Interview aus 2006

Trommelvirtuose Benny Greb

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Es ist höchst selten, dass ein Drummer so in den Fokus der Öffentlichkeit gerät, ohne dass eine bekannte Band oder gar ein Single-Hit dahinter steckt. Doch im Fall von Benny Greb ist das so. Sein buntes Treiben erscheint wie eine Gratwanderung zwischen den schönsten Experimentierfeldern der Künste.

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Und überall brodeln die Keimzellen seiner Kreativität: Ob es die Bands Jerobeam, Attacke Royal oder Strom & Wasser sind, das amüsante Solo-Album „Grebfriut“ oder die voller Charme, Witz und wahrlich spektakulärer Grooves steckenden DrumPerformances – Benny Greb erlangt mit seiner unkonventionellen Art eine ungeheure Aufmerksamkeit. In der internationalen Schlagzeugerwelt regelrecht berühmt wurde er aufgrund seiner explosiven Solodrumming-Shows, mit denen er die Bühnen in einen Zauber fantastischer Trommelvirtuosität verwandelt. Und in allem steckt immer die Persönlichkeit Benny Greb – gefeierter Hoffnungsträger der deutschen Drum-Kultur.

Deine Schlagzeug-Performances gehören mittlerweile weltweit zu den absoluten Top-Events. Hast du jemals erwartet, dass es so weit kommen würde?

Vom Tempo, mit dem die wichtigen Ereignisse aufeinander folgten, war ich schon baff. Dennoch darf man nicht vergessen, dass ich ja seit Jahren darauf hingearbeitet habe. Ich höre ganz oft Musiker sagen „… wenn ich diese oder jene Anfrage bekomme, dann schaff ich mir das drauf, z. B. wenn mich eine Bigband haben will, dann lern ich Swing …“ Es ist aber genau umgekehrt! Wer nicht swingt, wird keine Anfrage deswegen bekommen. Ich habe während meines Studiums geübt wie ein Wahnsinniger, gespielt wann und wo ich nur konnte, Sessions organisiert und mich auch mit Themen beschäftigt, die übers begleitende Drumming hinausgingen. Daraufhin hat mir mein damaliger Lehrer Udo Dahmen ermöglicht, den Opening Spot beim „World Drum Fest“ in Hamburg zu spielen, was mich wiederum motivierte, auch das Solo-Drumming in eine sinnvolle Form zu gießen. Der Auftritt verlief gut und es folgten Kommentare der Fachpresse, Endorsements usw. Neben meinen Band-Sachen hatte ich nun also die Möglichkeit, immer mehr Drum-Workshops und Drum-Festivals zu spielen. Und da musste ich auch erst mal mit den ganzen Business Skills nachkommen: Terminplanung, Buchhaltung, die vielen Reisen, Flüge, Workshops auf Englisch halten, vor der internationalen Fachpresse stehen, Solo-Platte, weltweiter CD-Verkauf, iTunes-Deal usw.

Wie bereitest du eine Show vor? Spielst du nach Motiven? Ist viel Improvisation dabei? Tricks?

Jaaa … das verrat ich natürlich nicht! (lacht) Zum einen gibt es ja diese DrumClinics und da kommen Leute hin, die wollen drei Stunden lang Drumming sehen und Tipps haben. Und dann gibt’s die Drum- und Percussion-Festivals, wo einer nach dem anderen ein kurzes Konzert gibt. Das sind unterschiedliche Welten, und ich versuche grundsätzlich vor jeder Show, immer die Stimmung zu erfühlen. Generell spiele ich gerne Songs meiner Solo-Platte, um diese auch zu promoten und um dem Publikum einen Überblick über mich zu geben. Und rein drumsolo-mäßig arbeite ich mit einem Skelett, mit verschiedenen Themen und kann im Prinzip dazwischen improvisieren. So behalte ich eine Struktur und eine Dramaturgie bei, auch wenn von zwanzig Minuten Solo vielleicht achtzehn Minuten improvisiert sind. Meine Soli sind durchweg groove-basiert und gehen vom Einfachen ins Komplexe. Ich versuche mir immer eine gewisse Transparenz zu bewahren, d. h. Zeug zu spielen, das vielleicht außergewöhnlich aber noch halbwegs nachvollziehbar ist. Und es muss kreativ sein! Das Ding ist ja, wenn man versucht so zu klingen wie jemand anderes, gibt es mindestens schon mal einen, der das besser kann. Inspirationen sind natürlich gut. Doch ab dem Punkt, als ich anfing, mich mit eigenen Statements zu emanzipieren, ab da hatte meine Arbeit einen künstlerischen Wert und auch einen Marktwert.

