Interview mit Steve Gadd

Steve Gadd über das Geheimnis des Grooves

Über Steve Gadd braucht eigentlich nichts mehr gesagt werden. Der 1945 in Rochester/New York geborene Musiker ist sicherlich längst zu Lebzeiten einer der berühmtesten Drummer aller Zeiten, er gilt als Begründer des modernen Schlagzeugspiels und hat Generationen von Schlagzeugern nachhaltig beeinflusst. Schier unzählige Plattenproduktionen mit Künstlern aus der Musikszene drückte Steve mit seiner ganz Art, Grooves und Fills zu spielen, seinen Stempel auf.

Steve Gadd ernst
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Die stilistische Bandbreite der Künstler, für die er dabei arbeitete ist unglaublich breit gefächert. Unter anderem arbeitete er für Steely Dan, Paul Simon, Paul McCartney, Eric Clapton, James Taylor, Chick Corea, Stevie Wonder, Rickie Lee Jones, Aretha Franklin, Diana Ross, Barbra Streisand, Al Jarreau, James Brown, Joe Cocker, Nancy Wilson und viele mehr.

Viele der Songs, auf denen Steve Gadd spielte, erreichten musikhistorischen Ruhm, so u. a. seine Arbeit auf Chick Coreas Album „The Leprechaun“, Steely Dans „Aja“ oder auch die Grooves, die er bei den Songs „Fifty Ways To Leave Your Lover“ oder „Late In The Evening“ von Paul Simon spielte. Speziell hier gelang Steve Gadd das Kunststück, originell ausgetüftelte Rhythmen in einem kommerziell orientierten musikalischen Pop-Kontext unterzubringen.

Während der „Mission From Gadd 2010“ Workshop-Tour trafen wir diesen sehr freundlichen und offenen Menschen zu einem äußerst interessanten Gespräch in seinem Tourbus in Hamburg bei Just Music, die in ihrer riesigen, im Mai neueröffneten Drum-Abteilung den dortigen Event veranstalteten.

Steve, in deiner Karriere hast du weltweit sehr viele Workshops gespielt und Master Classes gegeben. Was ziehst du persönlich für dich heute noch aus diesen Veranstaltungen?

Steve Gadd: Es ist für mich einfach schön, andere Drummer zu treffen, und es hilft mir z. B. dabei, mich als Lehrer weiterzuentwickeln. Die Clinics geben mir die Möglichkeit, die Besitzer von Drum-Shops und Schlagzeuglehrer zu treffen und mich bei ihnen für ihre Unterstützung zu bedanken. Mich dafür zu bedanken, dass sie letztendlich jungen Drummern davon erzählen, wer ich bin. Und nicht zuletzt möchte ich natürlich auch die Firma Zildjian unterstützen. Ich habe mir die DVD der „Mission From Gadd“-Tour durch Nordamerika von 2006 angesehen.

Hast den Aufbau deiner Clinics seitdem verändert?

Steve Gadd: Es ist eigentlich immer der gleiche Aufbau, ich gehe auf die Bühne und spiele am Anfang einfach ein wenig. Und anschließend ist es offen für Fragen und die entsprechenden Demonstrationen. Die Fragen unterscheiden sich allerdings immer ein wenig voneinander.

Dennoch sind dir sicherlich über die Jahre häufig dieselben Fragen gestellt worden. Kann das nicht schon mal ein bisschen langweilig werden?

Steve Gadd: Nein, ich bin ja für die Leute hier, und solange sie Fragen haben ist es okay. Man kann auf viele verschiedene Arten dieselben Fragen stellen und diese auch vielfältig beantworten. Es ist stets eine Herausforderung für mich, die Antworten auch klar zu kommunizieren. Das empfinde ich überhaupt nicht als langweilig.

