Mentales Training für Drummer

Schlagzeug spielen ohne die Motivation zu verlieren

Wenn du in deinem Leben irgendetwas ändern willst, sollte dir klar sein, dass es keine Frage ist von „… kann ich es schaffen?“, sondern von „… werde ich es schaffen?“ – und das hängt letztendlich davon ab, wie motiviert man ist. Also stellen wir erst einmal klar, was Motivation überhaupt ist und warum Motivation das A und O für deinen Erfolg als Drummer und für deinen Erfolg im Leben allgemein ist.

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Motivation kann dich antreiben, sie kann dich inspirieren. Und was das wichtigste ist: Du kannst dir deine Motivation jederzeit zunutze machen, um deinen Zielen näher zu kommen. Und das schöne dabei: Motivation kannst du lernen, genauso wie du gelernt hast, Schlagzeug zu spielen, Noten zu lesen oder Auto zu fahren.

Du hast grundsätzlich die Möglichkeiten in dir, alles im Leben zu erreichen, was du erreichen willst. Zuerst einmal solltest du dir aber darüber klar werden, warum du bestimmte Dinge tust. Nehmen wir einmal ein Maultier als Beispiel: Du kannst ihm eine Karotte vor die Nase halten und es so mit einer Belohnung motivieren. Du kannst ihm aber auch eins mit dem Knüppel überbraten und es zwingen, etwas zu tun, einfach indem du ihm ein wenig Schmerz zufügst.

Wir Menschen funktionieren letztendlich genauso – wir tun Dinge entweder einer Belohnung wegen oder um Schmerz oder Unbequemlichkeiten zu vermeiden. Wir wollen entweder etwas Unangenehmen aus dem Weg gehen oder uns auf etwas zubewegen, was uns lohnend erscheint und Vergnügen bereitet. Jeder Mensch bedient sich grundsätzlich beider dieser Strategien, aber meist ist bei jedem eine davon stärker ausgeprägt.

Versuche also einmal herauszufinden, wovon du dich hauptsächlich motivieren lässt. Versetze dich einmal in die folgenden Situationen: Du übst Schlagzeug. Motiviert dich der Gedanke, einen neuen Groove oder eine neue Spieltechnik beherrschen zu wollen oder hast du Angst, es nicht sofort richtig hinzukriegen und gehst der Sache deshalb lieber gleich aus dem Weg? Du beschließt, deinen Körper aufzutrainieren. Kommt deine Motivation daher, dass du an all das denkst, wovon du loskommen willst (zu fett, zu schlapp, kein Selbstvertrauen) oder beziehst du deine Motivation daraus, dass du an das denkst, was du erreichen willst – nämlich eine bessere Gesundheit und Kondition, einen attraktiveren Körper und mehr Energie und Selbstvertrauen?

Du möchtest deinen Job gut machen. Motiviert dich dann die Aussicht auf Anerkennung, Lob oder Auszeichnungen oder ist es eher die Tatsache, dass du Unannehmlichkeiten aus dem Weg gehen möchtest oder Angst davor hast, dass dich jemand kritisieren könnte? Und wenn morgens der Wecker klingelt – springst du aus dem Bett und denkst dabei an das, was dich Spannendes erwartet oder an das, was dich erwarten könnte, wenn du nicht rechtzeitig auf der Arbeit erscheinst?

Wenn dich die Aussicht auf Erfolg oder Belohnung motiviert, hast du eine positive Motivationsstrategie, eine, die dich die Dinge in Angriff nehmen lässt. Wenn du deine Motivation aber daraus beziehst, dass du einfach den Dingen aus dem Weg gehen möchtest, die für dich eventuell schlechte Auswirkungen haben könnten, hast du eine negative Motivationstrategie, eine Vermeidungsstrategie.

Einige weitere Beispiele für eine positive Motivation: sich gesund und ausgewogen zu ernähren, weil man sich so besser fühlt und mehr Energie hat; seinen Körper zu trainieren, um die Kondition zu verbessern, um einen langen Gig oder endlose Proben gut zu überstehen; an einer Drum Clinic teilnehmen, um den besten Schlagzeuger auf die Finger zu schauen, damit dein eigenes Spiel besser wird.

Wenn du eine negative Motivation hast, übst du vielleicht nur, um nicht vor anderen als schlechter Drummer dazustehen; oder du ernährst dich zwar ganz gut, denkst dabei aber immer daran, dass du das ja nur tust, um nicht krank zu werden; oder du trainierst zwar deinen Körper, denkst dabei aber immer nur an das drohende Übergewicht.

Es ist wichtig zu wissen, ob man eine positive oder negative Motivationsstrategie hat, wenn man in seinem Leben Dinge verändern will. In der Regel benutzt jeder Mensch in allen Situationen die gleiche Strategie, nämlich die, die er eben bevorzugt. Wenn du weißt, welche das ist, kannst du dich in Zukunft viel besser und gezielter motivieren, nicht nur fürs Trommeln, sondern auch für alle anderen wichtigen Dinge im Leben.

Man sagt, dass Veränderungen zu 20 Prozent aus dem Wissen bestehen, wie man es macht und zu 80 Prozent aus dem Wissen, warum man es macht. Also solltest du dir immer möglichst viele gute Gründe dafür zurechtlegen, warum du etwas tust oder nicht tust. Ein Beispiel: „Ich weiss ja, dass ich üben sollte, aber ich habe einfach keine Lust“. Das ist natürlich kein besonders positives und motivierendes Statement, wie ihr wohl zugeben müsst, und so jemand wird sich wohl kaum die Drumsticks schnappen und tierisch loslegen.

Wenn du dir aber klar machst, was du alles erreichen kannst, wenn du übst (einen neuen Groove zu beherrschen, so gut und sicher zu werden, dass du deinen ersten Gig spielen kannst, endlich mit besseren Musikern zusammen spielen zu können oder vielleicht sogar deine erste CD aufzunehmen), dann sollte es dich nicht mehr all zu viel Überwindung kosten, das mit dem Üben auch durchzuhalten.

Wenn du aber jemand bist, der die negative Motivationsstrategie bevorzugt, solltest du dich zum Üben dadurch motivieren, dass du dir sagst, dass es beim nächsten Gig den du spielst eben sehr peinlich werden könnte, wenn du nicht übst. Oder dass du sonst vielleicht ein halbes Jahr lang immer dasselbe Zeug spielen musst, wenn du dich nicht mal hinsetzt, um es einmal richtig zu üben. Und es könnte ja auch sein, dass du für den Rest deines Lebens in deiner Garage sitzen bleibst, weil du einfach zu schlecht spielst …

Jetzt, wo du dir (hoffentlich) im Klaren darüber bist, welche Motivationsstrategie du bevorzugst, kannst du auch mal deine Musikerkollegen genauer beobachten und auch ihnen vielleicht dazu verhelfen, ihre Ziele leichter zu erreichen. Auch in einer Band lassen sich anstehende Veränderungen so leichter realisieren. Und wenn du mal wieder durchhängst und nicht weiterkommst, denk einfach dran, wie du dich motivieren musst: Es ist immer entweder die Mohrrübe oder der Knüppel, die Belohnung oder die Strafe!

 


Glen Pattisons Bücher „The Unbeatable Advantage“ und „The Competitive Edge“ sowie die Audio-Cassette „How to Fast-Track Your Drumming Career“ (Co-Autor: David Jones) könnt ihr über www.glenpattison.com. beziehen.


 

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