Produkt: Sticks 01-02/2020
Sticks 01-02/2020
Marco Minnemann - Drums araound the world +++ Interview: Jakob Hegner, Holger Maik Mertin +++ Test-Special: Pearl e/Merge e/Hybtid Set
STICKS-Interview

Randy Black: Thrash Metal Power

(Bild: Tom Schäfer tom.percussion@t-online.de)

Sein Name ist ein Indikator für Ästhetik des Metal-Drummings. Als Tour- und Band-Drummer hat Randy Black bei zahlreichen Rock- und Metal-Legenden wie Primal Fear, Alice Cooper, Uriah Heep, Striker, Bif Naked, Rebellion, Skew Siskin, Dusk Maschine, Annihilator und W.A.S.P seine Signatur hinterlassen.

Dabei war er immer schon ein Visionär, der Klischees aufgebrochen und kreative Wege in der Entwicklung packender Grooves eingeschlagen hat. Auch mit seiner killermäßigen „Ambidextrous“-Technik konnte er dem Metal-Drumming zu neuem Format verhelfen. Über dreißig Jahre ist er im Geschäft des harten Sounds. Und jetzt kommt es noch härter: Aktuell ist er Drummer der Thrash-Metaller Destruction! Für Randy Black eine unerwartet neue Herausforderung.

Anzeige

Interview & Fotos:
Tom Schäfer

Randy, nach 11 Jahren Metal-Work bei Primal Fear und einem Zwischenstopp bei W.A.S.P. bist du aktuell bei den Thrash-Metallern Destruction gelandet. Wie kam es dazu?
Mich erreichte eine E-Mail: „Hey, can you play Double Bass at 200 bpm?“ Na klar! Also spielte ich zunächst eine Tour als Sub. Da wurde mir klar, dass die Typen von Destruction Legenden sind. Die Band zählt mit Kreator, Sodom und Tankard zu den „Teutonic Four“. Destruction begann schon in den frühen 1980er Jahren, damals als Power-Trio. Heute gelten sie als Pioniere des Thrash Metal. Und es ist echt verrückt, denn überall wo ich mit ihnen unterwegs bin, ob Australien, Südamerika oder Asien, da gibt es immer wieder Aufläufe an den Flughäfen und alle wollen Fotos machen. Destruction haben Fans auf der ganzen Welt! Als sie dann einen Fulltime-Drummer suchten, dachte ich, wow, dieser Gig wäre schon cool. Also habe ich einiges an Energie in die Band investiert. Es standen noch andere Drummer zur Wahl, aber nach einem Festival-Gig kamen sie zu mir und sagten: „… hey, it’s yours!“ Das war im Sommer 2018.

Ist Destruction der Grund, warum du nicht mehr bei Primal Fear aktiv bist?
Nein, als ich Primal Fear verließ, stand keine Option für eine andere Band im Raum. Ich war nur kurzzeitig für 50 Shows mit W.A.S.P. unterwegs. Ansonsten nutze ich die band-lose Zeit, um Schlagzeugunterricht zu geben. Zwischendurch spielte ich noch für Dusk Maschine. Jetzt läuft mit Destruction alles wirklich sehr gut.

Es gab etliche Destruction-Drummer vor dir. Irgendwie sind die Schlagzeuger in der Band Jahr für Jahr ausgestiegen und von der Bildfläche verschwunden. Ist der Name „Destruction“ etwa Programm? Es erinnert irgendwie an Spinal Tap.
(lacht) … ich glaube die hatten gar nicht sooo viele. Immerhin gibt es die Band seit 37 Jahren! Und da können Wechsel im Line-up aus verschiedensten Gründen vorkommen.

Worin siehst du die musikalischen Unterschiede zwischen deiner Longtime Band Primal Fear und deiner neuen Band Destruction?
Destruction ist sehr viel aggressiver vom Sound, typischer Thrash Metal. Thrash ist dirty upbeat agressive Metal. Primal Fear hingegen macht Melodic Power Metal.

Und welche unterschiedlichen Anforderungen gibt es bezüglich des Schlagzeugspiels?
Der Thrash Metal Approach mit Destruction ist vom Schlagzeugspiel sehr viel anspruchsvoller. Da gibt es eine Menge Double-Bass-Grooves in rasenden Tempi. Der Titelsong unseres neuen Albums „Born To Perish“ zum Beispiel basiert auf einem Tempo von 212 bpm, und „Tyrants Of The Netherworld“ mit immerhin 198 bpm Sechzehntel-Double-Bass – das geht ordentlich in Richtung körperlicher Extrembelastung.

