderen Drummern?

Ich war immer ein Fan von Musik mit richtiger Band. John Mayer mit J.J. Johnson an den Drums finde ich klasse und auch die Tedeschi/ Trucks Band, bei der J.J. Johnson ebenfalls trommelt. Ein echtes Groove-Tier. Keith Carlock interessiert mich auch – gerade und besonders im Zusammenhang mit Band – Sting, Steely Dan und jetzt Toto. Auf Schlagzeugsolos steh ich nicht so, und „15 gegen 3“ hat mich nie wirklich interessiert. Groove-Drumming finde ich viel spannender.

Deine Spielart ist zudem sehr luftig – die Grooves atmen. Eine Qualität, die deinen Style auszeichnet?

Man hat zwischen Bassdrum und Snaredrum mehr Raum, als man denkt. Ein straighter Pop-Groove muss diese Luft haben. Dann erst hast du auch Platz für kleine Details dazwischen.

Hast du eigentlich Schlagzeug studiert?

Nein. (lacht) Und das ist auch okay so. Ich habe immer schon Musik gemacht – Schlagzeugspielen war stärker als die Verlockung bürgerlicher Berufe. Zum Glück konnte ich irgendwann davon leben.

Auch in Berlin? Du wohnst ja dort. Ist da die Konkurrenz nicht riesengroß?

Also, Jobs an Land zu ziehen, das ist ja nie und nirgends wirklich einfach.

Aber Berlin hat eine freundschaftliche Szene, man kennt sich. Das Konkurrenzdenken steht nicht so sehr im Vordergrund. Über die Jahre hat man viele Musiker kennengelernt, und in Berlin gibt es so einige. Lange Zeit hab ich natürlich auch alle möglichen Jobs gespielt, Galas, endlose Sets in Hotels für wenig Geld … was man halt so macht, um seine Brötchen zu verdienen.

Jetzt bist du mit einer erfolgreichen Band unterwegs und spielst in den größten Hallen. War das mit Tim Bendzko ein Glücksfall?

Als pures Glück würde ich es nicht bezeichnen, weil man immer viel dafür getan hat. Aber etwas Glück gehört natürlich auch dazu. Es gab kein Casting, und Tim war auch noch völlig unbekannt, als wir 2007 anfingen, in ganz kleinen Läden zu spielen; teilweise sogar nur zu zweit oder zu dritt. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Wir haben gemeinsam an Songs gebastelt und Arrangements ausgetüftelt. Die Sache wurde dann richtig groß, und gemeinsam mit Tim hatten wir seit dem Durchbruch als Band eine wirklich tolle Zeit. Diesen Werdegang und Erfolg mitzuerleben, von ganz kleinen Clubs bis zur Waldbühne in Berlin, das war und ist echt beeindruckend.

Jetzt mit dem Erfolg steht allerdings sein Name alleine im Mittelpunkt.

Es sind ja auch seine Songs und seine Texte!

Na ja, aber als gemeinsames Projekt von damals gestartet – und jetzt steht er im Rampenlicht, er ist in der Zeitung und im Fernsehen und nicht die Band, die ja alles mitgetragen hat?

Das ist nicht schlimm. Ich kann das verstehen, weil ich inzwischen mehr darüber weiß, wie das Popbusiness tickt. Man muss sich entscheiden, ob man eine Band nach vorne bringen will oder den Künstler, von dem all die Songs kommen.

Das habt ihr selber entschieden?

Tim hat’s entschieden.

Er hat also gesagt: Ich bin jetzt der Boss.

Tim hatte sehr schnell einen großen Plan im Kopf. Er wusste immer, was er wollte und welcher der nächste Step sein sollte. Und diese Dinge sind auch immer eingetroffen. Er hat einfach ein gutes Gespür dafür, den richtigen Schritt zur richtigen Zeit zu machen. Es kam schnell auch ein Management hinzu, und plötzlich spielst du als Support für Joe Cocker und Elton John in der O2 World in Berlin – oh Mann, der Wahnsinn!

Was heißt es denn, bei Tim Bendzko Schlagzeug zu spielen?