In deiner Karriere hast du Generationen von Schlagzeugern mit deinem Spiel inspiriert und beeinflusst. In deiner Jugend bist du selbst von den Sachen inspiriert worden, die andere Musiker gespielt haben. Durch was lässt du dich heute inspirieren, wenn du anderen Schlagzeuger zuhörst?

Steve Gadd: Es gibt heute jede Menge großartiger Musiker da draußen und demnach auch viele unterschiedliche Sachen, die mich inspirieren können. Einige von ihnen haben eine großartige Spieltechnik entwickelt, andere wiederum sind sehr patent bezüglich der Jazzmusik, wobei sie sich wirklich mit der Geschichte dieser Musik auseinandersetzen mussten, um das Ganze überhaupt zu lernen. Diese Fähigkeit schätze ich sehr. Ich meine, jeder, der Musik liebt, egal welcher Richtung, und der dann in seinem Style bestimmte Fertigkeiten entwickelt, ist inspirierend. Es ist ganz einfach inspirierend, dass da jemand etwas macht, was er liebt.

Ob für eine Tour oder für Plattenaufnahmen, Steve Gadd wird nicht engagiert, um irgendwelche Grooves aufs Tape zu bannen, sondern um wie Steve Gadd selbst zu spielen. Was ist deiner Ansicht nach das Geheimnis dahinter?

Steve Gadd: Ich weiß es wirklich nicht. Ich denke nicht, dass es da irgendein Geheimnis gibt. Ich glaube vielmehr, dass es daran liegt, dass es auch etwas mit glücklichen Umständen zu tun hat. Wenn mich jemand bestellt, dann gebe ich mein Bestes, um die Musik zu spielen und zu verstehen, so, wie der Produzent oder der Künstler es sich vorstellen. Oft ist es dabei nicht leicht, nur mit Worten das zu kommunizieren, was jemand musikalisch umsetzten möchte, dazu braucht es schon eine Menge Energie.

Das ist in etwa so, wie immer wieder dieselben Fragen zu beantworten, da braucht es auch eine gewisse Energie zu versuchen, die Fragen so zu beantworten, dass die Leute es auch verstehen. Das ist meine Herangehensweise an die Musik, die ich spiele. Ich gebe einfach mein Bestes und werde dabei nicht müde. Ich denke daher, dass es kein Geheimnis ist. Du gibst einfach dein Bestes und der Rest wird sich dann fügen.

Kommen wir mal zum großen Wort „Groove“. Nimm zehn verschiedene Drummer und jeder von ihnen wird den gleichen Rhythmus am selben Schlagzeug unterschiedlich spielen. Was ist „Groove“? Kannst du deine persönliche Herangehensweise hierzu beschreiben? Gibt es ein Geheimnis des „Groove“?

Steve Gadd: Ich weiß nicht, wie ich das konkret beschreiben soll. Es groovt einfach dann, wenn sich die Musik wirklich gut anfühlt, egal in welchem Tempo sie gespielt wird. Wenn du mit anderen Leuten spielst, fühlt es sich dann sehr geschlossen an, wenn man den Groove trifft, wie eine Einheit. Eine Art Verbindung zwischen den Spielern, jeder befindet sich sozusagen auf derselben Seite.

Das Ultimative passiert dann, wenn das Band-Feeling mit dem Publikum kommuniziert, so dass es sich anfühlt, als wären alle sozusagen ein Teil der gleichen Sache. Dann wird es zu etwas ganz Besonderem.

Wenn du einen ausschließlich aus Snaredrum-, Bassdrum- und Hi-Hat-Patterns bestehenden Groove spielst, welche Bedeutung und Funktion hat dann dabei das Hi-Hat-Spiel für dich?

Steve Gadd: Ich trenne die Sachen nicht voneinander, für mich sind die einzelnen Instrumente ein Teil des Ganzen und irgendwie dasselbe. Ich denke da als Einheit. Selbst wenn ich die Hi-Hat variiere, betrachte ich sie nicht als getrenntes Element des Grooves.