(Bild: Tom Schäfer tom.percussion@t-online.de)

Eigentlich genau dein Ding, denn der Name Randy Black ist geradezu ein Inbegriff für exzellentes Metal-Drumming.
Um ehrlich zu sein, habe ich in der bandlosen Phase darüber nachgedacht, wohin meine musikalische Reise gehen könnte und welche Band meine Zukunft sein sollte. Mir wurde klar, dass ich nicht mehr der Jüngste bin, und eine Band mit weniger Double-Bass und weniger High-Tempo-Songs wäre also wohl nicht schlecht. (lacht) Und dann kam Destruction! Ich habe mich für einen Moment wirklich gefragt, ob ich mir das in meinem Alter zutraue. Es sollte kein kurzfristiger Gig sein, sondern eine längerfristige Verpflichtung über die nächsten Jahre. Außerdem hatte ich seit 2003 mit Annihilator keinen Thrash Metal mehr gespielt. Es hat Zeit und Energie gekostet, um mich in diesem Style wieder zuhause zu fühlen. Die Investition hat sich gelohnt, denn jetzt läuft alles rund und geschmeidig. Allerdings muss ich mich um meine Fitness kümmern, mit Gymnastik, Jogging und Skipping. Hinzu kommt das Übeprogramm am Kit. Ich war immer schon ein Spieler, der mit starker Physis und Action spielt. Das ist so meine Art. Ich will ja auch, dass mein Schlagzeugspiel eine optische Wirkung erzielt.

Warst du tief im Herzen eigentlich immer schon ein Metal-Drummer?
Jain. Angefangen habe ich damals in Kanada in einer Cover-Band. Wir spielten Titel von Rush, The Who, Led Zeppelin usw. Da war nicht viel Double Bass angesagt. Und den Gig bei Annihilator bekam ich, weil die Band Fans dieser Cover-Band waren! Als Mike Mangini bei ihnen raus war, spielte ich die Audition ohne überhaupt vorher irgendwelchen Metal gespielt zu haben. Ich kannte weder Slayer noch Dave Lombardo und war definitiv kein Double-Bass-Player.

(Bild: Tom Schäfer tom.percussion@t-online.de)

„212 beats per minute mit Double-Bass – das geht ordentlich in Richtung körperlicher Extrembelastung.“

Das ganze Metal-Drumming musste ich mir in harter Arbeit draufschaffen! Das war anfangs nicht leicht, denn schließlich war ich schon über dreißig Jahre alt und da fliegen einem die Sachen nicht so einfach zu wir einem Vierzehnjährigen, der damit aufgewachsen ist. Aber ich habe mich regelrecht in das Metal-Thema reingefressen. Heute ist Metal-Drumming für mich eine ganz natürliche Sache. Ich bin tief in die Möglichkeiten und kreativen Formen des Metal-Drummings vorgedrungen.

Eins deiner Markenzeichen ist der „Ambidextrous Symmetric Drum Style“. Was steckt dahinter?
„Ambidextrous“ bezeichnet, dass man mit links genau solche Fähigkeiten entwickeln kann wie mit rechts. Mit diesem spieltechnischen Konzept befasste ich mich schon damals zu meiner Zeit in Kanada. Ich fing an, als Rechtshänder gewisse Parts mit links zu führen und vertauschte auch die Cymbals, um das symmetrische Spiel zu checken. Ich wollte herausfinden, wie schnell sich die linke Hand entwickeln würde. So habe ich jahrelang an dieser Fähigkeit gearbeitet. Ein gutes Mittel hierbei ist der Einsatz von Rudiments, weil viele von ihnen konzeptionell auf dem symmetrischen Prinzip beruhen – sprich akzentuieren und führen sowohl mit links als auch mit rechts. Heute ist es für mich vielfach der Spaß an der Sache. Und es ist auch fürs Publikum sicherlich spannend jemanden zu sehen, der diese besondere physische Präsenz zeigt. Das Ganze geht natürlich einher mit der Attitude eines echten Metal-Drummers.

Erfordert das Konzept auch einen bestimmten symmetrischen Aufbau des Drumkits? Beruht der Set-Aufbau deines Schlagzeugs konzeptionell auf deiner Spielweise?
Natürlich! Deswegen habe ich ein symmetrisch geordnetes Cymbal Setup. Zwei Chinas, diverse Crashes und die beiden Hi-Hats sind in symmetrischer rechts/links Verteilung angeordnet. Ebenso beide Bassdrums sowie Floor-Toms rechts und links.

