Art Blakey

Auf dieser Seite widmet sich unser Autor Timo Ickenroth einem seiner ersten Einflüsse des Jazz-Drumming, dem großartigen Art Blakey, der vom Pianisten zum autodidaktischen Schlagzeuger wurde. Dabei wurde er von Drummern wie Chick Webb, Sid Catlett und Ray Bauduc beeinflusst.

Als Ickenroth noch nicht wirklich viel mit Jazz am Hut hatte, wurde ihm von seinem damaligen Lehrer die CD „Moanin’“ von Art Blakey & The Jazz Messengers empfohlen. Bei nächster Gelegenheit kaufte er sich also die CD, und war vom ersten Ton an nur noch begeistert. Art Blakeys ausdrucksstarkes und kraftvolles Drumming ist mit ein Hauptgrund, weshalb sich unser Autor mehr mit Jazz befassen wollte. Hoffentlich kann diese Seite etwas von dieser Begeisterung an euch weitergeben.


<<<Biografie: Wer war Art Blakey?>>>

Religiös geprägte Kindheit

Geboren am 11. Oktober 1919 in Pittsburgh, Pennsylvania, wuchs Art als Pflegekind in einer strenggläubigen Familie der „Siebenten-Tags-Adventisten“ auf, die größte adventistische Religionsgemeinschaft der Welt, welche im 19. Jahrhundert in den USA als protestantische Freikirche gegründet worden ist.

Art musste sich, bedingt durch die tiefe Religiosität seiner Familie, schon in jungen Jahren intensiv mit der Heiligen Schrift auseinandersetzen, seine Pflegeeltern ermöglichten es ihm aber auch, Klavierstunden zu nehmen. Durch seinen Fleiß war er schon sehr schnell der Inhalte der Bibel und auch des Klavierspiels mächtig. In seiner Gemeinde hatte er dann auch seine ersten musikalischen Auftritte, ähnlich wie viele bekannte Jazzmusiker vor und nach ihm.

Vom Pianisten zum Schlagzeuger

Art wurde mit der Zeit ein aufstrebender und gefragter Pianist in seiner Heimatstadt Pittsburgh, doch zwei einschneidende Erlebnisse trieben ihn letztendlich zum Schlagzeug. Zum einen gab es einen kleinen Zwischenfall mit einem Nachtclub-Besitzer in Pittsburgh, der Art Blakey während eines Gigs in seinem Club mit einer Pistole bedrohte und ihn zwang, vom Klavier an das Drumset zu wechseln.

Zum anderen bekam Art einen begnadeten Pianisten namens Erroll Garner zu hören, welcher ihn mit seinem Spiel so sehr beeindruckte, dass er am liebsten das Klavierspiel ganz hingeschmissen hätte. Wer weiß, vielleicht hätten wir ohne einen wahnsinnigen Nachtclub-Besitzer und einen begnadeten Erroll Garner heute eine Drummer-Legende weniger …

… eine Musikerlegende, deren Karriere über Jahrzehnte ging, die alle Jazz-Drummer nach ihm nachhaltig beeinflusste und die unzählige Talente gefördert hat. Das wäre ein harter Verlust für die Jazzwelt und vor allem für uns Schlagzeuger gewesen. Gott sei Dank kam es anders.

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Erste Erfolge in der Welt des Jazz

Art wurde also vom Pianisten zum autodidaktischen Schlagzeuger, beeinflusst von wie Drummern wie Chick Webb, Sid Catlett und Ray Bauduc. Es folgten viele Jahre als Sideman, in denen er jeden Tag Auftritte hatte. Oft spielte er schon um 6 Uhr morgens eine Frühstücks-Show, danach ging es direkt zur Jazzsession bis 14 Uhr, um 15 Uhr war dann vielleicht mal Bettruhe angesagt, und spätestens um 20 Uhr war er wieder spielbereit im entsprechenden Club. Geübt wurde also auf der Bühne.

Die Zeit als Sideman genügte ihm allerdings nicht, er wollte seine eigene Band leiten, und so gründete er 1937 zusammen mit der Pianistin Mary Lou Williams in Pittsburgh eine eigene Combo. Von da an ging es mit Arts Karriere nur noch steil aufwärts.

„Music is supposed to wash away the dust of everyday life.“ (Art Blakey)

Von Pittsburgh aus startete er seine Erfolge in der Jazz-Welt. 1939 ging er für drei Jahre mit Fletcher Henderson auf Tour. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Boston, wo er ein festes Engagement im „Tic Toc Club“ hatte, stieß er zur Band von Sänger Billy Eckstine. Dies ermöglichte ihm, auch mit Jazz-Größen wie Miles Davis, Charlie Parker, Dizzy Gillespie oder Sarah Vaughan zu spielen.

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Art Blakey und die Jazz Messengers

Neuer Name: Abdullah Ibn Buhaina

1948 war dann ein sehr einschneidendes Jahr für Art Blakey. Er gönnte sich nach eigenen unbestätigten Aussagen einen Aufenthalt in Afrika, wo er seine Ursprünge kennen lernen wollte. Dort beschäftige der sich ausgiebig mit der Polyrhythmik der afrikanischen Trommler, was einen Entwicklungsprozess in ihm auslöste, der in seinem Drumming deutlich wiederzufinden ist.

