Billy Cobham

Schlagzeuger Billy Cobham ist eine Legende der amerikanischen Fusion-Jazz-Szene. Erfahre mehr über den Groove-Meister und klick dich durch unsere Themenseite!

 

Wer ist Billy Cobham?

Billy Cobham über Miles Davis, Jazz & Groove

Welches Equipment spielt Billy Cobham?

Billy Cobham Diskografie

Wer ist Billy Cobham?

Billy Cobham, geboren am 16. Mai 1944 in Colón, Panama, zog im Alter von 3 Jahren mit seiner Familie nach New York City. Hier machte er sein Schlagzeug-Diplom an der High School of Music and Art.

Schlagzeuger Billy Cobham ist eine Legende der amerikanischen Fusion-Jazz-Szene
Cobham ist ein Meister des High-End-Schlagzeugspiels, hat mit den Besten der Besten gespielt und unzählige Schlagzeuger beeinflusst.

Billy Cobham war neben Tony Williams tonangebender Leader von Fusion-Formationen gewesen. Der Trompeter Miles Davis holte sich den jungen Cobham zu den Musikgeschichte schreibenden „Bitches Brew“-Sessions ins Studio. Gitarrist John McLaughlins Mahavishnu Orchestra spielte mit dem Drummer die ebenfalls wegweisenden Scheiben „The Inner Mounting Flame“ und „Birds Of Fire“ ein.

Doch Billy Cobham profilierte sich ebenso schnell als Komponist und Leiter seiner eigenen Projekte: „Spectrum“ hieß das erste vielbeachtete Album, mit dem er seine Solokarriere startete. Auf dem Album waren u.a. Jan Hammer, Tommy Bolin und auch Leland Sklar zu hören.

Mit seiner Glass Menagerie oder auch der heutigen Billy Cobham Band hält er die Flamme der Fusion-Musik weiter hoch, doch auch Jazz-Aufnahmen beschäftigen den Drummer. Das zwischen den Stilen umherspringen ist für den alten Hasen Billy Cobham gar kein Problem.

Noch immer aktiv: Die Billy Cobham Band in Deutschland 2016

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Billy Cobham über Miles Davis, Fusion-Jazz & das Geheimnis des Groove

Die amerikanische Fusion-Jazz-Szene ist eines der spannendsten musikalischen Genres mit magischen Konzerten, spektakulären Line-ups und Tonträgern mit Kultstatus. Mit STICKS sprach Billy Cobhan über die legendäre amerikanische Fusion-Szene, magische Momente, seine Anfänge, Sessions, Arbeitsweisen und Grooves.

Was war der magischste Moment während deiner Zeit im Fusion-Jazz?

Billy Cobham: Eine Geschichte, die wirklich magisch war, geschah während der Proben mit Miles Davis in der 77th Street in New York, zum Album „A Tribute To Jack Johnson“. Ich schleppte mein Zeug eine enge Treppe hoch, schnaufte durch, guckte in die Runde und sah all diese Götter: John McLaughlin! Steve Grossman! Michael Henderson! Ich dachte: Ist das wahr?

Dann kam Miles und verteilte Noten, während ich mein Set aufbaute. Aber das waren keine Notenblätter! Darauf standen nur gekritzelte Folgen von Noten, keine Skalen, keine Takte, nichts! Einfach nur Noten, die wir ‚mal im Auge‘ behalten sollten, damit alle wüssten, wo’s ungefähr langgeht. Es war nichts ausnotiert! Ich dachte, ich träume!

Dann ging Miles raus und meinte, wir sollten uns bereitmachen und auf ihn warten. Michael Henderson flüsterte zu mir: „Übrigens, Billy, pass auf: Miles kann es nicht ausstehen, wenn zwischen den Aufnahmen herumgedudelt wird! Da flippt er total aus! Also sei einfach ruhig.“

Billy Cobham
Billy Cobham in Aktion

Miles kam, wir jammten ein Stück, dann war Pause, Miles ging wieder raus. Wir saßen da und warteten. Irgendwann fing McLaughlin an, ganz leise eine kleine Melodie zu spielen. Nach einiger Zeit stieg Henderson ein, eine Minute später alle anderen und wir hatten einen heißen Jam am Start. Miles riss die Tür auf – schlagartig waren alle ruhig und schauten unschuldig in die Luft. (lacht)

Er raunte: „Was zum Teufel macht ihr da?“ Tür zu. Schweigen. Drei Minuten später fing McLaughlin wieder ganz leise an – ba-dum, badum, ba-dum –, und es dauerte nicht lange und Henderson stieg dazu ein. Kurz darauf waren wir alle erneut in einem heißen Jam. Der einzige, der stocksteif und still blieb, war Steve Grossman.