Eigenständig sind deine Solo-Performances allemal und streckenweise ja auch unkonventionell, wenn du zum Beispiel mit bloßen Händen spielst. Warum dies?

Na, warum nicht? (lacht) Für mich ist einfach alles erlaubt was gut klingt. Man braucht eben für ungewöhnliche Dinge manchmal ungewöhnliche Techniken.

Man hat das Gefühl, dass du unentwegt aktiv bist – Studio, Songwriting, Solo-Album, Workshops usw. Wo kommt diese Energie her?

Mir macht Musik einfach Spaß, die gibt mir Kraft! Klar gehört auch jede Menge Arbeit dazu und es gibt bestimmt leichtere Jobs – keine Frage – aber vielleicht nicht so erfüllende. Und das Tolle ist, dass ich übers Schlagzeugspielen, das Songwriting und die meditativen Prozesse des Übens ja ständig eine Selbstanalyse betreibe. Während ich also Musik mache, lerne ich erstaunlich viel über mich selbst.

Schlagzeugspielen als Endeckung deiner selbst?

Das kann man durchaus so sehen, obwohl man sich grundsätzlich in allem was man tut – und vor allem wie man es tut – spiegelt. Egal ob man Drummer ist, oder Schreiner … oder Sticks-Redakteur. (lacht)

Du hast eine amüsante Art auf der Bühne, mit nettem Witz in der Darstellung … einfach unterhaltsam. Du nimmst das Thema Schlagzeug also nicht zu ernst?

Musik und Schlagzeugspielen nehme ich sehr ernst, mich selbst nicht so sehr.

Zu deinen Heros zählst du auch Leute wie Steve Smith, Vinnie Colaiuta, Steve Gadd und Dave Weckl. Alles eher ernsthafte Typen, die nichts oder nur wenig mit deinem Charisma des lebenslustigen Schlagzeugers zu tun haben. Wieso haben die dich also inspiriert?

Nun, das mit den Heros und ist eben so eine Sache. Man muss verstehen, dass man andere für das, was sie tun, bewundern kann, ohne exakt so sein zu müssen. Ich bin eben weder Gadd noch sonst wer. Ich bin Ich! Spätestens wenn man sich mit den Jungs dann auch noch die Bühne teilt merkt man ganz deutlich, dass man jetzt selber was zu Tisch bringen muss: eine hoffentlich eigene Aussage! Ein Programm voller Steve Gadd-Licks fühlt sich nur solange gut an, bis Steve Gadd im Publikum sitzt! (lacht) Natürlich vergöttere ich diese Typen und erfinde das Rad auch nicht neu, aber es geht ums „wie“ und um Authentizität. Meine Vorbilder tun das, was sie tun, mit Leidenschaft, und das tue ich auch mit aller nötigen Ernsthaftigkeit. Aber … a propos ernsthafte Typen … ich hatte mit Steve Smith schon unglaublich alberne Momente, wo wir beide nicht mehr konnten vor Lachen.

Hast du die Idee des Schlagzeugerlebens bzw. die Entscheidung, Musiker zu werden vorsätzlich getroffen? Gab es einen Punkt an dem du sagtest: Jetzt nur noch Drums und nichts anderes? Oder hat sich das eher aus dem Laune- und Freizeit-Bereich ergeben?

