Produkt: Sticks 05-06/2019
Sticks 05-06/2019
Interviews: BEN GORDON – Breakdowns & Double-Kicks des Parkway Drivers +++ MIGUEL LAMAS – Acoustic Electronic Jazz Fusion +++ Test: MAPEX BLACK PANTHER Design Lab Versatus Drums
CLASSIC DRUMMERS

Ray Bauduc: Der Drum-Stil des Jazz-Schlagzeugers

Ray Bauduc ist einer der größten und bekanntesten Vertreter des frühen Jazz-Drummings, und er beeinflusste Swing-Größen wie Gene Krupa, Buddy Rich und Louie Bellson. Seine lebenslange Vorliebe zum „Two-Beat Drumming“ wurde ihm quasi durch seine Geburtsstadt New Orleans in die Wiege gelegt, und nichts und niemand konnte ihn oder seinen Stil ändern. Auch in Zeiten in denen der Swing regierte und die Songs einen 4/4- Puls hatten spielte Bauduc seinen lebhaften 2/4- Rhythmus und prägte so entscheidend den Sound der jeweiligen Band. Sein Spiel wirkte dabei allerdings nicht altmodisch oder überholt, sondern setzte vielmehr neue Trends und zeigte Wege auf, das „Two-Beat Drumming“ neu zu interpretieren.

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* 18. 06. 1909, New Orleans, Louisiana † 08. 01. 1988, Houston, Texas

Seine präzisen, disziplinierten und voller Temperament, Lockerheit und Spiellaune dargebotenen Grooves und synkopierten Fill-ins halfen vielen Drummern, das Schlagzeugspiel von dem starren Drumming des frühen Jazz in die Swing-Ära zu transformieren. Besonders kennzeichnend für Ray Bauducs Spiel ist die kunstvolle und geschmackvolle Einbeziehung aller im Dixie üblichen Schlagzeuginstrumente wie Woodblocks, Cowbells, Chinese Cymbal und für die damalige Zeit unübliche Verwendung von zwei Tom Toms, ohne es überladen wirken zu lassen, inspiriert durch seine großen Vorbilder Warren „Baby“ Dodds und Zutty Singleton. Er war außerdem ein herausragender Solist und verstand es wie kaum ein anderer, Musikalität und Show-Drumming auf einen Nenner zu bekommen. Eine Spezialität von Ray Bauduc war es beispielsweise auch, die Bassdrum mit den Sticks zu spielen und die Spannreifen von Snaredrum und Bassdrum als besondere Effekte einzusetzen.

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Geboren am 18. Juni des Jahres 1909 in New Orleans Ray-bauduc-1als Sohn des Kornettisten Jules Bauduc war ihm die musikalische Karriere so gut wie vorbestimmt. Seine Schwester war Pianistin und sein Bruder Jules Bauduc Jr. war Schlagzeuger und ein erfolgreicher Bandleader. Seinen ersten Schlagzeugunterricht erhielt Ray schließlich auch von seinem Bruder, später erhielt er dann aber noch Unterricht von Kid Peterson, einem damals sehr bekannten Schlagzeuglehrer aus New Orleans. Seinen ersten professionellen Job hatte er in jungen Jahren mit einer Band, welche Stummfilme in Kinos begleitete.

Später, immer noch Schüler, arbeitete er mit dem Kornettisten Emmet Hardy und den Six Nola Jazzers zusammen und machte mit 17 Jahren seine erste Aufnahme mit The Memphis Five. Mit 25 kam dann die erste Tour mit Johnny Bayersdorffer, danach hatte er ein Engagement bei den Scranton Sirens und ging mit ihnen nach New York. Es folgten zwei Jahre bei einer Vaudeville Show (eine Mischung aus Circus, Akrobatik, Zauberei und Dressurakten) geleitet von Freddie Rich, welche ihn auch nach Europa führte. In dieser Show spielte Ray nicht nur Schlagzeug, sondern war ebenfalls als Stepptänzer in das Programm integriert. Es folgte 1927 noch eine Zusammenarbeit mit Miff Mole bevor der große Durchbruch für Ray Bauduc kommen sollte.

