Produkt: Sticks 11-12/2019
Sticks 11-12/2019
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Der delikate Sound donnernder Drums

Pink Floyd: Nick Mason im Interview

Sprechen Fachleute über Pink Floyd, stehen eigentlich immer nur zwei Namen im Vordergrund: die von Bassist/Sänger Roger Waters und von Gitarrist/Sänger David Gilmour. Sogar Keyboarder Rick Wright weckt das Interesse der Menschen nur erst in zweiter Linie, obwohl seine Keyboard-Parts signifikante Bestandteile des Floyd-Sounds sind. Schlagzeuger Nick Mason kommt meist sogar noch schlechter weg. Seine Fähigkeiten werden oftmals unterschätzt, zumal Mason sein Schlagzeugspiel stets in den Dienst der Songs gestellt und sich den Ideen der Köpfe Waters und Gilmour untergeordnet hat. Dennoch ist er ein enorm wichtiger Bestandteil der Gruppe, deren Erfolge sich auf den Ideen aller vier Band-Mitglieder aufbauen.

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(Bild: © 2005 Rockbuch/NMA (Nick Mason Archive))

Geboren wurde Nick Mason am 27. Januar 1945 in Birmingham. Im Alter von 20 schloss er sich Syd Barret, Roger Waters und Rick Wright an und formierte Pink Floyd. Speziell in den Anfangsjahren zeichnete sich die Band durch allerlei innovative Sound- und Spielexperimente aus, durchsetzt mit Geräuschen ratternder Maschinengewehre, kreischender Möwen und dröhnender Explosionen. Für den labilen Barret kam Ende der Sechziger David Gilmour, von dessen feinen Gitarrenspiel Pink Floyd sofort stark und nachhaltig profitierte.

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Inside Out: Mein persönliches Portrait von Pink Floyd, Nick Mason www.rockbuch.de

Die Band schrammte in ihrer Karriere mehrfach am finanziellen Desaster vorbei, veröffentlichte aber 1973 mit „Dark Side Of The Moon“ nicht nur einen Multimillionen-Seller sondern eines der fünf wichtigsten Alben der Rockgeschichte. Das Werk hat sich bis heute mehr als 30 Millionen Mal verkauft und rangierte 14 Jahre(!) nonstop in den amerikanischen Billboard 200-Charts. Mit „Wish You Were Here“ präsentierte die Band knapp drei Jahre später einen ebenso überzeugenden Nachfolger, schwächelte mit „Animals“ (1977) kurz und hob mit dem Monumentalwerk „The Wall“ (1979) endgültig in ungeahnte Sphären ab. Anschließend zerfiel die Band weitestgehend.

Nach dem dramatisch schwachen Album „The Final Cut“ (1983) trennte sich Roger Waters, der bereits vorher Rick Wright hatte feuern lassen, von Pink Floyd. Gilmour und Mason wagten mit der partiellen Unterstützung von Wright auf „A Momentary Lapse Of Reason“ (1987) die Fortsetzung von Pink Floyd ohne ihren jahrelang wichtigsten konzeptuellen Kopf Roger Waters. Auf „The Division Bell“ (1994) kehrte dann Rick Wright endgültig zur Band zurück, während der Kontakt der Gruppenmitglieder zu ihrem früheren Ideengeber Roger Waters nur über Rechtsanwälte aufrechterhalten wurde.

Vor wenigen Monaten gab es anlässlich des „Live 8“-Spektakels plötzlich und unerwartet eine Wiedervereinigung der legendären Urbesetzung mit Waters, Gilmour, Wright und Mason. Seither kursieren natürlich die wildesten Gerüchte um eine Fortsetzung der Bandgeschäfte im Original-Line-up. Während sich die Beteiligten in Schweigen hüllen, veröffentlicht Nick Mason mit „Inside Out“ ein sagenhaftes Buch über die gesamte Karriere von Pink Floyd. Darin entdeckt man viele tolle Photos, interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Alben und eine sehr persönliche Einschätzung zu Krisen und Streitereien. Wir nutzten die Gelegenheit eines Interviews mit Nick Mason, um mehr über diese Band und ihren zurückhaltenden Schlagzeuger zu erfahren.