Und wieder rauschte Miles rein, mit seiner riesigen Fliegensonnenbrille und fluchte, wir sollten gefälligst ruhig sein! Wir fühlten uns ein wenig wie ungezogene Kinder. Trotzdem: Eine Viertelstunde später fingen wir wieder an und diesmal rockten wir echt heavy! (lacht)

Im nächsten Moment stürzte Miles herein, rief „Rotlicht!“, und wir waren mitten in einer Aufnahme! (lacht) So etwas hatte ich noch nie erlebt! Alles, was zuvor geübt wurde, war belanglos. Miles wollte etwas ganz Spontanes einfangen. Und er hatte uns rangekriegt! (lacht) Was ursprünglich auf zwei Tage angesetzt war, passierte alles in zwei mal 25 Minuten. Album fertig!

Kommt noch besser: Vor der Session kam Herbie Hancock vorbei mit seinem neuen Album „Fat Albert Rotunda“, das er gerade für Warner Brothers eingespielt hatte, und wollte die Scheibe stolz Miles schenken. Aber der sagte nur in seiner typischen wortkargen Art zu Herbie: „Spiel!“ (lacht)

Herbie war völlig überrascht, aber Miles wusste genau, was er wollte: einen Piano-Player! Also holten sie ein völlig eingestaubtes Piano aus der Ecke, das offensichtlich seit Jahren nicht mehr gespielt und gestimmt worden war. Selbst einige Tasten gingen nicht. Und Herbie meinte völlig verzweifelt: „Hey, Miles, ich hab noch nie so ein Ding gespielt! Kann ich wenigstens kurz mal …“ – doch Miles schaute nur kurz zu ihm rüber und rief unmissverständlich: „Play!“ (lacht) Wenn du „A Tribute To Jack Johnson“ hörst, bemerkst du diese Piano-Einsprengsel, diese kryptischen kleinen Patterns. Das ist ein total eingeschüchterter Herbie Hancock! (lacht)

Mehr über seine Schlagzeug-Techniken erfährst du in dem Drumeo-Workshop von Cobham himself: 

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Wie muss man sich die kreative Atmosphäre jener Zeit zwischen 1969 und 1979 vorstellen?

Billy Cobham: Es war eine Zeit des Übergangs. Es herrschte ein musikalisches Vakuum. Wir in New York trafen uns zum Proben in Soho, im „Baggy’s“, in der Broome Street, Ecke Greene. In dem Haus war eine Menge los – auf jeder der fünf Etagen, in jedem Loft wurde Musik gemacht!

Dort hingen die angesagtesten Musiker ab, wie Wayne Shorter, Larry Coryell, die Jungs von Janis Joplins ehemaliger Band Big Brother And The Holding Company. Ich war meist mit meinem Kumpel, dem Bassisten Harvey Brooks, unterwegs und war wie alle auf der Suche nach dem heißen Scheiß von morgen.

Alle experimentierten herum, New York war ein Schmelztiegel! Eine Gedankenschule! Alle versuchten, sich selbst und einen heißen Sound zu finden. Jeder wollte eine heiße Band zusammenstellen, neue Dinge ausprobieren. Dave Holland kam nach New York, Alphonse Johnson, Jack DeJohnette, Miroslav Vitous, Joe Zawinul – alle spielten unzählige Gigs.

Diese Ära hat auch Maßstäbe gesetzt, stilistisch, spieltechnisch, auch was Sounds betrifft.

Billy Cobham: Wir haben ja auch viel gemacht! Ich war andauernd unterwegs, ständig auf Achse. Ich bin damals für 15 Cent ständig mit meinem Set im Bus durch die Stadt zur nächsten Probe gefahren. Ich hatte ein Set, das ich ineinander stapeln konnte und hatte dann nur noch einen kleinen Koffer mit Ständern und Cymbals. Das war praktisch. Allerdings habe ich immer im Bus immer alle Leute angerempelt: „Ooops! Tschuldigung! Oh, tut mir leid! Autsch! Tschuldigung!“ Es war nervig, aber auch großartig!