Bestimmt nicht gerade auch die Art und Weise, wie ein Drummer die Hi-Hat anspielt, seinen Charakter als Schlagzeuger?

Steve Gadd: Keine Ahnung, darüber habe ich noch nicht wirklich nachgedacht. Doch das ist interessant. Viele Metal-Drummer spielen die Hi-Hat sehr aggressiv und trashy, viele Fusion-Schlagzeuger setzen die Hi-Hat-Figuren dagegen sehr filigran ein.

Verrät nicht das Hi-Hat-Spiel eine Menge über die Persönlichkeit eines Schlagzeugers?

Steve Gadd: Möglich, aber ich denke, dass es eigentlich im Allgemeinen die Musik, die sie spielen ist, die etwas über ihre Persönlichkeit verrät und nicht nur ihr Hi-Hat-Spiel. Wenn man Metal spielt, dann funktioniert eine trashy gespielte Hi-Hat eben mit dieser Art von Musik. Ich denke daher, dass es einfach die Musik selbst ist, die deine Herangehensweise an das Instrument bestimmt.

Wenn ich eine bestimmte Musik sehr laut spiele, dann werde ich höchstwahrscheinlich auch eine trashy Hi-Hat spielen, wenn ich dagegen funky Sachen spiele, dann werde ich eine tighter klingende Hi-Hat spielen. Aber letztendlich wird meiner Ansicht nach die Art und Weise, wie du spielst, durch die Musik, die du spielst bestimmt.

Wir haben eben über das Geheimnis des Groove gesprochen. Denkst du, dass Groove lediglich eine Frage von rhythmischen Ereignissen oder auch eine Frage des Sounds ist?

Steve Gadd: Ich denke, dass es beides ist. Wenn du in der Lage bist, mehrere rhythmische Events zusammenzuspielen und der Groove sozusagen „locked in“ ist, dann werden die dadurch miteinander verbundenen Sounds stärker und überzeugender. Die verschiedenen Sounds der einzelnen Instrumente des Drumsets werden auf diese Weise miteinander verknüpft und die an sich verschiedenen Sounds verändern sich im Zusammenspiel zu einem neuen Gesamtklangbild.

Du hast mal in einem Interview erwähnt, dass du viel dadurch gelernt hast, Musikern wie dem Pianisten Chick Corea, Saxofonist Michael Brecker oder Bassist Will Lee beim Schlagzeugspielen zuzuhören. Diese Typen sind allesamt großartige Musiker, aber nicht unbedingt als Drummer bekannt. Was ist der Grund dafür, dass du gerade von ihnen etwas lernen konntest?

Steve Gadd: Diese Typen spielen ja auch Schlagzeug, und ich habe sie alle dabei gesehen, wie sie sich ans Schlagzeug gesetzt und gespielt haben. Ihre Herangehensweise an das Schlagzeugspiel entspricht nicht unbedingt der, wie es ein Drummer tun würde. Und wenn ich also jemanden dabei beobachte, wie er das Schlagzeugspielen etwas anders angeht, dann bekomme eben auch andere Ideen, wie ich die Dinge betrachten kann.

Diese Jungs denken halt nicht als Drummer, sondern wie ein Keyboarder oder ein Bassist, und genau das war für mich sehr hilfreich.

 

Du hast für Songs wie „50 Ways To Leave Your Lover“ oder „Late In The Evening“ von Paul Simon oder „The Leprechaun“ von Chick Corea legendäre Grooves entwickelt und diese Songs dadurch sehr geprägt. Wie haben sich diese Ideen dazu entwickelt?

Steve Gadd: Keinen dieser Grooves habe ich völlig alleine kreiert, alle entstanden im Studio während der Zusammenarbeit mit anderen Musikern und Produzenten. „50 Ways …“ war ein Song, den wir versuchten aufzunehmen, und eine Idee inspirierte dabei die nächste Idee. Wir hatten mit Phil Ramone einen Produzenten, der sich all diese Sachen anhörte und uns dann in eine bestimmte Richtung führte.

