Produkt: Sticks 07-08/2019
Sticks 07-08/2019
STEWART COPELAND - Orchester-Rausch! +++ LUIS RIBEIRO (The World of Hans Zimmer) +++ YAMAHA Live Custom Hybrid Oak Drums +++ LP PRO Tambourines +++ K ZILDJIAN Cluster Crash Cymbals
Aus STICKS 07-08/2019

Stewart Copeland im Interview

Stewart Copeland
Stewart Copeland/Deutsches Filmorchester Babelsberg
Düsseldorf, Stahlwerk, 23. 03. 2019
(Bild: Tom Schäfer)

Er ist Rockstar. Natürlich. Auch wenn der Hype um The Police bald vier Jahrzehnte zurückliegt, gilt Stewart Copeland mit seinem energetischen reggae-punky Rockpower Style als einer der einfallreichsten Schlagzeuger überhaupt. Seine geradezu ikonischen Grooves haben sich ins Bewusstsein ganzer Drummer-Generationen gebrannt.

Doch im Schatten seines millionenschweren Rock-Trios Police stand immer das „andere Ich“ des Stewart Copeland. Seinem Wirken als Komponist von klassischen Werken und Filmmusiken widmete er sich seit den frühen 1980er-Jahren. Über 60 Soundtracks stammen aus seiner Feder, darunter „9 1/2 Wochen“, „Highlander II“, „Wall Street“, „Rumble Fish“ oder die Musik zur TV-Serie „Desperate Housewives“. Außerdem komponierte er auch für Opern, Ballette – und Videospiele.

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Der umtriebige „Rhythmatist“ hatte immer schon ein Faible für Dinge der besonderen Art. So inszenierte er jüngst mit dem prominenten Babelsberger Filmorchester eine orchestrale Werkschau, um die Retrospektive seines kompositorischen Schaffens auf einer exklusiven „Stewart Copeland Lights up the Orchestra“-Tour auf die Bühne zu bringen. Am Schlagzeug: ein defensiv spielender Copeland. Und weil er immerhin ein vielbeschäftigter Rock-Star ist, sind die raren Audienzen bei ihm zeitlich strikt limitiert. So auch bei unserer Begegnung im Rahmen dieser Orchestra-Tour 2019 in Düsseldorf. Die Interview-Zeit war auf 30 Minuten anberaumt, als eine hochgewachsene Gestalt mit Hut den Raum betrat und in die Sitzgarnitur neben mir glitt, während der Tourmanager um Unverzüglichkeit bat, da aus organisatorischen Gründen die Audienz auf 15 Minuten verkürzt sei. Hier also ein „Instant Talk“, um dem orchestralen Babelsberger Projekt des Policeman gebührend Raum zu geben.

Das ganze Interview gibt’s in STICKS 07-08/2019!

Stewart, dein Künstlerprofil zeigt ein überraschend kontrastreiches Spektrum. Man kennt dich hauptsächlich als Drummer von The Police. Darüber hinaus bist du Filmmusikkomponist, Autor, Schauspieler und vieles mehr. Was ist die wirkliche DNA des Stewart Copeland?

Stewart Copeland: In erster Linie bin ich Komponist. Ich schreibe Soundtracks, komponiere Werke für Orchester und arrangiere Musik für klassische und zeitgenössische Aufführungen. Das Schlagzeugspielen ist nur ein Teil des Gesamtbilds. Bestimmte Drum-Grooves oder rhythmische Muster entwickeln sich häufig aus einer kompositorischen Idee heraus. Schlagzeugspielen beansprucht einen anderen Teil des Gehirns als es beim Komponieren eines Orchesterstücks der Fall ist. Komponieren und Schlagzeugspielen sind für mich zwei unabhängige Aktivitäten.

Diese finden jetzt bei den Konzerten mit dem Babelsberger Filmorchester zusammen. Du hast die Stücke komponiert, arrangiert und spielst selber das Schlagzeug.

Stewart Copeland: Für mich ist es nicht nur ein Vergnügen diese Kompositionen für Orchester zu arrangieren, sondern auch als Schlagzeuger live und mitten drin dabei zu sein. Denn all diese Stücke sind ja schließlich Teil meines Lebens.

Was bedeutet für dich Schlagzeugspielen heute?

Stewart Copeland: Drumming is a physical exercise! Schlagzeugspiel ist kinetische Energie und Aktion!