Beides! Am Anfang stand das Lustprinzip. Mit sechs bekam ich ein Schlagzeug und hab da ewig nur aus Spaß getrommelt. Dadurch konnte ich eine nahe Bindung zum Instrument entwickeln, denn es stand kein Zwang dahinter, ich bestimmte das Tempo. Ich war ja Autodidakt bis zum Alter von zwölf Jahren. Dann kam ein Wendepunkt, ich interessierte mich intensiver für Musik und schärfte dadurch mein Bewusstsein für andere – und insbesondere gute Trommler. Mein Horizont erweiterte sich und ich erkannte, dass es im Bereich Schlagzeug jede Menge zu entdecken gab. Ich wollte das Thema Schlagzeug richtig auschecken. Mit 16 kam dann auch die Einsicht, dass ich – um meiner Vision zu entsprechen – mehr tun musste.

Das war der Punkt als du dich für ein Schlagzeugstudium in Dinkelsbühl entschieden hast?

Ja. Ich stand eh am Ende meiner schulischen Laufbahn und habe nicht lange überlegen müssen, was ich mir als Beruf bzw. Studium vorstellen könnte. Völlig abgefahren war dann, dass ich erstmal eine positive Identitätskrise hatte, weil die Leistungen, die in der Schule zählten, mich als faulen Hund darstellten. Dabei wurde natürlich ignoriert, dass ich nach der Schule den Rest des Tages am Schlagzeug saß und damals schon Songs geschrieben hab. Und als ich nach Dinkelsbühl kam, hatte ich plötzlich lauter Einsen und war da in einer Interessensgemeinschaft mit vielen, die ähnlich drauf waren. Das hat mir einen tierischen Schub gegeben, weil es plötzlich gewollt war das zu tun, was ich immer im Sinn hatte.

Das Studium war also keine Hürde im Sinne einer unbekannten Größe, die du nehmen musstest?

Ich hab es nicht als Hürde empfunden, auch wenn das Studium nicht nur Spaß bedeutete. So musste ich mir viele schlagzeugfremde Sachen draufschaffen wie Chorleitung, Dirigieren, Theorielehre, Arrangement, Formenlehre usw., aber es waren alles Sachen, die für mich Sinn gemacht haben. Mit dem Angebot an Wissensvermittlung und Informationen darf man nicht zu selektiv umgehen. Irgendwann später im Leben tauchen Situationen auf, in denen man sich dieser Puzzle-Stücke erinnert und sie dann einsetzen kann. Ich hab lange nicht gewusst, was das Chordirigieren und Partiturlesen für mich bedeutet, bis ich als Band-Leader gefordert war und die Verbindung zu dem, was ich gelernt hatte, wieder herstellen konnte.

Was war eine deiner schwierigsten Aufgaben – sozusagen die härteste Nuss – die du zu knacken hattest?

Oh, verdammt viele! Gerade weil ich als Autodidakt angefangen habe und dann aber die Dinge auf den Punkt bringen wollte, musste ich erkennen, dass es ganz viele harte Nüsse zu knacken gab. Ich wollte für alles Klarheit haben, und zumindest dieser Lernprozess war eigentlich ein wirklicher Klimmzug, da früher alles eher spielerisch war. Falls ich da einen Begriff wählen muss, dann würde ich sagen: Disziplin!

Hast du dich bestimmten Schlagzeug-Themen besonders gewidmet? Welche waren dir sehr lieb? Welche hast du eher beiseite geschoben?

Tatsächlich gab es Zeiten, in denen ich mich konsequent nur einem Thema gewidmet hab und auch nichts anderes gemacht habe. Aber es waren nicht die glücklichsten Zeiten meines Lebens, denn Ausgewogenheit beim Schlagzeugspielen und überhaupt im Leben ist ja immer noch das Beste. Im Prinzip denke ich, dass man überall mal reinschauen sollte. Mir ist aber sehr schnell klar geworden, dass man nicht alles gleichzeitig erledigen kann … und doch lauf ich heute manchmal drauf los und muss mich dann selber wieder stoppen. Gerade weil es heute so viele Einflüsse gibt wie nie zuvor, ist die Gefahr ja groß, dass man überfordert ist und alles nur ein bisschen macht. Weil ich aber einen hohen Qualitätsanspruch an mich selber stelle, erfordert es, dass ich mich einer Sache intensiv widme, ohne dabei die anderen zu vergessen. Alles was ich mache, will ich einfach auf einem hohen Niveau tun!