Es gibt also einen Song, einen Künstler, einen Produzenten und die Musiker, und alle arbeiteten zusammen, um die Sache voranzutreiben. Es ist demzufolge eine gemeinsame Anstrengung und Bemühung. Wenn es den Song nicht gegeben hätte, wäre mir der Groove vielleicht gar nicht eingefallen. Oder vielleicht hätte ich ihn gespielt, aber er wäre niemals aufgenommen worden.

Der Grund dafür, dass du engagiert wirst, im Studio zu spielen, liegt in dem begründet, was du musikalisch drauf hast. Darin, in wie weit du in der Lage bist, die musikalischen Fragen in Bezug auf das, wonach die Künstler und Produzenten suchen, beantworten zu können.

Manches Mal möchten diese Leute meine Ideen, und ich muss mir überlegen, wie ich diese Fragen musikalisch beantworten kann. Ihre Fragen entwickeln sozusagen die Musik aus mir heraus. Das Ergebnis ist demnach die Leistung einer Gruppe von Leuten.

Letztendlich geht es um Kommunikation …

Steve Gadd:… ja!

Der Groove von „50 Ways …“ ist schon ein vertracktes Pattern zwischen Hi-Hat und Snaredrum. In diesem Sinne war es natürlich schon deine Idee.

Steve Gadd: Ich habe zu der Zeit gerade diese Sachen geübt, dieses Spielen von Figuren, bei denen mit der linken Hand bzw. dem linken Fuß die Hi-Hat angeschlagen wird, und ich habe da verschiedene Kombinationen ausprobiert. Diese Art von Patterns habe ich auch in den Pausen zwischen den einzelnen Takes im Studio geübt, während ich einfach darauf wartete, was der Produzent weiter vorhat.

Phil Ramone und Paul Simon haben dann natürlich schon gehört, was ich da so vor mich hin spiele und dann kam bei einem Pattern eben die Idee auf, doch auch einmal diese Sachen als Groove auszuprobieren. Etwa so in der Art, ich erinnere mich nicht mehr ganz genau. Es war einfach schön, dass sich das so entwickelt hat. Ich habe eine Menge Studioaufnahmen gespielt und eigentlich ständig darüber nachgedacht, wie ich Fills und Grooves unterschiedlich spielen könnte. Und zum Musikmachen und Weiterentwickeln von Ideen waren die 70er-Jahre eine wirklich fantastische Zeit. Die Leute haben ständig versucht, neue Sachen auszuprobieren. Es war hinsichtlich der Kreativität eine sehr gute Zeit.

Die Künstler suchten geradezu nach unterschiedlichen, neuen Herangehensweisen an die Musik. Heutzutage dagegen benutzen die Leute programmierte Drums, die Künstler selbst programmieren die Songs. Damals jedoch fragten sie nach den Ideen der einzelnen Musiker. Es war einfach eine richtig gute Zeit für das Kreieren neuer Sachen, und ich habe das sehr gerne gemacht.

Ich habe mich sozusagen selbst ständig dazu herausgefordert, neue Ideen zu kreieren. Denn das mein Ansatz für dieses Instrument. Während der auf deiner DVD gezeigten Drum Clinic wurdest du u. a. nach deiner Herangehensweise an das Double-Bassdrum-Spiel gefragt. Du hast dann ein in Triolen und ein in 1/16 Noten gespieltes ostinates 3er-GruppenPattern demonstriert, einmal linker Fuß und zweimal rechter Fuß. Das ist einfach die Art, wie ich das spiele.