 

Hattet ihr damals Zeit, um euren eigenen Stil zu finden und zu entwickeln?

Billy Cobham: Es ist heute noch so: Eastcoast und Westcoast haben unterschiedliche Stile entwickelt. Die Jungs von der Ostküste hatten einen aggressiveren Stil. Die Jungs von der Westküste dagegen waren eher smooth drauf. Aber egal, ob New York oder L.A.: Diese ganze Fusion-Szene war grundsätzlich sehr intellektuell.

Dazu kamen die Cats aus Texas und die Jungs aus North Carolina. In St. Louis machten sie auch ihr eigenes Ding, in New Orleans ebenfalls. Und Chicago! Detroit! Nashville! Memphis! (lacht) Mann, all diese Städte waren Hot-Spots und haben tolle Musiker hervorgebracht.

Ich denke, diese unterschiedlichen Umfelder haben dazu geführt, dass wir unsere Stile entwickeln konnten, je nachdem, wo wir gelebt, wen wir getroffen und mit wem wir gespielt und abgehangen haben.

War dir damals klar, dass du Maßstäbe setzt, was Spiel und Sounds angeht?

Billy Cobham: Mir war das nicht klar. Ich hab einfach gespielt! Das kommt dir als Musiker auch gar nicht in den Sinn – es sei denn, du legst es genau darauf an. Aber dann ist es Sport und keine Musik mehr!

Hast du einen Lieblingsbassisten?

Billy Cobham: Ich bin gesegnet, mit so vielen guten Bassisten gespielt zu haben. Sie alle haben einen Platz in meinem Herzen. Mit so guten Musikern zu arbeiten ist ein Geschenk!

Worin liegt das Geheimnis eines guten Grooves?

Billy Cobham: In der Geduld.

Auch Persönlichkeit ist wichtig. Versuche, deine Seele zu erforschen. Versuche, dorthin zu kommen, was du mit deinem Spiel ausdrücken willst und wer du wirklich bist!

Jedes Pattern, das du spielst, solltest du eine Nanosekunde lang durchdenken, bevor du es spielst. Deswegen sind manche Musiker erfolgreicher als andere: Sie wissen genau, was sie in jeder Situation spielen wollen.

Um das besser zu verstehen, sage ich meinen Studenten, ihr könnt dieses Pattern so oder so spielen, dies sind die Möglichkeiten. Und danach spiele ich es, so wie ich es tun würde. Und dann erkennen sie den Unterschied.

Am Ende bitte ich sie, das Pattern auf ihre Art zu spielen. Sie sollen mir durch ihr Spiel sagen, wer sie sind. Und da sind die meisten ratlos. (lacht) Ich sage einem Schüler auch: Mach dir keine Sorgen wegen Fehlern, sie sind ist nur ein Blick in die Zukunft! Aber dafür brauchst du erst mal eine Vergangenheit. Also: Wer bist du?

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Welches Equipment spielt Billy Cobham?

Lange Zeit hat Cobham Yamaha Drums gespielt – 2014 ist er jedoch in die Tama-Familie zurückgekehrt. Hier spielt er ein Tama Star Drumset:

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Billy Cobham Diskografie

  • Miles Davis: Bitches Brew (1970)
  • Miles Davis: A Tribute To Jack Johnson (1970)
  • Dreams: Dreams (1970)
  • John McLaughlin: My Goals Beyond (1971)
  • Mahavishnu Orchestra: The Inner Mounting Flame (1971)
  • George Benson: White Rabbit (1972)
  • Mahavishnu Orchestra: Birds Of Fire (1973)
  • Billy Cobham: Spectrum (1973)
  • Billy Cobham & George Duke Band: Live On Tour In Europe (1976)
  • Stanley Clarke: School Days (1976)
  • Gil Evans: Live At The Public Theater (1981)
  • Bobby And The Midnites (1981)
  • Stanley Clarke, Larry Carlton, Billy Cobham, Najee: Live At The Greek (1994)
  • James Brown: Make It Funky: The Big Payback 1971 – 1975 (1996)
  • Jazz Is Dead: Blue Light Rain (1998)
  • Billy Cobham, Ron Carter, Kenny Baron: The Art Of Three (2001)
  • Billy Cobham: Drum’n’Voice – All That Groove (2001)
  • Billy Cobham: Palindrome (2010)

Hol dir den Sound von Billy Cobham zum Mitgrooven nach Hause! 

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