Welche Sachen hast du denn insbesondere gemacht?

Ich hab sehr an meiner Time gearbeitet, was ich heute allerdings immer noch tue. Also … schwierig zu sagen, was ich alles gemacht habe, weil ich immer weiter arbeite und keine Kapitel abschließe … z. B. übe ich immer noch Paradiddle, immer noch den Double Stroke Roll und das werde ich wohl nie beiseite legen. Extrem auseinandergesetzt hab ich mich mit dem Thema Sound, u. a. mit der Überlegung, warum verschiedene Leute auf demselben Set unterschiedlich klingen. Auch mit Sound im Sinne von Recording hab ich mich befasst und Aufnahmen von meinem Spiel mit lediglich einem einzigen Großmembranmikro hergestellt. An diesen Aufnahmen kann man sehr gut erkennen, ob das Spiel in sich stimmt, ob es groovt und die Sounds okay sind. Ich hab mich natürlich auch mit Independence und jeder Art von Koordination beschäftigt, weil mir diese Fertigkeiten helfen, Ideen schneller umzusetzen.

Diese Independence-Exkursionen haben sich aber auch aus dem Sound-Ding heraus entwickelt, weil ich während meiner Kontrollaufnahmen verschiedene Möglichkeiten durchprobierte, z. B. einen Groove fünf bis zehn Minuten lang zu spielen und nur die Hi-Hat alle acht Take anders klingen zu lassen. Leider änderte sich aber auch der Snaredrum-Sound, ein anderes Mal war’s die Bassdrum. Und plötzlich erkennt man die Wichtigkeit dieser Art der Independence, also der Gleichmäßigkeit im Gesamtsound, selbst wenn eine Hand plötzlich was anderes machen muss. Erst danach kamen die ganzen Koordinationen mit Ostinati etc. Ich hab sehr viel mit Rudiments gearbeitet und habe auch immer wieder meine Stilistik-Phasen, zeitweise Jazz, dann Latin, aber all das übe ich immer mit dem Wissen, dass diese Dinge nicht beendet sind, sondern dass man immer wieder in Bereiche vordringen kann, wo noch viel mehr geht.

Was bedeutet denn für dich Sound? Hat Sound mit der Persönlichkeit zu tun? Ist es die eigene Haltung?

Grundsätzlich strebe ich nach Kontinuität und Zuverlässigkeit in meinem Sound, denn es soll eben eine direkte Verbindung zwischen meinen Klangvorstellungen und dem, wie ich spiele, geben, so dass ich nicht aus technischen Unzulänglichkeiten z. B. immer die Cymbals zu laut spielen muss usw. Die Kontrolle über meinen Sound ist einerseits eines meiner Werkzeuge, um mich spontan auszudrücken, andererseits ist sie eine zuverlässige und feste Größe, um ein gewisses Level an Qualität nicht zu unterschreiten.

Was heißt Sound-Gestaltung aber nun praktisch für dich? Ist es die Frage, mit welcher Technik man z. B. Toms, Snaredrums, Cymbals etc. anspielt? Kraft? Stick-Control?

echnik hat immer was mit Sound zu tun und bedeutet im Idealfall den größten Effekt mit dem geringsten Kraftaufwand zu erzielen. Und so gibt es eben Techniken, die man in den Vordergrund stellt, weil Figuren dadurch besser klingen, z. B. auf großen Toms – wenn es transparent sein soll – mit Single Strokes zu spielen. Doubles sind dann einfach nicht mehr angesagt. Das sind Dinge, die sich nur übers Ohr entscheiden und man kommt durch Selbstanalyse dahinter, sprich: sich aufnehmen, anhören – aufnehmen – anhören. Ich glaube, dass Leute wie Steve Gadd so unglaublich gut geworden sind, weil sie das beruflich tagtäglich gemacht haben und wussten, was jede kleinste Veränderung des Drummings auch für den BandSound bedeutet.