STeve Gadds Equipment

Im Prinzip benutzte ich das Double-Bassdrum-Pedal kaum, es sei denn eher zum Schluss des Songs. Es hat eine Zeit lang gedauert, weil ich mich damit nicht richtig wohlfühlte. Ich habe nach und nach versucht, das Double-Bassdrum-Pedal in mein Spiel zu integrieren. Aber eben nicht in der Art, um damit schnelle durchlaufende Rolls zu spielen, sondern um sie eher für Akzentuierungen zu benutzen. Ich benutze es ganz einfach so, wie es für mich angenehm ist.

Heute gibt es jede Menge Solo-Drummer, die sehr komplizierte Ostinato-Patterns spielen, wahnsinnig schnell sind und über eine erstaunliche Unabhängigkeit zwischen Händen und Füßen verfügen. Mitunter erinnert das eher an einen Artisten im Zirkus denn an einen Musiker. Was denkst du darüber?

Steve Gadd: Egal, durch was diese Leute zu dieser Art des Spielens inspiriert wurden, ich respektiere es. Ich denke nicht, dass es da irgendeinen richtigen oder falschen Weg gibt. Die Leute haben eben verschiedene Vorlieben bezüglich des Instruments. Ich respektiere alle Menschen, die ihrem Herzen folgen und das tun, was sie lieben.

Jeder, der in dieser Beziehung sein Bestes gibt und das gut macht, ist es wert, angehört zu werden. Diese Art ist vielleicht nicht das, was ich tun möchte, doch ich respektiere es immer, wenn jemand etwas gut macht, was er mag. Und ich bin sicher, dass sie da eine Menge Sachen machen, die ich nicht in der Lage bin zu tun.

Übst du eigentlich noch?

Steve Gadd: Ja, ich bin in dieser Beziehung sicherlich nicht sehr diszipliniert, wenn ich jedoch mehrere Wochen lang nicht arbeite, dann vermisse ich das Schlagzeugspielen. Für mich ist das Spielen eine schöne Art des Meditierens, und manchmal bekomme ich dabei auch neue Ideen. Ich möchte zudem auch meine Spieltechnik auf einem bestimmten Level halten.

Wenn ich da nicht regelmäßig daran arbeite, ist das jedoch recht schwierig. Ohne live zu spielen ist es kaum möglich, alles auf dem Gig-Level zu halten. Wenn du dich jedoch bis zum nächsten Gig fit hältst, dann hast du wenigstens bis dahin nicht völlig aufgehört zu spielen. Ich mag es, im Kontakt zum Instrument zu bleiben.

Zitat von Steve Gadd

In diesem Jahr wirst du u. a. auch die Eric Clapton Tour mit Steve Winwood spielen. Bereitest du dich darauf speziell vor?

Steve Gadd: Da gibt es ist eine Menge Musik, die ich bis jetzt noch nicht gespielt habe. Ich höre mir also die verschiedenen Aufnahmen an und mache mir musikalische Notizen dazu. Wenn wir dann mit den Proben beginnen, dann habe ich meine Hausaufgaben bereits gemacht und alles getan, damit ich die Musik und die Arrangements kenne.

Bei den Proben können sich dann die Dinge natürlich auch verändern, und deshalb ist es ganz gut zu wissen, wie es beim letzten Mal gemacht wurde, so bist du darauf vorbereitet, dass alles etwas anders sein wird. Aber deine Hausaufgaben musst du natürlich schon gemacht haben.

Bereitest du dich vor einem Gig in einer besonderen Art und Weise auf diesen vor? Jemand hat mir mal erzählt, Steve Gadd würde sich fünf Minuten vorher hinsetzen und sich auf das Tempo speziell des ersten Songs konzentrieren.

Steve Gadd: Ich sehe mir jeweils die Setliste an, denn manchmal ändert sich der Ablauf von Abend zu Abend. Ich benutze auf der Bühne ein kleines Metronom, weil ich beim Einzählen der Songs natürlich ungefähr das richtige Tempo haben möchte. Es geht bei dieser Vorbereitung einfach darum, mich zu sortieren und mich einzustimmen, mir die Tempos anzusehen oder zu schauen, ob das Metronom in Ordnung ist. Gerade wenn du zum ersten Mal die Show spielst, dann musst du eben versuchen, dich an alle Entscheidungen, die während der Proben gemacht wurden, zu erinnern und dann dein Bestes zu geben.

