Gavin Harrison

Gavin Harrison zählt zu den einflussreichsten Schlagzeugern weltweit. Besonders durch seinen einzigartigen Sound und das Kreieren rhythmischer Illusionen ist Harrison in Drummer-Kreisen bereits zu einer lebenden Legende geworden.

Drummer Gavin Harrison hat in seiner Karriere mit vielen Künstlern und Bands wie Incognito, Level 42, Lisa Stansfield, Iggy Pop, Paul Young u.v.a. gearbeitet und ist zudem Drummer der englischen Progressive-Rock-Band Porcupine Tree.


>>>Inhaltsverzeichnis<<<

Gavin Harrison über …

… Ideenfindung

… das Geheimnis seines Grooves

… seinen Set-Aufbau

Gavin Harrisons Equipment

Gavin Harrison über Ideenfindung

Es hängt letzten Endes von deiner Persönlichkeit ab, also davon, ob du eben ein kreativer Mensch bist. Ich denke nicht, dass ich so der stereotype Schlagzeuger-Typ bin, ich gehöre nicht zu diesem Typus wie der Drummer der „Muppets Show“. Ich wäre wahrscheinlich als Trompeter besser geworden und ich denke so manchesmal auch eher wie ein Trompeter.

Beim Schlagzeugspielen denke ich eher in einer Art Cluster von Noten, und wenn ich ein Fill spiele, dann denke ich, dass ich vielleicht etwas hohes, leicht Schnelles und Spitzes spilen sollte. Ich denke auch wie ein Boxer … etwa an zufällig und beiläufig klingende Punches. Wenn also jemand sagt, okay, spiele ein zweitaktiges Fill, dann werde ich wahrscheinlich ein langweiliges Lick spielen. Wenn er jedoch sagt, spiel mal ein Fill auf der Snaredrum und dem Floor-Tom wie ein Boxer, dann wird das bestimmt ein gutes Fill-in, eben weil es mein Vorstellungsvermögen anspricht.

Gavin Harrison über das Geheimnis seines Grooves

Für mich bestand das Geheimnis von Groove darin zu versuchen, so zu klingen wie Jeff Porcaro, also zu versuchen beim Spielen laid back zu klingen. Für mein Gefühl haben die ganzen britischen Drummer der 70er Jahre meist „on the top of the beat“, also timemäßig weit vorne gespielt, irgendwie drängend.

Ich habe das gehasst, so wollte ich nicht klingen, eher wie Steve Gadd und Jeff Porcaro, ihr Spiel klang immer so, als würden sie hinter dem Beat spielen, ebenso John Bonham. Es lässt die Musik sich groß und voll anfühlen, wenn du dich beim Spielen von der Time her etwas zurücklehnst. Deshalb habe ich eine Menge Zeit damit verbracht, diese Art in mein Spiel zu integrieren.

Das widerspricht eigentlich der Idee der Leute, die sich für gewöhnlich mit ungeraden Taktarten beschäftigen, das sind meist keine Drummer, die dazu tendieren groovy zu spielen. Schon als ich jung war, wurde mir klar, dass es im Prinzip zwei Arten von Drummern gibt, die einen, die wirklich einen großartigen Groove spielen können, jedoch nur langweilige Fills. Und die anderen, die zwar fantastische Fills und Soli spielen, jedoch keinen Groove. Und ich dachte mir, dass es doch nett sein müsste, wenn du diese beiden Fähigkeiten zusammenführen könntest.

Wonach ich letztendlich jedoch strebe ist es, den Groove zu spielen, das ist meine Leidenschaft, eine Art instinktives Gefühl, einfach das Wesentliche. Es gibt eben eine Menge Dinge, die du ausdrückst einfach durch die Art der Dynamik beim Spielen, der Sounds, die du auswählst, durch die Art und Weise, wie du die Trommeln anschlägst, und die Platzierung der Schläge, ob du sie leicht vor oder nach dem Beat setzt.

Einfach einen Groove zu spielen mit der Bassrum auf der „1“ und der „3“, der Snaredrum auf der „2“ und der „4“ sowie durchlaufende Achtelnoten auf der Hi-Hat … das ist wie eine DNA! Keine zwei Leute werden das gleich spielen! Damit kannst du wirklich eine Menge sagen, wenn du Steve Gadd, Jeff Porcaro oder John Robinson hörst, wie sie diesen Groove spielen, dann weißt du einfach, dass sie es sind, dazu reicht ein Takt aus.