Die effektivste Methode ist, wie gesagt, das Aufnehmen seines eigenen Spielens, am besten mit einfachsten Mitteln und einer ordentlichen Portion Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Fakt ist, wenn’s auf einem MiniDisc-Recorder mit einem Billig-Mikro gut und ausgewogen klingt, dann klingt es überall gut. Das ist die beste Schule! Sind die Cymbals zu laut, dann muss man die eben leiser spielen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass eine Aufnahme auf einem Billigteil eine seriöse Aussage über den eigenen Sound liefert. Obwohl ich ja heutzutage in meinem Studio übe, benutze ich zur Übe-Analyse genau diese Methode.

Wann ist für dich ein Qualitätslevel im Sinne von Spieltechnik erreicht? Kann man den Punkt der Perfektion überhaupt erreichen?

Absolute Perfektion ist etwas, was man als Ziel haben kann – es aber nie erreichen wird! Darüber muss man sich Klarheit verschaffen. Vergleichbar mit einer Tangente in der Geometrie … eine Linie die sich einer Achse unendlich nähert, sie aber nie berührt. Man muss sich also Ziele setzen, die erreichbar sind und sich dann – gerade als selbstkritischer Mensch – darüber freuen, wenn man sie erreicht … und dann weiter.

Je mehr man weiß, desto mehr weiß man auch, was man noch nicht kann. Gehst du einen Schritt vorwärts, dann bewegt sich auch das Ziel nach vorne – eben weg von dir. Die Karotte vor der Nase. Wenn man diese Distanz aber nicht frustriert zur Kenntnis nimmt, sondern als Herausforderung, dann macht man immer einen guten Schritt vorwärts. Trotz allem Streben nach Perfektion und Routine gibt’s mal Tage, da läuft’s und es gibt welche da läuft`s nicht … und manchmal einfach auch gar nicht! (lacht)

Dein berufliches Profil ist nicht leicht einzuschätzen. Gehst du eher in Richtung Solo-Drumming? Bist du Drum-Entertainer? Studio-Drummer und Songwriter? Oder auch Band-Drummer, der gerne mal auf Tour geht?

Ich bin vorsichtig mit solchen Labels. Zum Glück muss man sich ja nicht für eines entscheiden. Ich mach halt verschiedenes Zeug und das ist für mich sehr wichtig. Das Solozeug geht gerade total ab, und ich bin sehr froh darüber. Aber das ist nicht das einzige was ich tue. Wir schreiben mit Jerobeam gerade an einem neuen Album, ich spiele regelmäßig mit Ron Spielman und mit Strom & Wasser, arbeite an einer neuen Solo-Platte, ich mach Studiojobs, ich produziere usw. Momentan schreibe ich übrigens die Musik für ein Hörbuch, das ich dann auch produzieren werde. Es macht einfach total Laune, die Möglichkeiten zu haben, z. B. mal mit dem NDR Orchester Zappa zu spielen, dann eine Clinic-Tour durch Kanada zu machen, danach eine Platte für eine Glamrock-Band einzutrommeln und dazwischen auf einer Jazzsession zu spielen. Wobei mir wichtig ist, dass ich in der jeweiligen Situation total aufgehe. Das heißt, wenn ich mit Jerobeam spiele, bin ich komplett mit meiner Rolle als Band-Drummer zufrieden und will nicht lieber Bass spielen oder singen. Genauso muss ich mich bei einem Studiojob nicht in die kreative Arbeit einmischen.