Nick, was war die Initialzündung für dich, ein solch monumentales Buch in Angriff zu nehmen?

Mir schwirrte die Idee schon seit vielen Jahren im Kopf herum. Viele Geschichten, die man hier findet, kennen zwar viele Leute bereits. Aber ich wollte sie konkretisieren, unsere Sicht der Wahrnehmung darstellen. Im Lauf von 40 Jahren sind halt eine Menge interessanter Anekdoten angefallen, die sich lohnen, aufgeschrieben zu werden. Ich fing bereits vor zehn Jahren mit ersten Arbeiten an. Wir kamen von der „The Division Bell“-Tour nach Hause, ich hatte Zeit und Spaß daran, all diese Dinge zusammenzutragen und unsere gesamte Karriere noch einmal Revue passieren zu lassen. Also von den allerersten Anfängen, als alles noch viel einfacher war, bis zur Gegenwart. Der Grund, weshalb ich es jetzt fertig gestellt habe, ist der plötzliche Tod unseres Managers Steve O`Rourke im Jahr 2003, der dreißig Jahre lang unser Freund und Wegbegleiter war. Durch seinen Tod merkte ich, dass viele Erinnerungen mit eben jenen Leuten verloren gehen, die uns auf diese Weise verlassen. Ich möchte aber die Erinnerung an sie und an eine großartige Zeit wach halten.

Was war der mühsamste Teil deiner Recherche?

Für mich war es ziemlich schwierig, allen Leuten, die uns im Laufe der Jahre geholfen haben, in diesem Buch gerecht zu werden. Es war für mich auch nicht ganz einfach, allen Band-Mitgliedern gegenüber fair zu bleiben. Pink Floyd sind leider auch bekannt für ihre internen Kämpfe, vor allem die zwischen Roger und den Anderen. Aber wir sind keine Psychopathen, die sich nur der Auseinandersetzung wegen gestritten haben. Es ging immer um unterschiedliche Standpunkte, Ideen, Visionen, Vorstellungen. Das sollte man nie vergessen, auch wenn phasenweise die Sache über Rechtsanwälte ausgetragen wurde.

Musstest du befürchten, dass mit einer einstweiligen Verfügung Teile deines Buches lahm gelegt werden?

Nein, alle Band-Mitglieder haben das Manuskript im Vorfeld gelesen. Natürlich gibt es auch weiterhin Ereignisse, die wir ganz unterschiedlich bewerten. Aber so ist das nun einmal mit einer persönlichen Geschichte. Wenn die Anderen ihre Sichtweise mitteilen wollen, können sie ja ihrerseits ein Buch darüber schreiben. Ich würde mich darüber freuen.

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(Bild: © 2005 Rockbuch/NMA (Nick Mason Archive))

Hast du bei den Arbeiten an „Inside Out“ etwas über die Band gelernt, was du vorher so nicht wusstest? Konntest du dich dadurch besser in die Psyche von Roger, David und Rick hinein fühlen?

Ich würde nicht sagen, dass ich etwas explizit dazu gelernt habe. Aber es wurden viele Erinnerungen wieder wach. Ich merkte erneut, dass es keine allgemein gültige Formel gibt, nach der eine Band funktioniert. Es sind eher die unterschiedlichen Zutaten, die eine Rockgruppe überleben lässt. Dazu gehören eben auch die dunklen Kapitel, die Erfahrungen von Schmerz, Trauer, Enttäuschung. So etwas bleibt nicht aus, wenn Menschen miteinander kooperieren. Ich will nicht sagen, dass Streit zwangsläufig dazugehört, aber wenn Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen so eng miteinander arbeiten, gehören die Auseinandersetzungen dazu.

Wenn du die komplette Karriere von Pink Floyd rückblickend betrachtest, überkommt dich dann eher ein Gefühl von Stolz oder von Freude?