Ich denke, dass leider eine Menge der jungen Drummer über diese Dinge nicht nachdenken, sie sind wahrscheinlich von Jeff Porcaro völlig unbeeindruckt und denken, dass das Härteste wohl ist, den Groove von „Rosanna“ zu spielen. Den irgendwie technisch hinzukriegen, dazu braucht es nicht allzu lange, es braucht hingegen ein Leben lang, um ihn so spielen zu können, dass er sich wirklich gut anfühlt! Das ist eine große Lektion! Wenn du jung bist, dann kannst du meist nicht unterscheiden, ob etwas wirklich großartig klingt oder ob etwas lediglich richtig im Sinne einer richtigen Reihenfolge der Anschläge gespielt wird.

Gavin Harrison über seinen Set-Aufbau

Ich spiele im Prinzip in den letzten 25 Jahren das gleiche Setup. Ich sitze recht tief, ich mag es vom Gefühl her mehr, hinter den Drums statt über den Drums zu sitzen. Ich wechsle schon mal die Snaredrum oder verändere die Stimmung, es ist jedoch für mich nicht notwendig die einzelnen Trommeln vom Aufbau her zu verändern. Obwohl, wenn ich am Drumset eines anderen sitze, dann spiele ich schon einmal Dinge, die ich bis dahin noch nie in meinem Leben gespielt habe.

Das kann natürlich sehr interessant sein, ich meine, ich könnte das natürlich auch an meinem Schlagzeug spielen, mir würde das dort aber überhaupt nicht einfallen. Das ist auch so, wenn ich „open handed“ spiele, wenn ich also mit meiner linken Hand führe, dann bekomme ich einfach andere Ideen und ich denke dann oft: Warum bin ich da nicht schon vorher drauf gekommen? (lacht)

Letztendlich ist es nicht wirklich entscheidend, welches Schlagzeug und welche Cymabals du spielst. Es ist natürlich schon dahingehend bedeutend, weil du ja damit deinen Sound kreierst, es ist jedoch nicht so wichtig, wie dass du eine gute Idee hast. Du kannst einem Drummer, der keine Ideen hat, das tollste Drumset hinstellen, es wird einfach nur schrecklich sein. Hingegen wird ein Typ mit tollen Ideen auch an einem schlechten und heruntergekommenen Drumset großartig klingen. Ich habe versucht die Art, wie ich über das Schlagzeugspielen denke, dahingehend zu verändern, dass ich dabei mehr meinen Geist als meine Muskeln benutze, mehr meine Seele und mein Herz einsetze.

Mir ist klar geworden, dass es wichtig ist, die ganzen Ängste mal loszulassen, mich nicht darüber zu sorgen, dass ich vielleicht mal nicht so gut klinge und auch mal über Fehler zu lachen. Ich habe auch heute beim Spielen einige Fehler gemacht, aber ich kann darüber lachen. Ich könnte diese Show sicherlich auch perfekt spielen, aber – auch wenn es gut wäre – würde dann sicherlich die Magie fehlen. Ich mache lieber ein paar Fehler, wenn ich dafür zeitweise die Magie einfangen kann. Denn es ist doch die größte Belohnung, die du bekommen kannst, wenn du etwas spielen kannst, was du noch nie zuvor so gemacht hast: Wow, das war klasse, was war das denn? Ein unglaubliches Gefühl!

Gavin Harrisons Equipment

Drums (Sonor SQ2 Tribal Finish):

  • 22″ x 17″ Bassdrum
  • 8″ x 7″ Rack-Tom
  • 10″ x 8″ Rack-Tom
  • 12″ x 9″ Rack-Tom
  • 15″ x 23″ Floor-Tom
  • 16″ x 14″ Floor-Tom
  • 14″ x 5″ Birch Snaredrum (6 ply)
  • 12″ x 6″ Maple Snaredrum (6 ply)

Cymbals (Zildjian):

  • 22″ Swish Knocker (ohne Nieten)
  • 16″ Oriental China Trash
  • fünf Custom Bell Chimes
  • 13″ K Hi-Hats
  • 18″ K Crash
  • 7″ Custom Crash Bell
  • 9″ Custom Crash Bell
  • 15″ A Custom Crash
  • 20″ K Ride
  • 18″ A Custom Crash
  • 12″ Oriental China Trash
  • 18″ Z Custom China

Hardware:

  • Sonor 600 Serie
  • Pearl ICON Rack-System Pedale: Axis Longboard Double Bassdrum Pedal
  • Sonor 600 Hi-Hat mit Tama Cobra Clutch

Sonstige:

  • Felle: Remo
  • Toms: Vintage Emperor coated/Ambassador clear
  • Bassdrum: Powerstroke 3 clear/Standard Sonor (Powerstroke 3 black)
  • Snaresdrums: CS Snare/Ambassador Snare
  • Snareteppiche: div. Puresound-Modelle
  • Sticks: Vic Firth Vic Grip Rock (Hickory)