Man muss begreifen, dass es hier um den Song geht. Als Schlagzeuger genug Raum für Stimme und Melodie zu lassen ist extrem wichtig. Außerdem geht es darum, einen soliden Drumsound und Groove anzubieten, was in der Popmusik oft unterschätzt wird.

… und plötzlich spielst du als Support für Joe Cocker und Elton John in der O2 World in Berlin – der Wahnsinn!

Was bedeutet für dich ein guter Sound? Bereitest du das Drumkit entsprechend vor? Oder ist es eine Sache des Mixes am FOH-Pult?

Ich biete mein persönliches Konzept an, das die immensen Raumklangunterschiede zwischen Clubs und Arenen einbezieht. Zudem gibt es Gesetzmäßigkeiten bei großen PA-Systemen, die man beim Spiel in Erwägung ziehen muss. In der Regel gilt es, einen ordent – lichen Pegel anzubieten, und zu viel Dynamik ist da eher schwierig. Man muss aufm Schirm haben, dass da draußen eine große PA ist, die anders arbeitet als Anlagen in kleinen Clubs, wo ja rein akustisch schon viel von der Bühne kommt.

Was heißt das konkret für den Drumsound bei dieser Hallentour?

Ich habe vorweg schon mal größere Kessel gewählt. Statt einem 10er ist jetzt zum Beispiel ein 12er Tom am Start. Anfangs dachte ich, das 12er kann nur tief. Aber in dieser Position auf einem Snare-Stativ, reicht es klanglich bis in die mittlere Range rein, es singt ein bisschen, klingt aber dabei voll und satt. Mein Setting wandelte sich mit der Größe der Spielstätten. Auch spiele ich nun größere Becken als früher, z. B. 20er Crashes, eine 15er Hi-Hat.

Alles schwerer und lauter?

Nicht unbedingt schwerer, aber voller. Und über die 15er Hats freut sich auch die Tontechniker-Fraktion, weil sie deutlich mehr Chick und Attack hat als eine 14er. Die großen Hats klingen eher 80ermäßig und setzen sich besser durch, ohne zu spitz zu klingen. Eigentlich bin ich eher ein Fan von Jazz Hats, die im Klang weicher sind und so 70er-Jahre-mäßig klingen. Aber ich verstehe, dass die 15er Hat im Kontext dieser großen Shows Sinn macht. Da gehe ich dann auch mit den Tontechnikern konform. Keine Frage!

Und wie gestaltest du das Drum-Tuning?

Nun, bei der Detailverliebtheit muss man in großen Hallen klare Abstriche machen. Allerdings macht es auch in großen Venues was aus, ob Toms lange nachklingen oder eher trocken sind. Die kommen ja auch über die Overheads mit rüber. Allzu resonante Toms funktionieren in den Hallen nicht. Deswegen habe ich etwas Watte in die Kessel gelegt, die das lange Nachschwingen der Resonanzfelle etwas eindämmt, ohne den Klangcharakter zu verfremden.

Ich stimme die Toms auch mit einem Stimmgerät genau auf Intervalle. Das halte ich für wichtig, gerade auch auf Tour, damit man immer eine Referenz hat und nichts dem Zufall überlässt. Die Intervalle orientieren sich an Quarten. Was Drumsounds angeht, bin ich perfektionistisch und will das auch sehr genau haben.

Ist dein perfektionistischer Ansatz auch der Grund, warum jedes Tom mit zwei Mikrofonen abgenommen ist?

(grinst) Das hat mit der Trennung und den Klangunterschieden zu tun zwischen FOH-Sound und Monitor-Sound. Unser Tontechniker bevorzugt Kondensator-Mikros, und wir haben für unser In-Ear-System haben dynamische Mics. Jeder hat da seine Präferenzen – daher zwei unterschiedliche Mikrofontypen an einer Klangquelle. Bei der Bassdrum sind es sogar drei: eine Grenzfläche, ein konventionelles Mikro und ein Subkick. Es ist zwar Aufwand, aber das Ganze macht Sinn, um für den bestmöglichen Livesound genug Potenzial zu haben. Letztens haben wir eine Live-Aufnahme mal klanglich analysiert und auch mal selektiv gehört, welche Signale sich in welchen Kanälen und Mikros befinden. Alleine, was sich in den Tom-Kanälen sonst noch alles aufhält, ist schon krass. Das erklärt dann, warum man Kanäle gatet und ich als Drummer gewisse Pegel anbieten muss.