Oh, das ist eine sehr gute Frage, über die ich kurz nachdenken muss. Hm, ich denke, dass es vor allem Freude ist. Es war in all den Jahren ein riesiger Spaß, Teil dieser Band sein zu dürfen. Ich führe ein ausgesprochen privilegiertes Leben. Natürlich bin ich auch auf vieles stolz, gleichzeitig denke ich aber, dass wir eine Menge Dinge noch besser hätten machen können. Stolz bin ich deshalb nur begrenzt, weil es ja nicht nur mein Werk sondern unsere gemeinschaftliche Leistung ist, die Pink Floyd zu dem gemacht hat, was es heute ist. Es war immer sehr aufregend in dieser Band, aber da es stets ein Gemeinschaftsprojekt war, würde ich den Begriff „Stolz“ nicht unbedingt verwenden.

Kannst du deine Position innerhalb dieser Superband charakterisieren?

Dieses ist eine der Fragen, die man beim besten Willen nicht beantworten kann. Denn bei Pink Floyd sind die Arbeiten nicht klar untergliedert. Jeder interagiert mit den Anderen. Natürlich könnte man Roger als den früheren Chef bezeichnen, denn er war so etwas wie unser musikalischer Direktor. Später übernahm David diese Rolle. Dennoch konnte ich in unterschiedlichen Bereichen immer meinen Teil dazu beitragen. Man kann bei Pink Floyd eben gerade nicht sagen: „Dieses war meine Idee.“ Oder: „Jener Teil stammt von mir.“ Vielmehr gehören die Credits allen zusammen, denn nur in dieser Konstellation konnten wir so erfolgreich werden wie wir es heute sind.

Welches war aus deiner Sicht die beste Phase. Ich meine das nicht in kommerzieller Hinsicht sondern bezüglich deines persönlichen Gefühls.

Sicherlich die Zeit bis zur Veröffentlichung von „Dark Side Of The Moon“. Bis dahin waren wir eine homogen arbeitende Band mit Musikern, die ein und das gleiche Ziel verfolgten. Wir wollten gemeinschaftlich die bestmögliche Platte veröffentlichen und möglichst imposante Konzerte geben. Verglichen mit den späteren Phasen war dies die unproblematischste Zeit unserer Karriere. Allerdings muss ich in diesem Zusammenhang auch die 94er „The Division Bell“- Tour erwähnen, die ohne Zweifel unsere musikalisch beste war. Wir waren vorher nie in der Lage gewesen, unsere wirklichen Qualitäten auch auf der Bühne zu zeigen, weil wir niemals lange genug tourten. Meistens wurden nur unzureichende Proben durchgeführt, so dass man halbfertig auf eine Tour startete und erst am Ende der Tour merkte, dass jetzt die Band wirklich homogen zusammenspielt. Nach der Veröffentlichung von „The Division Bell“ spielten wir sechs Monate nonstop und konnten die Show tatsächlich weiterentwickeln, anstatt sie nur so gerade halbwegs funktionieren zu lassen.

Das heißt: Es gab viele Phasen, in denen du dich unwohl gefühlt hast?

Ob es viele Phase waren, weiß ich so genau nicht mehr. Aber natürlich war speziell die Arbeit an „The Final Cut“ einer der Tiefpunkte für Pink Floyd. Wir waren uns absolut uneinig, wohin die Reise gehen sollte. Außerdem stand immer die Frage im Raum: Ist es eine Pink Floyd-Scheibe oder lediglich das Projekt von Roger Waters? In diesen Wochen und Monaten war die Zukunft der Band vollkommen unklar. Dementsprechend unwohl fühlte ich mich.

Hast du bei den Arbeiten am Buch Menschen wiederentdeckt, die du in der Zwischenzeit vergessen hattest?

Nicht vergessen, aber über die Arbeiten an „Inside Out“ bekam ich wieder Kontakt zu ihnen oder konnte zumindest einen gefühlsmäßigen Bezug zu ihnen wieder herstellen. Bob Klose beispielsweise, der ursprünglich auch mal zur Band gehörte, konnte mir mit vielen kleinen Geschichten weiterhelfen. Er und einige Andere waren sehr hilfreich und weckten Erinnerungen, die mir ohne sie sicherlich entfallen wären.

Wenn du deine Karriere Revue passieren lässt: In welcher Zeit hast du dich als Schlagzeuger am meisten weiterentwickelt?