Metal-Drummimg hat oft den Ruf des brachialen Rumdreschens. In Wirklichkeit aber ist hier das Bewusstsein um den Groove der treibende Motor, oder?
Ein energetisch wirksamer Approach ist beim Metal-Drumming nicht von der Hand zu weisen. Energie ist allerdings etwas, das man nicht lernen und auch nicht vermitteln kann. Diese Kraft kommt von innen heraus, sie nährt deine Physis und ihre Quelle ist die Leidenschaft.

„Ich war immer schon ein Spieler, der mit starker Physis und viel Action spielt.“

Der Motor einer Metal-Band lebt von genau dieser Energie und von der speziellen aggressive Edge des Drummers. Metal-Drumming ist zugleich solides wie heftiges busy drumming. Darin liegt ganz klar ein Schwerpunkt. Super-Licks und Fast-Fills sind natürlich toll, aber mir ist der Erhalt eines Groove-Konzepts immer wichtig – auch Metal muss swingen! (grinst)

Egal welcher Metal Style – essentieller Baustein ist immer das Double-Bass-Drumming. Richtig?
Absolut! Aber es muss musikalisch Sinn machen. Und man muss daran Spaß finden. Wenn man ständig nur den standardmäßigen durchgetretenen Sechzehntel-Power-Teppich fährt, fängt es irgendwann an zu nerven. Aber sobald kleine Extras wie z. B. Drags und Flams auftauchen, erhält die Bassdrum-Ebene eine Aufwertung. Ganz wichtig beim Double-Bass-Drumming ist die Kontrolle und Time-Festigkeit.

Spielst du schon immer schon mit zwei Bassdrums und Single-Pedalen?
Ja, das ist für mich irgendwie angenehmer. Ich mag einfach die Direktheit der Single-Pedale und den Schub von zwei großen Bassdrums. Das fühlt sich straighter an. Diesbezüglich bin ich ein regelrechter old school full leg double bass player, mit Heel-Up-Technik. Ich arbeite weder mit Swivvel- noch mit Double-Stroke-Technik. Mit der Swivvel-Technik kommt man zwar leichter auf 220 bpm, aber es geht auch Power verloren, und mir fehlt dabei der ganze Habitus eines Meta-Drummers. Bei mir sind es harte Einzelschläge mit Power! Also muss ich häufig üben, um die Kraft und Ausdauer auf dem Stand zu halten. Klar, ich habe auch mal die Heel-Toe-Technik ausprobiert, aber nur am Practice-Kit, niemals live und in echt, weil ich da nicht die Power ins Pedal legen kann. Ich stehe auf Full Leg und Power. Es ist harte Arbeit, aber es hält mich jung und fit! (lacht)

Jeder Drummer arbeitet an seiner Weiterentwicklung und Ausdrucksstärke. Mit welchen Themen hast du dich in letzter Zeit befasst?
Ich arbeite an Dingen, um das Spielen für mich frisch und spannend zu halten. Dazu gehört natürlich die Doublebass-Technik und deren Ausdauer. Ich habe eine Menge inverted doubles geübt sowie Triplets mit Akzentverschiebungen. Mit den Händen spiele ich Ostinato-Figuren oben drüber oder addiere diverse afro cuban Rhythmen. Hört sich kompliziert an, aber man weiß ja nie wofür das gut sein kann. Mein Ehrgeiz war es immer schon mich weiterzuentwickeln anstatt in bequemen Fahrwassern zu verweilen. Ich brauche Aufgaben, um Ziele zu erreichen.

„Wenn man kreativ an irgendwelchen Patterns übt, dann ist das nie vergeudete Zeit.“

Einmal hatte ich mich mit einer ziemlich abgefahrenen Rhythmik befasst – ich spielte eine 3/2 afro cuban clave mit dem linken Fuß und legte einen Baião-Rhythmus auf die rechte Kick. Dazu spielte ich eine Art Bozzio-Ostinato mit den Händen. Letztlich landete dieser Groove auf einem Dusk-Machine-Album! Wenn ich an verschiedenen Ideen und auch Stilkombinationen arbeite, dann versuche ich das Ergebnis auch irgendwo in einem Kontext unterzubringen. Hör dir mal den Song „Born To Perish“ vom neuen Destruction-Album an. An diesem Groove habe ich lange geübt, ursprünglich um Spaß im Proberaum zu haben. Jetzt ist er auf dem Album gelandet!