Etwas von deiner bunten Seite bietet ja auch deine aktuelle SoloProduktion, die witzigerweise den skurillen Titel „Grebfruit“ trägt …

… ja … (grinst) … mir ging’s nicht darum zu zeigen, wie gut ich singen und welche Instrumente ich alle spielen kann. „Grebfruit“ ist einfach die Summe der Sachen, die mir neben den Band-Geschichten so im Kopf rumschwirrten. Zu dem Zeitpunkt hatte sich gerade meine Band Otterpost aufgelöst, mit der ich gute vier Jahre hart gearbeitet habe. Nun hatte ich die Freiheit, von vorn bis hinten alles selbst zu machen – was ja nicht heißen muss, dass es nur programmierte 13/64tel über Sieben sein müssen! (lacht) Ich war mir im Vorfeld klar darüber, kein Klischee erfüllen zu wollen.

Also keine Drummer-CD?

Nein, weil ich glaube, dass die Drum-Parts nicht das einzig Interessante auf der Platte sind, wie das manchmal bei Drummer-CDs ist. Klar hätte ich krumme Sachen programmieren und drüberholzen können und in jedem Song ein Drumsolo machen usw. Aber ich wollte eine wirkliche „Benny Greb“-Platte machen, Sachen, auf die ich einfach Bock hatte. Das Trommeln war dabei eben nur einer von mehreren Aspekten.

Du hast auf „Grebfruit“ vorwiegend Stimmen als Stilmittel eingesetzt und ihnen eine instrumentale Rolle zugewiesen. Was hat dich daran fasziniert?

Das kam daher, dass ich meine Ideen immer in Form von Voice-Memos festhalte. Ideen warten nicht darauf bis man an seinem Schreibtisch oder am Instrument sitzt! Daher hab ich ständig das Handy voller kurzer Melodien, Basslines und gesungene Grooves. Bei meiner Arbeit zu „Grebfruit“ hatte ich bereits zwei Songs nur mit Stimmen skizziert. Und als ich dann daran ging, Instrumentierungen auszusuchen, dachte ich mir: Mensch, ich zieh das durch … ich lass das einfach so! Stimmen plus Drums! Das ist dann eben „Grebfruit“ geworden. Und ich bin stolz drauf. Ich wollte ja ’ne Platte machen, die wirklich „unique“ klingt … meine nächste Solo-Platte wird allerdings wieder völlig anders klingen.

Was bedeutet für dich Groove? Wie kommt man diesem Phänomen auf die Schliche?

Das Wichtigste ist zu verstehen, dass Timing und Groove zwei unterschiedliche Dinge sind. Ein Clicktrack hat z. B. ein perfektes Timing, aber nicht unbedingt den Groove. Es gibt total gute Funk-Aufnahmen wie z.B. „Chameleon“ von Herbie Hancock, das groovt wie die Hölle, aber die Time geht während der Nummer zehn Beats nach oben. Dennoch ist das Ding groove-mäßig eine „Eins“. Dann gibt’s andere Nummern aus dem Bereich Elektronik mit einer perfekten Time, aber die Programmings klingen manchmal ungroovig.

Groove hat also eine menschliche Komponente?

Ja, aber manchmal nur vom Empfinden des Zuhörers. Es gibt auch einen perfekten programmierten Groove, was mit Dynamik und Phrasierung zu tun hat. Groove ist allgemein ein bestimmtes Gefühl das sich einstellt, wenn man diesen Puls fühlt, eine Art Kreislauf … wenn man sich plötzlich bewegen will … dann isses richtig!

Bist du eigentlich ein Hi-Hat-Fan? Du arbeitest viel mit diesen Sounds …

… hmm … auf jeden Fall bin ich ein großer Stewart Copeland-Fan. Sein Hi-HatSpiel ist der Wahnsinn! Mit der Hi-Hat hat man sagenhaft viele Ausdrucksmöglichkeiten, weil man auch Tonlängen gestalten kann. Ich will aber jetzt nicht behaupten, dass ich ein Hi-Hat-Fan bin, sonst ist nämlich die Snare sauer! (lacht)

In der Gestaltung von Grooves zeigst du spannende Kombinationen aus Snaredrum und Bassdrum-Beats. Ebenso sind die rhythmischen Klangkulissen aus allen möglichen Cymbalsounds sehr delikat. Wovon nähren sich die Ideen? Wie entwickelst du interessante Grooves?