Sicherlich Ende der Siebziger bei den Arbeiten an „The Wall“. Denn das Album war zweifelsohne das anspruchsvollste und ungewöhnlichste, das wir in unserer Laufbahn gemacht haben. Nie zuvor hatten wir musikalisch so hart gearbeitet und uns so strikt an die Vorgaben gehalten. Die vorherigen Scheiben waren unter größerer künstlerischer Freiheit entstanden. Noch während der Produktion von „The Wall“ arbeitete ich auch an einem Album mit Mike Mantler und Carla Bley, die mir technisch um Längen voraus waren. Von ihnen konnte ich eine Menge lernen und mich dadurch als Drummer weiterentwickeln.

Das ursprüngliche Procedere bei „The Wall“ war doch wie früher, oder?

Ja, wir nahmen Schlagzeug und Bass auf einer analogen 16-Spur-Maschine auf. Die Aufnahmen wurden dann auf zwei Spuren zusammengemischt und auf eine 24-Spur-Maschine überspielt. Das war vor allem für die empfindlichen Bänder sehr Material schonend.

Was waren die wichtigen Lektionen, die du in dieser Phase gelernt hast?

Es waren allerlei technische Tricks und Kniffs, die mir gezeigt wurden. Außerdem lernte ich, wie man Pausen lässt und dadurch die Dynamik steigert, anstatt ständig die aufwendigsten Figuren zu spielen und damit die Songs zu überfrachten.

Kann man die typische Nick Mason-Handschrift dennoch in all euren Veröffentlichungen hören?

Es gibt eine ganz eigentümliche Spannung in all unseren Werken, die man in allen Jahren erkennen kann. Diese Spannung hatte immer etwas mit der ganz speziellen Zusammenarbeit innerhalb von Pink Floyd zu tun. Wenn du dir die Spielweisen von Rick Wright anhörst, dann stellst du eine große Konstanz über all die Jahre fest. Er hat einen ganz eigenen Stil, einen einzigartigen Sound, der sich wie ein roter Faden von den Sechzigern bis in die Neunziger fortgesetzt hat. Darauf aufbauend haben auch wir Anderen eine Stimmung erzeugt, die sämtliche Scheiben miteinander verbindet.

Während die Keyboards eine enorme technische Weiterentwicklung erfahren haben, bist du hinsichtlich deines Schlagzeugs eher Traditionalist geblieben, oder?

Ja, das könnte man so sagen. Es gab ein paar Versuche, mit elektronischen Drums zu experimentieren. Aber früher waren die Dinger noch nicht richtig ausgereift, so dass es bei Experimenten blieb. So richtig gut wurden E-Drums erst in den vergangenen zehn Jahren.

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(Bild: © 2005 Rockbuch/NMA (Nick Mason Archive))

Du hast schon recht früh mit den Simmons-Drums experimentiert.

Ja, sie waren die ersten, die es am Markt gab und die ich ausprobierte. Sie waren wirklich fabelhaft, aber für die Bühne damals praktisch ungeeignet. Es war deutlich einfacher, reguläre Drums zu nutzen, sie gegebenenfalls zu triggern und nur vereinzelt Pads einzusetzen, anstatt komplett elektronische Drums zu spielen. Die meisten Schlagzeuger haben auf einem „Naturschlagzeug“ den besten Sound. Auch ich bevorzuge noch heute meine riesige Schießbude mit all ihren natürlichen Features.

Allerdings musstest auch du einsehen, dass es ohne einen zusätzlichen Percussionisten nicht mehr geht. Jedenfalls nicht auf der Bühne.

Ja, das stimmt. Es war quasi im gleichen Zug, in dem wir einen zweiten Gitarristen in unsere Live-Shows einbauten. Die einzelnen Parts waren mittlerweile so kompliziert geworden, dass man sie allein nicht hätte bewältigen können. Schon bei den Studioaufnahmen wurden von Album zu Album mehr Overdubs eingespielt. Deshalb lag es auf der Hand, in Konzerten einen extra Mann dafür einzusetzen. Für mich war dies eine wunderbare Entscheidung. Es ist einfach toll für einen Schlagzeuger, mit einem Percussionisten zusammenzuspielen. Es entwickelt sich eine permanente Interaktion, man stimmt Grooves aufeinander ab, teilt die Fills auf, und so weiter. Gary Wallis, der auf den beiden letzten Tourneen unser Percussionist war, ist ein fabelhafter Musiker mit einer ganz außergewöhnlichen Technik. Von ihm konnte ich eine Menge lernen. Sowohl in technischer wie auch in musikalischer Hinsicht.