Kann es sein, dass Metal-Drummer im Band-Kontext einen musikalisch höheren Stellenwert haben als Drummer in beispielsweise einer Pop-Band?
Ein Metal-Drummer ist wesentlich präsenter aufgrund der aggressiven Spielweise, der Lautstärke, der physischen Power und der optischen Darstellung. Musikalisch möchte ich da keine Wertigkeit aufstellen! Im Studio kann man viel Zauberei veranstalten, um den perfekten Drum-Track mit technischen Mitteln zu optimieren. Aber live trennt sich die Spreu vom Weizen – da zeigt sich die wahre Qualität eines Drummers.

(Bild: Tom Schäfer tom.percussion@t-online.de)

„Die Bühne ist die Begegnung mit der Realität.“

Die Qualität eines Metal-Drummers liegt in der intensiven, tighten Power-Performance, bei der auch die im Studio produzierten Double-Bass-Tracks in echt auf den Punkt kommen müssen. Wenn man das nicht schafft, dann wird der Gig zur Nullnummer.

Worin steckt die Kreativität beim Metal-Drumming?
Im Metal gibt es nicht das große Spektrum an Beats. Und während eines Destruction-Gigs spiele ich häufig Grooves, die recht ähnlich konstruiert sind. Aber ich denke immer wieder darüber nach, wie ich kreativ mit dem Material umgehen kann. Besonders Fill-ins bieten hier effektive Ausdrucksmöglichkeiten. Und durch meine Ambidextrous-Spielweise kann ich auch spannende Hi-Hat-Pattern entwickeln und bin in der Lage, im Metal-Drumming auch mal andere Klangformungen und Feels auszuloten. Auch höre ich mir viele andere Meta-Drummer an, einfach um Inspirationen zu erhalten. Zudem probiere ich Sachen aus, die nicht typisch Thrash Metal sind und platziere solche Ideen in den Grooves. Einmal habe ich einen coolen Groove in Odd-Time-Signature entworfen. Aber ich habe es geschafft, dass man den ungeraden Takt nicht vordergründig wahrnimmt, weil das China in Vierteln durchcrasht. Ich will den Zuhörer nicht überfrachten. Denn wenn es niemand mehr kapiert, dann ist die ganze Trickkiste wertlos. Also versuche ich bei ausgecheckten Tracks immer einen Weg zu finden, um den Zuhörer beim Beat zu halten. Gerade die Verknüpfung von aggressivem Approach mit kreativen Elementen macht das Metal-Drumming für mich spannend. Ich will, dass meine Grooves griffig sind und die Fans Headbangen können. Da muss vom Schlagzeug diese Energie kommen. Deswegen bin ich auch ein physisch harter Spieler mit Kickpunch, harten Rimshots und Power-Tom-Fills.

Geht das auf Dauer nicht auf die Knochen?
Nach meiner ersten Tour mit Destruction hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben ernsthafte Schmerzen in Armen und Handgelenken. Ich war echt verzweifelt und dachte, dass ich nicht in der Lage wäre, diese Art von Schlagzeug auf Dauer zu spielen.

(Bild: Tom Schäfer tom.percussion@t-online.de)

„Metal Drumming ist harte Arbeit, aber es hält mich jung und fit.“

Einer meiner Studenten gab mir den Tipp von Gene Hoglan. Er nimmt ein bis zwei Kilo-Gewichte in beide Hände und macht damit Handgelenksübungen. Und genau das tat ich auch und machte es zum Bestandteil meines Übeplans. Es sind Auf- und Ab-Bewegungen mit Gewichten aus dem Handgelenk, was der Bewegung beim Schlagzeugspiel ähnlich ist. Anfangs brannten die Muskeln nach wenigen Minuten, aber es hat im Endeffekt geholfen. Die Schmerzen sind komplett verschwunden und seit dieser Zeit auch nie wieder aufgetreten.

Viele Schlagzeuger richten sich ihr eigenes Studio ein, um Drumtracks für Produktionen selber einzuspielen. Ist das ein Thema für dich?
Sogar ein sehr aktuelles! Als ich vor zwei Jahren ohne Band dastand, habe ich angefangen, mich mit Drumrecording auseinanderzusetzen. Ohne feste Band zu sein, hat bei mir kreative Energie freigesetzt. Ich kaufte mir Mikrofone, ein Interface und habe mich akribisch in die Studiotechnik vertieft. Alle Drums auf dem neuen Destruction-Album habe ich selber aufgenommen. Ich habe der Band dann die fertigen Tracks für den Mix geschickt.