Regelst du deinen In-Ear-Sound selber über dein Pult?

Ja, ich kann jeden Drum-Kanal einzeln im Monitor regeln. Es gibt ein Splitter-System für die Mikros, da liegen alle Signale an. Auch Tim Bendzkos Stimme und den Bass kann ich einzeln fahren. Von der Band kommt dann noch die Stereosumme. Dieses detaillierte Monitoring ist auch so ein Perfektionismus von mir. Ich bin froh, dass ich den hier ausleben kann! (lacht) Sinn dieser aufwendigen Technik ist die Kontrolle im Monitor und ein kickender Drum-Sound, den ich genau nach meiner Vorstellung auf’m Ohr haben möchte. Ein Bass-Shaker unterm Stuhl sorgt dann noch für das physische Erlebnis. Ein traumhafter Zustand, an den man sich nicht gewöhnen sollte …

(lacht) … denn das ist ja auch eine Materialschlacht.

Es gibt ein paar elektronische Komponenten in deinem Set. Was ist der Hintergrund?

Auf dem Yamaha XP80-Pad links steuere ich das Click-Tempo, und das andere Pad ist mit Standard-E-Drum-Sounds belegt. Dann gibt es noch einen Trigger fürs Stoppen und Starten von Loops. Unten hab ich ein Pedal, das auf einen Trigger geht für elektronische Bassdrum-Sounds. So kann ich mit E-Bassdrum und Synthie-Snare mal schnell einen klanglichen Szenenwechsel vollziehen. Das ist super.

An deiner Main-Snare ist ein Groove Wedge angedockt. Was leistet dieses Teil?

Das ist der perfekte Sidestick, sehr schön holzig und nussig. Klingt viel knackiger als übliche Sidestick Sounds. Und lauter!

Eine Eigenart deines Spiels sind die relaxten Rimclick-Flams anstelle von gehämmerten Backbeats?

Ja, das mach ich gerne. Ursprünglich kommt dieser Sound von R&BGrooves, so im Erykah-Badu-Style. Man muss es eine Weile spielen, bis der Flam wirklich klingt und in time ist. Er darf nicht zu eng und auch nicht zu breit sein.

Im Prinzip geht es um straightes und geschmackvolles Live-Pop-Drumming
Die Zeiten der high-crack Piccolo- Zweit-Snares scheint vorbei. Auch du hast eine recht tief gestimmte 2nd-Snare links stehen …

… ja, sie klingt deutlich tiefer als die Main-Snare, um diesen nassen 80er-Jahre-„Bmff“-Sound zu haben. So Balladen-Snare-mäßig – mag ich sehr!

Welche Art Drum-Grooves kommen hauptsächlich bei Tim Bendzko vor?

Eigentlich ziemlich klassische Pop-Grooves, aber natürlich auch 6/8-Shuffle-Grooves. Aber im Prinzip geht es um straightes und geschmackvolles Live-Pop-Drumming.

Und das Feel ist eher hinter dem Beat oder voll auf die Zwölf genagelt?

Ich find es langweilig, wenn alle genau auf dem Click spielen. Gerade weil ich den Click ja fahren kann, sind bei uns kleine versteckte Time-Spielereien möglich, die Einfluss auf das Feel haben. Daher arbeiten wir bei den Shows mit einem variablen Click. Ich selber fahr ihn und kann während der Songs das Click-Tempo hoch- und runterfahren.

Wie jetzt?

Na ja, über das XP80-Stereo-Pad kann ich das Tempo mittels Minusund Plus-Taster in einzelnen bpm-Schritten verändern. In der Bridge zum Beispiel passt es, das Tempo mal zwei Beats runterzufahren. Und im Refrain wird es dann wieder angezogen. So wirken die zum Click gespielten Songs auch nicht steril. Ein gutes Zusammenspiel mit der Band muss natürlich gewährleistet sein.

Die Click-Variationen liegen also in deiner Hand?