Das entsteht meistens aus diesem „Ey, es wäre cool, wenn ich noch …“ – und dann kann ich es eben erstmal nicht spielen, z. B. diesen Shakersound, den ich mir vorstelle. Dann probier ich eben mit getretener Hi-Hat und verschiedenem Zeug rum bis vielleicht was Neues entsteht. Durch spielen … anhören … spielen … anhören.

Bist du ein zufriedener Mensch? Liegt’s an der Vielfalt deines Lebens? Am Abenteuer?

Ich bin vor allem dankbar und ich versuche, nichts als selbstverständlich zu nehmen. Ich darf gerade verschiedenste Sachen machen, die Bock bringen, und ich hab eine wunderbare Freundin, bin happy und habe tausend Pläne und Ideen für die Zukunft … es geht weiter!

Im Prinzip ist dein Drumset ja konventionell konzipiert. Jedoch hast du grundsätzlich links ein Paar Bongos integriert. Birgt dein Aufbau vielleicht doch noch Geheimnisse im Hinblick auf Tricks? Sound-Design?

(grinst) Keine Geheimnisse. Ich mag es einfach noch, die Bongos für die Soloshows zu haben, weil sie mir einen größeren Tonumfang für Melodiespiel geben. Außerdem bieten sie ein bisschen diesen Sound, als wäre noch ein Percussionist dabei.

Warum spielst du Sonor Drums? Qualität? Sound?

Die hohe Qualität und Verarbeitung ist ja weltweit bekannt. In USA genießt das Sonor-Material ja eh einen porsche-haften Ruf. Es gibt unzählige Features z. B. bei der Hardware, die ich teilweise erst zu schätzen gelernt habe, als ich den Kram täglich benutzte. Einfach solide, haltbar und praktisch! Die Delite- und die SQ2-Kessel sind total flexibel. Durch gutes Tuning ist damit alles machbar. Kurz gesagt fühlt sich das Zeug einfach gut an und es ehrt mich, dass sogar ein paar meiner Vorschläge schon bei der Entwicklung neuer Serien mit eingeflossen sind … übrigens ebenso bei Meinl.

Welche Qualitäten bieten dir deine Meinl Cymbals?

Meinl steht gleichermaßen für traditionelle als auch für innovative Sounds. Die sind fix in der Umsetzung neuer Ideen und interessieren sich auch für verrückte Vorschläge von Drummern. Für mich ist die Auswahl traumhaft … und der Witz ist überhaupt, dass alle, die da arbeiten, auch Drummer sind! Ich fühl mich einfach wohl, wenn mein Equipment gut klingt und ich zudem mit Leuten arbeiten darf, mit denen man sich versteht und die mit derselben Leidenschaft ihrem Beruf nachgehen wie ich meinem.

Was muss ein Drumstick für dich leisten?

Er muss gut klingen, das heißt, er muss ein gewisses Eigengewicht haben, um z. B. gute Rimclick-Sounds zu ermöglichen. Eine für den guten Cymbalsound entsprechend geformte Spitze muss er haben, ein guter Rebound sollte da sein und er muss perfect gebalanced sein, sich gut anfühlen. Das alles waren Kriterien, die ich auch mit promark bzw. Kevin Radomski von der Firma besprochen habe. Und nach hunderten von Mails, einem halben Jahr und mehreren Prototypen – teilweise von mir angefertigt – kam es dann zu dem promark 5BG Benny Greb Signature Stick, den ich jetzt stolz mein eigen nenne. Er ist im Prinzip ein etwas dickerer 5B, der den entsprechenden Sound macht, sich beim Spielen aber dünner anfühlt.

 

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