Wo ist dein Studio?
In Berlin, nur fünf Minuten mit dem Fahrrad von meiner Wohnung. Dort habe ich mein voll mikrofoniertes Drumset stehen. Es ist zwar kein Hightech Drum Recording Room, aber gut genug, um qualifizierte Recordings zu machen. Inzwischen habe ich die Drum-Tracks für drei komplette Alben dort aufgenommen. Zwei für die Band Striker, eine junge Metal-Formation aus Kanada und für das Destruction-Album.
Dabei hatte ich auch einen gewissen Druck, dass das System funktioniert und soundmäßig alles top war. Schließlich veröffentlicht Destruction weltweit und da war ich nun in meinem Studio, drückte den Knopf und alles musste klappen. Ich war Kreativer, Toningenieur und Drummer in Personalunion. Was ich in dieser Situation allerdings vermisste war das Feedback. Denn man ist auf sich alleine gestellt und niemand sagt „… that track was great!“ oder so. Die Arbeit hat sich gelohnt, denn inzwischen werde ich für weitere Recordings gebucht. Ein für mich neuer Weg mit wirtschaftlichen Aspekten.

Waren die Songs für das Destruction-Album bereits geschrieben und du musstest die Drums letztlich auf die Arrangements draufsetzen?
Es gab unterschiedliche Ansätze. Unter anderem auch der, dass ich verschiedene Drum-Patterns entwickelte und diese mit Intro, Vers, Chorus, Breakdown-Pattern, Guitar-Solo-Pattern etc. bezeichnete. Diese einzelnen Ideen schickte ich als Soundfiles an die Band. Die Jungs entwickelten wiederum ihre Ideen hinzu und schickten die Files an mich zurück. So ging das einige Male hin und her, bis die Arrangements standen. Am Ende kamen zwei komplette Songs dabei raus, und beide sind auf „Born To Perish“ gelandet. Letztlich hat mich die Arbeitsweise dazu inspiriert, weiter in dieser Richtung zu arbeiten. Wenn man kreativ für sich an irgendwelchen Patterns übt, dann ist das nie vergeudete Zeit, denn man weiß nicht, ob die abgefahrenste Idee vielleicht auf einem Album landet.

Was ist der Unterschied zwischen dem Drummer Randy Black vor 20 Jahren und heute?
Ich bin vielseitiger geworden, was durchaus mit meiner Beschäftigung als Schlagzeuglehrer zu tun hat. Als ich Ende der 1990er nach Berlin kam, wusste ich zum Beispiel nicht viel über afro cuban Grooves. Also machte ich mich fit und trage heute ein großes Wissen in mir, das ich an meine Studenten beim Drumtrainer Berlin oder beim B.I.M.M., dem British Irish Modern Music Institute, weitergeben kann. Im Gegensatz zu früher übe ich heute gezielter an verschiedenen Dinge. Und ich bin disziplinierter geworden!

Was war deine beste Entscheidung in deinem Schlagzeugerleben?
To move to Germany! Nicht weil ich dachte, meine Karriere würde in Deutschland einen besseren Verlauf nehmen, sondern weil ich die Frau meiner Träume hier getroffen habe! Meine Karriere als kanadischer Drummer in Deutschland hat einen großartigen Verlauf genommen. Wäre es nicht Deutschland und Berlin geworden, so wäre ich mit Sicherheit nach LA gegangen. Doch jetzt ist es Berlin und hier werde ich auch bleiben!