War es schwierig, plötzlich einen Percussionisten neben sich zu haben?

Ja, natürlich war es zunächst eine Umstellung, denn mit zwei Drummern muss man deutlich exakter spielen, als wenn man alleine trommelt. Aber wenn man sich konzentriert und sich ganz genau mit den Arrangements befasst, dann kann man sich auch zu zweit seine Freiräume schaffen. Alles ist eine Frage der Absprache. Gary und ich sprechen uns einfach ab, wer wann und wo welchen Part übernimmt. Wer welches Fill spielt, wer in den Strophen die Feinheiten trommelt und wer im Refrain für den Groove sorgt. So etwas abzusprechen ist sehr interessant und bietet einem dann anschließend große Freiheiten.

Hat sich im Laufe der Jahre deine Studioarbeit grundsätzlich geändert?

Der größte Unterschied ist, dass im Laufe der Zeit immer mehr Spuren für die Drums eingesetzt wurden. Wir fingen an mit zweispurig, dann vier- und achtspurig, später sechzehnspurig bis hin zu 24 Spuren allein für das Grundset. Als wir damals „Arnold Layne“ aufnahmen war das komplette Drum-Set auf maximal zwei Spuren und bereits fertig gemischt. Bei „The Division Bell“ verschlangen die Drums allein 24 analoge Spuren! Jedes einzelne Detail des Kits wurde aufgenommen, so dass man den endgültigen Mix der Drums bis zum letzten Tag noch variieren konnte. Das ist natürlich eine ganz andere Vorgehensweise. Die Art der Mikrophonierung dagegen hat sich nur sehr wenig verändert. Alle Toningenieure, mit denen ich im Laufe der Jahre gearbeitet habe, bevorzugen ein sehr ähnliches Mikrophonieren der Drums. Auch das Equipment selbst hat sich eigentlich nur in Nuancen wirklich verändert. Wie gesagt: Der größte Unterschied ist das Multitracking, mit dem sich der Sound des gesamten Drumkits enorm variieren lässt. Man kann Kick, Snare und Toms komplett voneinander trennen und damit ganz ungewöhnliche Sounds kreieren.

Es macht die Sache für einen Schlagzeuger also einfacher?

Nein, es ist so unterschiedlich, dass man es erst lernen muss. Früher war es einfacher, wenn ich mit Roger und Rick zusammen meine Drums einspielte und viele Freiheiten hatte. Es dauerte oftmals viel länger als heute, aber dafür hatte man etwas Einzigartiges, Persönliches, sehr Individuelles.

Besonders dieser Aspekt wurde durch die Einführung des Clicktracks doch sowieso hinfällig, oder?

Ja, als Clicktracks im Studio erstmals zum Einsatz kamen, da mussten wir Drummer uns mächtig umstellen. Denn das Teil läuft natürlich entgegen deinem natürlichen Spielgefühl. Wenn etwas nicht parallel läuft, liegt der Fehler immer beim Schlagzeuger, niemals beim Click. Das kann ganz schön frustrierend sein. Aber es ist nun einmal so wie es ist: Man kommt um dieses Aufnahmeverfahren nicht mehr herum.

Kannst du dich an deine erste Erfahrung damit erinnern?

Nicht so genau, zumal wir Clicktracks bereits sehr früh aber niemals durchgehend einsetzten. Wir verwenden ihn mittlerweile ja schwerpunktmäßig auch auf der Bühne ein, weil wir mit Sequenzern arbeiten.

Hast du daher bei der „Division Bell“-Tour erstmals auch ein In-Ear-Monitorsystem eingesetzt?

Ja, das war eine ganz neue Erfahrung für mich, aber unumgänglich, da bei einigen Nummern das absolut exakte Timing notwendig war, um alle Effekte einspielen zu können.

Wie etwa bei „Money“.

Ja, ein sehr gutes Beispiel. Ohne Click würde dieser Song auf der Bühne schnell aus dem Ruder laufen. Bei anderen Nummern dagegen wird er nicht eingesetzt, oder nur beim Intro.