Im Vergleich zu Police, wo die Songs von dir mit voller Power und hundert Prozent Energie getrommelt wurden, hast du hier deinen Drum-Style etwas umgestellt, oder zumindest den Orchester-Umständen angepasst.

Stewart Copeland: Mehr noch! Ich habe mich letztlich auf eine komplett neue Spieltechnik eingelassen, um auch mit leisem Spiel gut zu klingen. Früher hatte ich eine Dynamic-Range von seven to twelve. Jetzt spiele ich von zero to four, was sich live inmitten des Orchesters und im Saal aber immer noch recht dominant anhört. Viele Musiker verstehen nicht die unterschiedlichen Qualitäten von Lautstärke. Das Orchester insgesamt ist ungeheuer kraftvoll. Und die Lautstärke ist sehr groß. Aber zwischen Volume und Power gibt es einen Unterschied. Ein Fender-Twin-Reverb- Amp kann ein 60köpfiges Orchester wegblasen. Oder wenn ich die Snare mit Rimshots durchziehe, dann hätte das Orchester null Chance – weder die Brass Section und schon gar nicht die Oboe. Es hat für mich Jahre gedauert, eine entsprechend leise Schlagtechnik zu entwickeln. Die Vorteile liegen allerdings auf der Hand. Erstens: Das Schlagzeug klingt extrem melodisch, wenn du nur leicht über die Toms gehst. Sie haben bessere Resonanz und entwickeln einen schönen Ton – ein gutes Beispiel ist Joe Morellos Performance in „Take Five“ vom Dave Brubeck Quartet. Zweitens: Ich kann alle Techniken einsetzen, die ich schon früh als Kind gelernt habe. Mein Vater, der mich an die Musik heranführte, war sehr bedacht darauf, dass ich mir unbedingt eine orthodoxe Technik aneigne. Ich war gewissenhaft und hab mir die Grundlagen alle draufgeschafft. Doch im Rock’n’Roll sind solche Dinge eher nicht relevant. Denn da hörst du weder Feinheiten, noch geht es um eine korrekte Spieltechnik. Man drischt Single- Stroke-Rolls bis zum Muskelzerren – it’s all just crunga banga! (lacht) Aber mit leisem Spiel wird das Vokabular sehr viel größer – all die feinen Drags, Ruffs und Doubles sind wirklich hörbar und eröffnen eine komplett andere Welt. Und Drittens: Keiner bekommt Kopfschmerzen. Selbst ich nicht! (lacht)

Schlagzeuger sind von Natur aus die lauten Typen. Da scheint die Konstellation Rock-Drummer und sensibel musizierendes Orchester wie eine kritische Verbindung. Worin besteht die große Herausforderung?

Stewart Copeland: Es ist wirklich die Kunst des Leise-Spielens. Um mir diese Fähigkeit anzueignen, habe ich zu Hause sehr viel geübt. Ohne Kopfhörer! Die Musik des Orchesters ließ ich über zwei kleine Lautsprecher laufen und dazu spielte ich in einer gemäßigten Lautstärke auf meinem Akustik-Set. Ich musste mich regelrecht dazu zwingen so leise zu sein, dass ich auch wirklich jede Facette des Orchesters höre. Für mich war das ein immenses Training, so zu spielen, dass das Schlagzeug ein bestimmtes Lautstärke-Level nicht überschreitet, aber dennoch homogen klingt und sich mit der Orchestermusik verbindet.

Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Zwischen alleine proben zu Hause und echten Live-Konzerten mit dem Orchester liegen doch sicherlich Welten?

Stewart Copeland: Wenn ich nach allen Vorbereitungen auf das Orchester treffe und die Konzertproben beginnen, dann ist mein Job im Prinzip schon beendet. Denn jetzt darf ich spielen und genießen. Die ganze kompositorische Heimarbeit ist erledigt und auch meine eigenen Vorbereitungen am Schlagzeug sind gemacht.

Bricht dann nicht doch irgendwann der Rock-Drummer durch?

[…]

Das ganze Interview gibt’s in STICKS 07-08/2019!


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(aus STICKS 07-08/2019)

Produkt: Sticks 09-10/2019
Sticks 09-10/2019
FREDERIC MICHEL – Modern Pop Drummer +++ YOUTUBE-STARS: Sina Drums; COOP3RDRUMM3R +++ Rockin‘ 1000 +++ Studium an der POPAKADEMIE +++ ZULTAN Heritage Cymbals +++ PEARL Masters Maple/Gum Drums +++ ROGERS Dyna-Sonic Wood Snaredrums

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