Gene Hoglan

Eugene Victor “Gene” Hoglan II gehört zu den wichtigsten und meistgeachteten Heavy-Metal-Schlagzeugern Amerikas. Sein technisch tadelloses Spiel, das gespickt ist mit zahlreichen Breaks, komplexen Patterns und interessanten Grooves, zeichnet sich immer wieder vor allem durch seine atemberaubende Geschwindigkeit aus. Gene Hoglans unglaubliche Genauigkeit und sein absolut präzises Drumming haben ihm den Spitznamen „The Atomic Clock“ (die Atomuhr) eingebracht.

Mit Bands wie Testament und Death wurde er zur Kultfigur, und bis 2007 trommelte er bei Strapping Young Lad, einer Band, die neben Genes rhythmischen Extravaganzen speziell von den genialen Fähigkeiten ihres Leaders Devin Townsend lebte. Gene Hoglan fand schon immer die Zeit, sich parallel in mehreren Projekten und Bands zu engagieren. So ist er derzeit neben Dark Angel und Testament bei vier weiteren Bands Mitglied (Mechanism, Meldrum, Zimmers Hole und Pitch Black Forecast).

Gene Hoglan spielt Schlagzeug
Drummer Gene Hoglan in action (© Hans König)

>>> Inhaltsverzeichnis <<<

Wer ist Gene Hoglan? – Biografie

Interview: Gene Hoglan über sein erstes Drumkit, seine größten Stärken und den Unterschied zwischen Testament und Death

Gene Hoglas Equipment bei SYL

Diskografie

Wer ist Gene Hoglan? – Biografie

Geboren wurde Gene Hoglan am 31. August 1967 in Dallas, Texas. Seine Karriere im Musikbusiness begann er 1984 als Roadie für die Thrash Metal-Gladiatoren Slayer, bei denen er nicht nur hinter den Kulissen schuftete, sondern auch während der Soundchecks das Schlagzeug persönlich bediente.

Im Herbst 1984 bekam er seinen ersten professionellen Musikerjob bei den Schwermetallern Dark Angel, für die er sowohl trommelte als auch die Texte der meisten Stücke auf den Scheiben „Darkness Descends“ (1986), „Leave Scars“ (1989) und „Time Does Not Heal“ (1991) schrieb. Zwischenzeitlich entstand das Bühnenwerk „Live Scars“ (1990), auf dem seine fabelhaften Fertigkeiten als Bühnenmusiker zu bewundern sind.

1992 verließ Hoglan die Gruppe und tauchte wenig später bei der Band Death wieder auf. Durch die Hinwendung von Death in eine progressivere Direktive, die Bandleader Chuck Schuldiner seiner Truppe verordnete, kam Hoglan Mitte der Neunziger zu Ruhm und Ehren. Dadurch wurden auch die Kollegen von Testament auf ihn aufmerksam und verpflichteten das Ausnahmetalent für die Vorbereitungen zu den Aufnahmen der Scheibe „Demonic“ (1997).

In dieser Phase intensivierte Hoglan ebenso seine langjährige Freundschaft zu Sänger Devin Townsend, der in den Neunzigern als Frontmann und Gitarrist mit Steve Vai weltweit getourt hatte und ihn nicht nur auf seinen Soloscheiben zu Hilfe holte, sondern ihn auch zum festen Mitglied der Speed/Industrial/Death Metal-Band Strapping Young Lad machte.

Metal-Schlagzeuger Gene Hoglan
Metal-Schlagzeuger Gene Hoglan

Wenn ihm der Terminkalender der „Young Lads“ die Zeit ließ, spielte Hoglan auch in der Death Metal-Formation Tenet, die von den Ideen des Strapping Young Lad-Gitarristen Jed Simon lebt. Gene Hoglan ist ein ungemein vielseitiger und fleißiger Musiker, der gerne und regelmäßig auch bei anderen Gruppen aushilft. Mit der norwegischen Black Metal-Band Old Man’s Child hat er ebenso bereits im Studio gearbeitet wie mit der dänischen Metal-Formation Daemon.

Im Jahre 2004 ersetzte Hoglan zudem bei den grandiosen Progressive Death-Metallern Opeth den etatmäßigen Drummer Martin Lopez bei einem Konzert im kanadischen Vancouver und kehrte ein Jahr später noch einmal während der „Sounds Of The Underground“-Welttournee zu Opeth zurück, nachdem Lopez erneut wegen anhaltender Panikattacken pausieren musste.

Für Gene Hoglan bedeutete dies Abend für Abend eine doppelte Belastung, spielte er doch zunächst im Vorprogramm mit Strapping Young Lad, um nach einer kurzen Umbaupause das komplette Set mit Opeth zu trommeln. Der Amerikaner ist übrigens auch auf Opeths Videoclip „The Grand Conjuration“ zu sehen, der während der Tour in Los Angeles gedreht wurde.

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Interview: Gene Hoglan über sein erstes Drumkit, seine größten Stärken und den Unterschied zwischen Testament und Death

Gene, bitte erzähle den Lesern etwas über deine musikalische Sozialisation. Wo und wie bist du aufgewachsen. Stammst du aus einer musikalisch orientierten Familie? Welche Art von Musik hast du als Jugendlicher bevorzugt?