Aber damit nicht genug, Afrika prägte ihn nicht nur musikalisch, sondern auch spirituell. Der Islam faszinierte ihn und zog ihn so sehr in seinen Bann, dass er zum Islam konvertierte und seinen alten Namen gegen Abdullah Ibn Buhaina eintauschte, was ihm den späteren Spitznamen „Bu“ einbrachte. Beflügelt von einem neuen Lebensgeist gründete er kurze Zeit später seine erste Formation der “Jazz Messengers”, eine 17-köpfige Bigband.

Die Jazz Messengers als Talentschmiede für aufstrebende Musiker

Die Band spielte einige Jahre zusammen. 1954 tat sich Abdullah aka Art Blakey mit dem Pianisten Horace Silver, Saxofonist Lou Donaldson, Trompeter Clifford Brown und Bassist Curly Russell zusammen und sie nahmen gemeinsam im Jazzclub “Birdland” die mittlerweile zum Klassiker gewordene Platte “A Night At Birdland” live für das Blue-Note-Label auf.

Von ihrer Zusammenarbeit sehr angetan beschlossen Blakey und Silver ein Quintett ins Leben zu rufen, die Jazz Messengers wurden in kleiner Besetzung wiederbelebt. Zwei Jahre später verließ Silver die Band, um sich mehr um seine eigene Karriere konzentrieren zu können, und übergab die volle Verantwortung der Jazz Messengers an Art Blakey.

Band-Mitglieder wie Clifford Brown, Hank Mobley, Jackie McLean rundeten in den ersten Jahren noch das Line-up der Combo ab, bis die Jazz Messengers zu einer Talentschmiede für aufstrebende Musiker wurde, die Ihresgleichen suchte. Unter anderem spielten in den 40 Jahren des Bestehens der Jazz Messengers Musiker wie Chuck Mangione, Donald Byrd, Johnny Griffin, Woody Shaw, Keith Jarrett, Wynton Marsalis und viele, viele mehr.

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1959-1965: Die goldenen Jahre der Jazz Messengers

1959 wurde der junge Saxofonist Benny Golson ein “Jazz Bote” und bekam von Art Blakey den Auftrag, eine neue Band für die Jazz Messengers zusammen zu stellen. Benny Golson holte Tenor – Saxofonist Wayne Shorter, Trompeter Lee Morgan, Pianist Bobby Timmons und Bassist Jymmie Merritt in die Band. Diese Konstellation aus hervorragenden Musikern wurde für die meisten die Jazz-Messengers-Formation schlechthin.

Die Aufnahmen zwischen 1959 und den frühen 60ern wurden zum Aushängeschild der Band. Darunter sind zum Beispiel Songs wie „Moanin‘“, „Along Came Betty“, „Blues March“ oder „Ping Pong“. Die Jazz Messenger avancierten im Laufe der frühen 60er-Jahre zu einem der angesagtesten Jazz-Acts überhaupt und sollten es bis zum Tod von Art Blakey im Jahre 1990 und darüber hinaus auch bleiben.

Der Sound der Jazz Messengers

Sie waren über all die Jahre gern gesehene Gäste auf den großen Bühnen der Jazz-Welt, nahmen zahlreiche Platten für das renommierte Blue-Note-Label auf und tourten durch die ganze Welt. Sie waren die erste Jazzband überhaupt, die in Japan für ein japanisches Publikum spielen durfte.

Diese Japan-Tour im Jahr 1960 war ein Highlight der Band-Geschichte. Schon bei der Ankunft der Band am Flughafen von Tokyo begrüßten hunderte Fans die Musiker, das japanische Fernsehen filmte den Empfang, und der Song „Blues March“ war im ganzen Flughafen über Lautsprecher zu hören.

Ein wichtiges Merkmal der Jazz Messengers ist, dass sie in all ihren Jahrzehnten allen neuen Strömungen des Jazz trotzten und bis zum Schluss ihrem ureigenen Sound treu blieben, welcher gerne dem Hard Bop oder dem straight ahead Jazz zugeordnet wird. Und dennoch oder gerade deswegen, waren sie immer ein Vorbild für heran wachsende Musiker und prägten den Klang des Jazz immer wieder entscheidend mit.

Tod und Vermächtnis für die Musikwelt

Am 16. Oktober 1990 verstarb Art Blakey, einer der wichtigsten Musiker des Jazz, im Alter von 71 Jahren in New York an Lungenkrebs. Sein Geist lebt in den Aufnahmen und der Botschaft der Jazz Messengers weiter, und bis heute können wir uns an seiner sehr dominanten verankerten Hi Hat auf der „2“ und der „4“ und seinen treibenden, im Gegensatz zum Bebop etwas ruhigeren und entspannteren, von Westafrika, Kuba und einem Hauch von Blues beeinflussten Rhythmen erfreuen.

Text: Timo Ickenroth