Ganz richtig! Da steckt schon eine gewisse Verantwortung hinter, aber die Veränderungen der Tempi sind ja nicht brutal, sondern passieren eher auf subtiler aber spürbarer Ebene, um das dynamische Feel ein wenig zu kitzeln. Es gibt nur wenige Titel, bei denen mal ein Shaker oder ein Tambourine als Loop parallel mitläuft. Diese Loops passieren streckenweise in einzelnen Song-Parts. Und wenn ich vorher den Click verändert habe, muss er natürlich im Loop-Part wieder ins Originaltempo zurückgefahren werden, damit es zum Loop stimmt. Die Sache ist ein bisschen tricky … (grinst) … das zeigt aber auch die Freiheiten, die wir hier haben, was man bei einem Act dieser Art vielleicht gar nicht erwartet. Das Korsett ist nicht so eng, und ich kann auch Sachen nach meinem Geschmack verändern, wenn es dem Song zugutekommt und gefällt.

Die Empfindung für Tempo ist bei jedem ja anders und auch von der Tagesform abhängig. Birgt die Manipulation des Clicks daher nicht Gefahren?

Ich würde eher sagen, dass diese Click-Variation eine gewisse Qualität mit sich bringt, die dem Song-Feel auf jeden Fall hilft. Zum Beispiel haben wir eine Ballade im Programm, bei der sehr spät erst der Click zugeschaltet wird. Tim spielt zunächst alleine, und währenddessen gleiche ich das Click-Tempo Tims Tagestempo an. Es gibt unterschiedliche Empfindungen, die täglich minimal anders sein können. Darauf kann ich reagieren, und das macht es lebendig. Teilweise mach ich den Click unterwegs auch aus. Vor allem zum Song-Ende können die letzten 16 Takte gerne mal auslaufen. Aber auch innerhalb eines Songs schalte ich den Click schon mal aus und erst zum Chorus wieder ein.

Aber da kann das Tempo in dem Moment doch völlig woanders sein?

Da muss man reagieren! (grinst) Der Click kommt für die Band ja nicht überraschend, und alle hören ihn auch übers In-Ear. Die Intention ist, dass man den Part vor dem Refrain langsamer spielt und mit einsetzendem Chorus mit Click wieder auf Punkt ist. Das bringt Kraft und kickt den Song. Es hat zwar eine Weile gedauert, bis wir das mit der Band so flüssig spielen konnten, aber inzwischen sind wir sehr gut eingespielt.

Schlagzeugspielen war stärker als die Verlockungen bürgerlicher Berufe. Alles bei Tim Bendzko verdiente Geld wird also sofort in den Studiokeller gesteckt?

Genau! (lacht)

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Toll wäre es, sich als Studiodrummer zu etablieren und weiterhin viel Musik zu machen, mit Spaß und Liebe zum Detail.

+Tourset

Drums: Yamaha Oak Custom

22″ x 17,5″ Kick

12″ x 9″ Tom

14″ x 14″ Floor-Tom

16″ x 16″ Floor-Tom

Snaredrums: Yamaha

Main Snare: 14″ x 5,5″ Brass (mit Groove Wedge)

Side Snare: 14″ x 6″ (Maple, Vintage-Serie)

Cymbals: Meinl

15″ Byzance Dark Hi-Hat

18″ Byzance Traditional Extra Thin Hammered

Crash

18″ Byzance Jazz Thin Crash

22″ Byzance Tradition Ride

20″ Byzance Traditonal Extra Thin Hammered

Crash

16″ Byzance Traditional Flat China

22″ Byzance Jazz China Ride

Hardware & Pedale: Yamaha

Elektronik:

Yamaha DTX 900M-Modul

(für Loops /Sounds/Click)

2 x XP80-Pad

1 x TP70-Pad

Yamaha Subkick (Bassdrum-Mikrofon)

RME PreAmps/Interface (Live Recording)

In-Ear-System: Compact Monitors

Percussion: Meinl

Shaker und diverse Small Percussion

Felle: Evans

Snaredrums: Evans HD coated

Toms: Evans G2 clear (top/bottom)

Kick: Evans EMAD clear

Sticks: Rohema LR5A (Natural-Serie)

Cases: Hardcase

Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums

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