Steve, du spielst Yamaha Drums nun schon viele Jahre.

Sie kümmern sich sehr gut um mich und bauen einfach gute Schlagzeuge. Sie berücksichtigen meine Vorschläge zu dem, was mir an den Drums gefällt und was nicht und sie haben mich immer sehr unterstützt. Es gibt natürlich auch eine Menge anderer guter Schlagzeugfirmen. Es geht eben nicht nur ausschließlich um die Schlagzeuge, es geht auch um die Beziehung, die ich mit den Leuten habe. Es ist mittlerweile eine langjährige Beziehung und Zusammenarbeit entstanden.

Viele Leute spielen sicherlich auch Yamaha Drums, weil ich sie spiele. Ich denke daher, dass es wichtig ist, in dieser Hinsicht beständig zu bleiben, wenn Probleme auftauchen, daran zu arbeiten und eben nicht von einer Firma zur nächsten zu wechseln. Die Leute kaufen eben auch diese Instrumente, weil sie von bestimmten Drummern gespielt werden. Wenn du ständig die Firma wechselst, dann wird das für den Fan recht schwierig.

Deine Snaredrum ist meist recht tief gestimmt.

Steve Gadd: Nicht immer, aber für bestimmte Backbeat-orientierte Musik bekommst du einfach einen fetteren Sound. Zudem kann ich die Snaredrum so auch sehr soft anspielen und je stärker ich sie anschlage, wird der Sound größer und größer. Wenn die Snaredrum richtig hoch und stramm gespannt ist, dann hat sie einfach nicht diese große dynamische Bandbreite. Bei eher jazzorientierter Musik oder in Situationen, bei denen du von den Patterns her busyer spielen musst, stimme ich sie jedoch höher.

Du bist also kein Fan von Piccolo-Snaredrums oder sehr knackigen Sounds, wie sie von vielen Drummern heute verwendet werden?

Steve Gadd: Nicht wirklich, ich meine, ich liebe eine gut klingende Snaredrum, egal, ob es eine Piccolo oder eine normale Snaredrum ist. Aber einen immer wieder mit einer sehr hoch gestimmten Snaredrum gespielten Backbeat mag ich nicht wirklich hören, das klingt einfach nicht gut und hat keine Dynamik.

Aber wird nicht das Spielgefühl beim Spielen filigraner Figuren auf einem recht tief gestimmten Fell beeinträchtigt?

Steve Gadd: Das fühlt sich natürlich ein wenig anders an, denn wenn du das Fell mehr anspannst, dann ist es natürlich leichter, auch technisch anspruchsvollere Figuren zu spielen. Ich verändere die Stimmung deshalb nicht nur entsprechend dem gewünschten Sound, sondern auch in Bezug darauf, wie sich das Ganze spieltechnisch anfühlt.

Du spielst in der Regel mit der linken Hand im Traditional Grip?

Steve Gadd: Ich fühle mich mit dieser Stockhaltung einfach viel wohler, habe aber über die Jahre manchmal auch den Matched Grip verwendet, vor allen Dingen dann, wenn ich harte Backbeats spielen musste, wie z. B. bei einigen Songs im Programm von Eric Clapton. Mit der traditionellen Stockhaltung kann ich dagegen wesentlich besser hinsichtlich der Spieltechnik und vom Gefühl her auch sensibler spielen. Das liegt einfach daran, dass ich mit dieser Art zu spielen aufgewachsen bin. Aber wie gesagt, für das Spielen harter Snaredrum-Backbeats ist der Matched Grip oft einfach angenehmer.

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