EQUIPMENT TALK

Wie konzipierst du deinen Drumsound? Bei einer Band wie Destruction muss sich das Schlagzeug gegen das Gitarrenbrett und den gesamten Thrash-Sound durchsetzen.
Ich hatte nicht vor, die Sound- und Groove-Konzepte meiner Vorgänger über den Haufen zu werfen. Was mich aber von ihnen unterscheidet, ist meine vergleichsweise physisch harte und laute Spielart. Gerade Tom-Fills sind bei mir immer genagelt. Das setzt sich durch. Und die Jungs von Destruction, aber auch deren jahrelanger Toningenieur sagen, dass ich deutlich lauter sei als die Drummer vorher. Ich behaupte nicht, dass es besser ist. Es ist einfach die Art wie ich spiele. Auch die Kicks spiele ich hart an. Dazu muss ich sagen, dass ich mit Kick-Triggern arbeite, also ausschließlich für die Kicks, nicht auf Toms oder Snare. Trigger sind im Thrash Metal extrem wichtig! Der Bassdrum-Sound wird konsequent durch die Trigger gesteuert. Man muss nur den Fader hochziehen und der Sound ist da. Der Einsatz von Bassdrum-Triggern begründet sich auch dadurch, dass ich auf Tour manchmal fremdes Equipment zur Verfügung gestellt bekomme. Da kann es sein, dass ich jeden Abend ein anderes Kit spielen muss, manchmal mit zwei Bassdrums unterschiedlicher Serien und mit verschiedenen Fellen drauf. Da denkst du dir nur, wie soll das klangtechnisch funktionieren? Auch hier ist der Sinn von Triggern offenkundig.

(Bild: Tom Schäfer tom.percussion@t-online.de)

Steuerst du mit den Kicktriggern bestimmte Sounds oder auch Kompressoren an?
Es ist ein Mix aus beidem. Wir benutzen unsere eigenen Samples. Die Trigger unterstützen eine konsequente Lautstärke und beide Kicks haben dadurch auch den exakt selben Sound. Ich habe die Trigger auf Maximum eingestellt. Meine Kicks in dieser Thrash Metal Formation brauchen nicht viel Dynamik. Die müssen einfach „ON“ sein!

Welche Trigger setzt du denn ein?
Das sind die Footblaster. Die funktionieren über einen mechanischen Kontakt zur Pedalplatte. Herkömmliche Trigger, die den Kontakt auf dem Bassdrum-Fell haben, funktionieren je nach Felltyp oder Stärke des Spannreifens nicht immer zuverlässig. Aber die Footblaster bräuchten theoretisch nicht mal ein Fell! Sobald der Kontakt zwischen Trigger-Mechanik und Pedalplatte geschlossen ist, wird das Signal ausgelöst. Das funktioniert super.

Also schlagen bei diesem System zwei Mechaniken aufeinander – Trigger und Pedalplatte. Wie lange wird das den Beanspruchungen standhalten?
Ich bin noch in der Experimentierphase, aber inzwischen haben die Footblaster zig Shows einwandfrei durchgehalten. Auch George Kollias benutzt die Footblaster. Und wenn ein Drummer seines Kalibers damit klar kommt, sollte das ein Indikator für Qualität sein.

Sehr interessant sind deine Spikes oben auf den Cymbal Stands – eine optische Delikatesse, die perfekt ins Metal-Image passt.
Ich stehe auf diesen Look. Die Spikes sind aus Voll-Aluminium gedreht und extra für mich angefertigt. Das sieht ein bisschen gefährlich aus … (lacht) … aber die Optik ist schließlich auch ein Teil der Show!

EQUIPMENT

(Bild: Tom Schäfer tom.percussion@t-online.de)

Drums: Pearl
22″ × 18″ Bassdrum (2×)
12″ × 11″ Rack-Tom
13″ × 12″ Rack-Tom
14″ × 14″ Floor-Tom
16″ × 16″ Floor-Tom
18″ × 16” Floor-Tom

14″ × 5,5″ Solid Brass Snaredrum

Cymbals: Sabian
14″ AAX Xplosion Hi-Hats (2×)
16″, 17″, 18″, 19″ HHX Xplosion Crash
12″ Evolution Splash
19″, 21″ Holy Chinas
14″ AAX Xplosion Hi-Hats (2×)
20″ HH Powerbell Rides (2×)

Hardware & Pedale: Pearl
ICON Rack, Tom- & Cymbal-Holder
Demon Chain Bassdrum-Pedals (2×)
RH2050 Cable Hi-Hat

Felle: Aquarian
Bassdrums: SuperKick 10
Snare: Hi-Energy top, Hi Performance bottom
Toms: Reflector top, Classic clear bottom

Drumsticks: Wincent Randy Black Signature

Specials:
Porter & Davies Tactile Monitoring (Butt Kicker)
Kelly SHU kick drum mic mounting system
Footblaster Triggers
Bose Digital Mixer
2Box Drum Module

[12110]

 

Produkt: Sticks 01-02/2020
Sticks 01-02/2020
Marco Minnemann - Drums araound the world +++ Interview: Jakob Hegner, Holger Maik Mertin +++ Test-Special: Pearl e/Merge e/Hybtid Set

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren