Im Interview

Thomas Lang über sein Schlagzeugspiel

Vor ein paar Jahren trafen wir Schlagzeuger Thomas Lang zum Drum-Talk. Dabei sprach der Drummer über seine Anfänge als Drummer, seine Tour-Vorbereitungen und vieles mehr!

Thomas Lang am Drumset
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Thomas Lang über die Anfänge seines Schlagzeugspiels

Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass ich mit etwa viereinhalb Jahren im Österreichischen Fernsehen immer diese Musiksendung „Spotlight“ gesehen habe, bei der mich dann ein Schlagzeuger ungeheuer beeindruckt hat. Ich fand es cool, dass der Drummer sitzen konnte, während alle anderen Musiker stehen mussten und dass er ein riesengroßes Drumset spielte.

Als er dann die Band einzählte, merkte ich irgendwie, dass er es war, der eine ganze Menge Verantwortung für die Musik hatte. Seine ganze Art und Ausstrahlung brachten einfach rüber, dass er die Kontrolle hatte und die Band ihm zu folgen hatte. Das hat mich sehr beeindruckt.

Zu der Zeit hatte mein älterer Bruder so ein „Pfeil und Bogen“-Spiel und hat mit den Pfeilen herumgespielt und deren Spitzen abgemacht. Sofort wurden diese kaputten Pfeile zu meinen Trommelstöcken und ich fing an, damit auf allem möglichen herumzuklopfen.

Dann habe ich natürlich ständig meine Mutter gefragt, ob sie mir nicht ein Schlagzeug kaufen könnte und ich glaube, dass sie zunächst gedacht – oder zumindest gehofft – hat, dass dies hoffentlich nur eine vorübergehende Phase sei und ich in der nächsten Woche wohl irgendwas völlig anderes machen wollte! Da ich sie aber immer weiter nervte und auch immer nur herumtrommelte, erkannte sie schnell, dass es mir wohl wirklich ernst damit war und ich doch sehr motiviert war, zu lernen wie man trommelt und wie man ein Schlagzeuger wird.

Schließlich hat sie mir dann eine Snaredrum gekauft und meinen ersten Schlagzeugunterricht bezahlt. Ich hatte also viel Glück, zum einen, dass meine Eltern an mich und was ich machen wollte glaubten und zum anderen, dass meine Mutter diesen fantastischen Schlagzeuglehrer namens Johann Hengst gefunden hatte.

Johann war ein klassischer Schlagzeuglehrer, der sich auf Kesselpauken und Kleine Trommel spezialisiert hatte. Er hat mir schon ganz früh beigebracht, dass es sehr viele Vorteile haben kann, gut Notenlesen zu können, aber vor allem hat er es verstanden, den Unterricht so zu gestalten, dass er vor allen Dingen immer Spaß machte! Er wusste genau, wie er den Spaß-Faktor einsetzen musste, um mich immer weiter zu motivieren.

Vermutlich war ich der jüngste Schüler, den er zu der Zeit hatte, und er war sehr geduldig mit mir und hat mich ebenfalls immer unterstützt. Bei Johann Hengst hatte ich so etwa 7 bis 8 Jahre lang Unterricht, und an dem Zeitpunkt hat er dann vorgeschlagen, dass ich mir andere Lehrer suchen solle, die mich mehr am Drumset schulen könnten. Johann verstand einfach, dass er mir alles beigebracht hatte, was er konnte, und er war es dann auch, der sich nach weiteren Lehrern für mich umsah und auch schließlich einige gute Kollegen fand, bei denen ich mich weiterentwickeln konnte.

Ich habe Johann unglaublich viel zu verdanken. Weiter ging es dann mit dem Studium, zunächst am Wiener Konservatorium und dann an der Wiener Musikhochschule, parallel dazu habe ich auch immer weiter so viele Privatstunden wie möglich bei verschiedenen Drummern und den Gastdozenten genommen, die mich inspirierten. Und ich fand Schlagzeug-Videos immer außerordentlich hilfreich für meine Entwicklung, da ich damit die Möglichkeit hatte, an interessante Stellen zurückzuspulen, diese langsam abzuspielen oder auch mal aufs Standbild zu schalten und das alles so oft ich wollte.

Ich hab mir auch immer die gesamte Ausstrahlung des Drummers, seine Körpersprache und seine Bewegungsabläufe ganz genau angesehen und versucht, alles was mir sinnvoll erschien, genau nachzuvollziehen und in meine eigene Art des Schlagzeugspielens zu integrieren, besonders diese Bewegungsabläufe, sozusagen der gesamte mechanische Prozess, den sie anwandten, um von Punkt A nach Punkt B zu kommen. Ich hatte etwa 50 bis 60 Drum-Videos und hab sie mir immer wieder angesehen und davon gelernt, von manchen über 4 bis 5 Jahre.

Ich hab einfach immer wieder versucht, genau das nachzuvollziehen, was diese Drummer ausmachte. Und natürlich habe ich viel mit Lehrbüchern gearbeitet, habe viele Workshops besucht und selbstverständlich weiter studiert. In Österreich hatte ich dann auch schon meine ersten professionellen Engagements.

Nach dem Diplom-Abschluss in Wien bin ich dann nach Los Angeles, zunächst zur Grove School of Music und dann an das PIT gegangen, um weiter zu lernen. Danach habe ich dann in Österreich weiter gearbeitet, und habe einige Jahre beim Falco gespielt sowie auch sehr viele Jobs im Pop- und im Jazz-Bereich. Vor etwa 7 Jahren bin ich dann nach London gezogen, und ich konnte mich dort sehr gut als Drummer sowohl im Studio als auch für Tourneen etablieren.

Thomas Lang über seine Zusammenarbeit mit Ozzy Osbourne

1997 habe ich in Los Angeles an einem großartigen Projekt mit Ozzy Osbourne gearbeitet, für das mich der Bassist Robert Trujillo empfohlen hatte.

Ozzy hatte zu der Zeit wohl so eine musikalische Brainstorming-Phase und unglaublich viele Demos gemacht, bei denen er Robert als Bassisten dabei hatte. Ozzy suchte dann nach einem Drummer, der auch Songs mit komponieren konnte, er wollte so was wie eine Band-Kooperation haben. Robert hat mich also zu den Sessions eingeladen und wir haben dann viele komplette Aufnahmen, einige Demos sowie auch viele Ideen aufgenommen.

Doch bevor irgendetwas wirklich fertiggestellt war, ging Ozzy wieder für fast zwei Jahre auf Tour mit Black Sabbath. Als er dann wieder mit seinen eigenen Projekten beschäftigt war, klangen die Aufnahmen, die wir drei zusammen gemacht hatten, für die Plattenfirma natürlich nicht mehr ganz zeitgemäß und so entschieden sie, dass sie nichts von diesem Material veröffentlichen wollten. Eine echte Schande, da wir drei wirklich viel Spaß gehabt haben und eine Menge klasse Musik dabei herauskam.

Thomas Lang über den Gig, der ihm am meisten Spaß gemacht hat

Oh, das ist eine schwierige Frage. Normalerweise ist es immer die aktuelle Tour, ganz einfach, weil es ja gerade jetzt passiert! Ich hab von jeder Tour, die ich bisher gespielt habe, meine ganz persönlichen Highlights.

Alle Falco-Tourneen waren unglaublich, und auch die Zeit auf Tour mit Geri Halliwell, 911 und B*Witched hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich liebe ganz einfach die besonderen Herausforderungen, die jeder dieser Künstler an mich stellt. Du musst dich und das, was und wie du es spielst, ihren Sound-Bildern anpassen, und dazu kann dann auch das Programmieren gehören oder das Live-Spielen oder es kann das Live zu Programmings und Loops spielen bedeuten.

Und oft sind es auch ganz einfach eher die Menschen, mit denen man zu tun, als die Musik, was den Spaß ausmacht. Jede neue Tour bedeutet auch wieder neuen kreativen Input, eine kreative Herausforderung, und das ist es, was es letztendlich so interessant und spannend macht.

Und was hat Thomas Lang bisher am wenigsten Spaß gemacht?

Wenn es kein Spaß ist, dann ist es eben Arbeit! Ich versuche jedenfalls bei allem was ich tue jeden Moment zu genießen. Und wenn ich keinen Spaß daran habe, dann hätte ich vielleicht den Job einfach nicht annehmen sollen – oder ich habe die Sache von Anfang an falsch eingeschätzt. Um ehrlich zu sein, machen wahrscheinlich die eigenen Projekte am wenigsten Spaß, weil du dich da um alle Details selber kümmern musst und das kann ganz schnell sehr erschöpfend sein.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, Gigs für meine eigene Band zu buchen, die Promos und Demos an die Agenturen und Veranstalter rauszusenden, herumzutelefonieren und sich um alle für die Tourneen und Gigs wichtigen Dinge selbst zu kümmern. Und ich erinnere mich auch noch ganz besonders an einen Festival-Gig mit meiner Band, bei dem das ganze Publikum als wir anfingen zu spielen damit begann, lauthals nach Worlds Apart zu rufen – das war so eine Boygroup, die als Headliner auftrat. Ich dachte die ganze Zeit immer nur: Warum rufen die jetzt nicht Thomas Lang? Wenn ich jetzt an diese Situation zurückdenke, scheint mir selbst das irgendwie lustig, doch in der Situation damals dachte ich nur die ganze Zeit, dass der Gig hoffentlich bald vorbei ist.

Thomas Lang über seine Tournee- und Studio-Vorbereitungen…

Normalerweise sendet man mir ein DAT oder eine andere Art von Demo-Tape, so dass ich es mir zur Vorbereitung anhören kann. Für Studio-Jobs bekommst du manchmal einen Song-Chart, obwohl diese Vorgaben nicht mehr so eng gesehen werden, wie früher mal, und manchmal gehe ich ganz „kalt“ ins Studio. Dann spielen sie mir manchmal ein paar mal das Song-Demo vor, während ich das Drumset aufbaue.

Für die Studio-Jobs ist es essentiell wichtig, dass ich immer mit einer guten Auswahl verschiedenster Cymbals und Snaredrums ankomme. So habe ich immer die passenden Instrumente bereit, je nachdem was für spezielle Sounds die Produzenten hören wollen. Für alle meine Studio-Jobs spiele ich mein Sonor Designer Drumset und ich sorge dafür, die Felle regelmäßig zu wechseln und sorgfältig zu stimmen, so dass ich immer fit für eine Session bin, selbst wenn der Anruf auf den letzten Drücker kommt – und das kommt eigentlich ziemlich oft vor!

Für die Tourneen ist es ein wichtiger Aspekt, das Drumset angepasst an die jeweilige Situation immer möglichst ökonomisch bzw. ergonomisch aufzubauen. Ich muss z.B. TriggerPads oder Extra- und Effekt-Sounds die man für die jeweilige Show braucht, gut erreichen können. Wenn die Tour losgeht, dann kenne ich ja das musikalische Material, aber ich muss auch genau wissen, wie ich ganz bestimmte Parts zu spielen habe und ob ich dann ein spezielles Trigger-Pad oder auch eine ganz bestimmte Trommel an einem ganz bestimmten Platz benötige.

Der mechanische Bewegungsablauf ist dabei genau so wichtig wie es die Instrumente selbst sind. Also stelle ich mir erst mal mental das jeweilige Drumset visuell vor, wo ich also bestimmte Cymbals platzieren will, wo die Trigger-Pads hinkommen und wie viele überhaupt nötig sind, oder wo ich eine Extra-Snaredrum hinstellen muss, damit ich mich nicht dabei umbringe, wenn ich zur richtigen Zeit den richtigen Sound spielen will.

Dan gehört für mich dazu, alle Grooves, alle besonderen Beats und die Struktur aller Songs zu notieren und mir die Songs immer wieder und wieder anzuhören, bis sie sich quasi in meinem Kopf festgesetzt haben. Ich lese eine Menge Charts im Flugzeug, da ich zur Zeit eigentlich immer irgendwo in der Weltgeschichte herum fliege, aber eben auch zu Hause, wenn ich mich auf eine Tour vorbereite. Bei einigen Tourneen spiele ich außer Drums auch noch andere Instrumente, so zum Beispiel vor kurzem bei einer Tour von Gianna Nannini, da habe ich bei einigen Songs auch Bass, Piano und Percussion gespielt. Also muss ich auch diese Instrumente und die Anforderungen, die sie an mich stellen, in Betracht ziehen.

Zwar habe ich kein richtiges Workout-Programm, was die Fitness angeht, doch versuche ich schon, ein ganz gutes Level an Fitness aufrecht zu erhalten und kümmere mich darum, dass es mir möglichst gut geht. Ich versuche also, vernünftig und regelmäßig zu essen und auch immer genug Schlaf zu bekommen. Und wenn es mir mal nicht so gut geht, dann kann ich ja Sauna und Massagen in den Hotels in Anspruch nehmen.