Ein Vorteil haben diese Dinger aber doch für einen Drummer: Früher mussten die Schlagzeugspuren immer als erstes eingespielt werden. Heute kann man es getrost am Ende machen, oder?

Ja, das ist wirklich ein enormer Vorteil. Du brauchst bei einer Studioproduktion die Drums nicht mehr als Orientierung für die anderen Musiker, sondern kannst theoretisch alle anderen Instrumente einspielen und dann die Schlagzeugparts dazu kreieren. Wir machen es normalerweise so, dass wir die Songs zunächst als Demos aufnehmen und sie dann live einspielen.

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(Bild: © 2005 Rockbuch/NMA (Nick Mason Archive))

Bei welchen Songs ist dir das besonders gut gelungen?

Schwer zu sagen. Es gibt viele Songs, mit denen ich sehr zufrieden bin, andere dagegen hätte man besser machen können. Natürlich gibt es bestimmte Songs, die ich besonders mag und ausgesprochen gerne spiele, weil sie mir Freiräume für Manöver lassen. „Comfortably Numb“ ist so ein Beispiel, bei dem wir am Ende während des Gitarrensolos alle Freiheiten in Punkto Dynamik haben. Es geht dann darum, David möglichst perfekt zu inspirieren, damit er sich wohl fühlt und das Beste aus sich herausholen kann.

Welche Songs eurer Karriere würdest du dagegen heute ganz anders spielen?

Oh, eine Menge. Aber die würde ich dir natürlich nicht verraten. Man hört im Laufe der Jahre Dinge nun einmal anders als früher.

Was bringt die Zukunft? Was kann man von Pink Floyd noch erwarten?

Ich muss zugeben, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, ob etwas geplant ist. Wir haben ja einige Jahre überhaupt nichts zusammen gemacht, so dass ich ziemlich überrascht war plötzlich beim Live 8- Spektakel zu spielen. Nichts war geplant, aber es gab zum Glück genug gute Gründe, um dort aufzutreten. Ansonsten existieren keine weiteren Pläne, außer der Wiederveröffentlichung des „Pulse“-Konzertes auf DVD, das es bislang nur als VHS-Kassette gab. Mehr ist zurzeit nicht geplant. Ich selbst mache momentan nur spaßeshalber Musik und musiziere öfter mit meinen Söhnen, die beide Gitarre spielen. Ansonsten kümmere ich mich um die Veröffentlichung meines Buches.

Letzte – unumgängliche – Frage: Wie war die Reunion von Pink Floyd mit Roger Waters? Gibt es da tatsächlich eine musikalische Annäherung?

Ich habe wirklich keine Ahnung. Ich bin froh, mich mit Roger wieder versöhnt zu haben, denn er war immer sehr wichtig für mich.

Zwischenzeitlich habt ihr nur noch über eure Anwälte miteinander kommuniziert …

… ja, das stimmt, und darunter habe ich immer sehr gelitten. Ich freue mich, dass wir unsere Freundschaft wieder reanimieren konnten. Was auch immer das für die Zukunft von Pink Floyd zu bedeuten oder eben auch nicht zu bedeuten hat. Man wird sehen.

Nick, vielen Dank für das interessante Gespräch.


 

Drumset der „Divison Bell“-Tour

Drums: dw

22″ x 18″ Bassdrums (2)

8″ x 7″, 10″ x 8″, 12″ x 9″, 13″ x 10″, 14″ x 11″, 15″ x 12″, 16″ x 13″ und 18″ x 14″ Toms

14″ x 5,5″ Edge Brass/Maple Snaredrum

Percussion:

1 Set Remo Roto-Toms (8“, 10“, 12“, 14“, 16“, 18“) LP Cowbell

Cymbals: Paiste

15″ 2002 Heavy Hi-Hat

14″ 2002 Crash (2x)

16″ 2002 Crash (2x)

18″ 2002 Crash (2x)

18″ 2002 Ride

20″ 2002 Ride

22″ 2002 Ride

20″ 2002 China Type

22″ 2002 China Type

40″ Symphonic Gong

Sticks: pro-mark

Felle: Aquarian

Elektronik: Dauz Pads Kurzweil RS-2000 Sampler

Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals

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