Ray-bauduc-21928 stieg Ray nämlich in die Band von Schlagzeuger Ben Pollack ein, welcher sich mittlerweile eher als Bandleader und Sänger verstand. Ray Bauducs Popularität stieg in dieser Zeit enorm an und hier entwickelte und perfektionierte er seinen eigenen und einzigartigen Stil. Sechs Jahre lang war Ray Mitglied dieser damals sehr erfolgreichen Band. Nebenbei fand er noch Zeit für Sessions unter anderem mit Red Nichols, Louis Prima, Jack Teagarden, Benny Goodman und Glenn Miller. Nach seinem Ausstieg bei Ben Pollack schloss er sich dem Orchester von Bob Crosby an, welches aus dem zerstrittenen Ben Pollack Orchestra hervorging.

Ray-bauduc-3Bob Crosbys Band verstand es wie kaum eine andere, den neuen Bigband-Sound mit der lockeren Spontaneität kleinerer Dixieland-Bands meisterhaft zu kombinieren. Diese Band gab Ray die Möglichkeit, auch einige seiner eigenen Kompositionen in das Bandrepertoire einfließen zu lassen, so zum Beispiel den Song „South Rampart Street Parade“ (komponiert zusammen mit dem Bassisten und langjährigem Weggefährten Bob Haggart auf einer Tischdecke!) und das ebenfalls aus einer Kooperation mit Bob Haggart entstandene „The Big Noise From Winnetka“, der wahrscheinlich größte Erfolg für Ray Bauduc überhaupt und mehr oder weniger aus Zufall heraus entstanden: Nach einem Konzert der Bobcats, einem Nebenprojekt der Bob Crosby Band, gingen Bauduc und Haggart als Duo noch mal auf die Bühne um eine Zugabe zum Besten zu geben.

Da sie mal was Unübliches machen wollten, entschieden sie sich dafür, dass Haggart nicht Bass spielt, sondern lediglich pfeift und Bauduc nicht nur auf einem Drumset spielt sondern stattdessen auch die Saiten des Basses mit seinen Sticks bearbeitet. Das Resultat daraus war ein Riesen-Hit für die Band, nämlich das erwähnte „Big Noise From Winnetka“. Ein weiteres Highlight seiner Karriere war 1940 die Auszeichnung der Bob Crosby Band durch das Magazin „Downbeat“. Während der 40er Jahre musste Ray Bauduc zum Militärdienst, welchen er in der U.S. Army Artillery Band bis zum November 1944 ausübte. Anschließend leitete er eine Band zusammen mit Gil Rodin und später eine eigene Gruppe. Gegen Ende der 40er machte Ray einige Aufnahmen mit Manone und Crosby, arbeitete von 1948 bis 1950 mit Jimmy Dorsey und 1951 bis 1955 mit Jack Teagarden eng zusammen. 1956 bis 1959 leitete er eine eigene Band zusammen mit Nappy Lamare und arbeitete als Freelancer an der Westküste.

Ray-bauduc-4In den 60er Jahren zog Ray Bauduc nach Bellaire in Texas quasi in „Altersteilzeit“, wo er aber hin und wieder mit verschiedenen Künstlern auftrat. 1983 besuchte er nochmals seine Geburtsstadt New Orleans, wo er enthusiastisch empfangen und gefeiert wurde. Seinen letzten großen Auftritt sollte Ray Bauduc 1985 in der Reunion der Originalbesetzung der Bobcats anlässlich des „Mid-America Jazz Festival“ in St. Louis haben, und er zeigte bei diesem Konzert, dass er nichts an seiner Spielfreude und an seinen Fähigkeiten verloren hatte. Ray Bauduc verstarb drei Jahre später im Alter von 81 Jahren am 8. Januar 1988 in Houston in Texas.

 

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