Thomas Lang über seine Endorsements…

Als ich von Zildjian zu Meinl Cymbals wechselte hatte ich bereits ein klares Sound-Konzept, und um ehrlich zu sein, konnte ich diese Sounds damals im Zildjian-Programm einfach nicht finden. Ich wollte „leiser“ klingende Cymbal, ohne viel Nachklang und auch ohne Tonalität. Ich stellte mir so eine Art „White Noise“-Sound mit minimalem Sustain vor.

Die Cymbals sollten also extrem schnell und explosiv ansprechen, mit sehr viel Attack und sofort verklingen. Ich hab immer auf abgedämpften Cymbals geübt und hatte mich also irgendwie an diesen Sound mit wenig Sustain gewöhnt, bei dem die Cymbals auch nicht so sehr in den Trommelklang übersprechen. Ich mag es, die Crash-Cymbals als individuelle, abgegrenzte Sounds zu hören, und nicht als ineinander überblenden, verschwommene Klänge, besonders bei Fusion-Musik oder bei Drum-Soli.

Ich möchte dabei gern jeden individuellen Cymbal-Sound genau heraushören. Das alles habe ich dann dem Norbert Saemann von Meinl zu erklären versucht, und der meinte ganz einfach: „Dann lass uns diese Sounds doch mal entwickeln!“ Also habe ich einige Zeit in der Meinl Cymbal-Schmiede verbracht, und Norbert hat mir da sehr viel über den Herstellungsprozess von Cymbals und wie Cymbals überhaupt funktionieren erklärt, Sachen, von denen ich vorher nur wenig bis gar keine Ahnung hatte.

Sie haben mich auch mal selber Cymbals hämmern lassen, und ich konnte genau beobachten, wie sich die einzelnen Arbeitsschritte im Herstellungsprozess auf den Cymbal-Sound auswirken. Dann habe ich einige Prototypen mitgenommen und diese einige Zeit gespielt. Eigentlich hatte ich nur an drei verschiedene Crash-Sounds gedacht, aber je mehr und je länger wir an diesem Projekt zusammen arbeiteten, desto interessierter wurde ich daran und schließlich haben wir dann 5 verschiedenen Cymbals entwickelt.

Ich brauche multifunktionale Cymbals, mit denen ich all diese Hybrid-Stile von Musik abdecken kann, für die ich meistens angerufen werde – dafür wollte ich akustische Cymbals die irgendwie „elektronisch“ klangen, so ein bisschen wie ein 909-Drumcomputer-Cymbalsound. Die beiden größeren Cymbal-Modelle der Generation X Tom’s Becken haben auch das Potenzial, sie als RideCymbal ohne Obertöne einzusetzen. Ich muss sagen, dass ich gerade sehr weit damit gekommen bin, meinen wirklich persönlichen Sound zu kreieren, und ich habe auch festgestellt, dass sich mein Spielstil etwas geändert hat, seitdem ich meine Signature-Cymbals bekommen habe, und dass ich auch musikalisch etwas anders spiele, was ich insgesamt schon als einen positiven Schritt in meiner musikalischen Entwicklung sehe.

Ähnliche Erfahrungen habe ich auch mit dem „Giant Step Twin Effect“-Pedal von Sonor gemacht. Dieses Pedal hat mich außerordentlich inspiriert und mich veranlasst, in völlig neuen Wegen zu denken und ganz neue Pattern zu entwickeln, die ich noch nie zuvor gespielt habe. Es hat mich echt umgehauen, was sich für Möglichkeiten mit diesem Pedal auf einmal auftaten, als ich die Zeit hatte, mal damit zu experimentieren. Das waren aber auch gerade mal zwei Wochen vor meinem ersten Workshop für Sonor mit dem „Twin Effect“-Pedal.

Jetzt nehme ich die Pedale und die Cymbals zu jeder Session und auf jede Tour mit, denn beide Produkte haben mein Schlagzeugspiel noch einmal richtig nach vorn gebracht, was nicht nur für mich gut ist, sondern auch für alle Künstler, mit denen ich arbeite. Die wollen schließlich auch alle frische und lebendige neue Ideen hören, ob das nun im Studio ist oder auch on the road.

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