Ich wurde zwar in Dallas geboren, aufgewachsen bin ich allerdings in Südkalifornien. Als Kind reiste ich sehr viel in Amerika herum, möglicherweise kommt daher auch meine große Wanderlust, die mich noch heute regelmäßig befällt. Meine Familie war immer schon sehr stark an Kunst interessiert, ich denke, dass ich von meinen Eltern den guten Musikgeschmack übertragen bekommen habe.

Meine Familie weihte mich schon früh in die Geheimnisse von Doo Wop und Soul ein, meine Schwester brachte mich anschließend zum Rock’n’Roll. Ich liebte vor allem den Radiopop der Siebziger Jahre. Ich war total begeistert von Kiss, Queen, Angel, Cheap Trick, Aerosmith, Van Halen, Ted Nugent. Anschließend kamen Black Sabbath, Judas Priest und Iron Maiden.

Dann folgte Hell, als totaler Metal, gemischt mit einer ebenfalls sehr intensiven Vorliebe für alles, was mit Metal nichts zu tun hatte, sprich: Stevie Wonder, Kate Bush, Marvin Gaye, Gino Vannelli, Soundtracks, Broadway-Musicals, vor allem „Jesus Christ Superstar“. Jahrelang war ich auch stark an Punkrock interessiert.

Kannst du dich noch an die ersten Scheiben erinnern, die du dir gekauft hast? Und was waren die ersten Konzerte, die du besucht hast?

Meine Eltern erzählen mir oft über eine Zeit, in der ich gerade mal zweieinhalb Jahre alt war und sie inständig darum bat, mir die Santana-Scheibe „No One To Depend On“, also die B-Seite der Single „Taboo“ vom Album „Santana III“ (aus dem Jahr 1971, Anm. d. Verf.) zu kaufen. Ich finde noch heute, dass dies ein echter Klassiker ist. Wenn man also mit einem außergewöhnlich guten Musikgeschmack gesegnet ist, sollte man ihn auch nutzen, oder?

Mein erstes Album, das ich als kleiner Junge geschenkt bekam, war „Endless Summer“, eine etwas skurrile Compilation mit Singles von den Beach Boys. Danach bekam ich das Album „Spirit Of America“ geschenkt, eine weitere Compilation der Beach Boys. Das erste Album, das ich mir von meinem eigenen Geld kaufte, war „Destroyer“ von Kiss. Damals war es die aktuelle Scheibe der Band und ich restlos begeistert.

Die erste Rockshow meines Lebens besuchte ich am 5. März 1977: Queen und Thin Lizzy! Ich war damals gerade erst neun Jahre alt und war total beeindruckt. Dieses Konzert flutete geradezu meine Sinne. Noch bevor ich elf Jahre alt war ging zu zahlreichen weiteren Konzerten. Ehrlich gesagt, ich weiß heute nicht mehr, welche Bands ich in dieser Zeit sah, aber es waren allesamt beeindruckende Erlebnisse.

Mit zwölf oder dreizehn hing ich dann oft in den Clubs von Los Angeles herum und war neugierig auf alles, was da kam. Ich sah wohl so ziemlich jede damals aktive LA-Band, die in den Clubs spielte. Die beste von allen war diese unglaubliche Killer-Formation namens A La Carte. Wow! Ich weiß noch heute nicht, weshalb diese phantastischen Jungs niemals den Durchbruch geschafft haben. Dann kamen Slayer, die alles andere niederwalzten. Ich war schon immer ein riesiger Fan der Rock’n’Roll-Ära und all jener Subgenres der Musikgeschichte, die aus dem puren Rock’n’Roll entstanden sind. Ich bin ein echter Rock’n’Roll-Maniac.

Wie und wann bist du mit dem Schlagzeug in Kontakt gekommen? Und wann hast du dich entscheiden, selbst zu trommeln?

Ich war als Kind ein wahrer Luft-Drumming-Hexer, ein echter Weltmeister im simulieren! Ich konnte zu wirklich jedem Song Air-Drummen, deshalb war es wie eine Erfüllung für mich, als ich dann das erste Mal auf Kübel und Tonnen schlagen durfte. Mit elf Jahren war ich mir bereits sicher, dass ich irgendwann einmal Schlagzeuger in einer Rockband sein würde. Und ich wusste schon sehr früh, dass ich Profimusiker werden wollte.

Wer hat dir dein erstes Drumkit gekauft? Kannst du dich noch an den Hersteller erinnern und an den Preis des Sets?

Meine Eltern kauften mir irgendein Slingerland-Kit, die genaue Typenbezeichnung weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass es 600 Dollar kostete und von einem Freund meiner Schwester stammte, der übrigens zufälligerweise später mit seiner Band Headliner eines Konzertes war, bei dem ich zum allerersten Mal Slayer sah. Das Kit hatte ein sonderbares Chrom-Finish und eine 26″ Kickdrum. Ich dachte, das sei normal, dass ein Kit eine dermaßen riesige Bassdrum besitzt. Allerdings zertrümmerte ich auch die schon in relativ kurzer Zeit.

Hattest du jemals Schlagzeugunterricht? Wer brachte dir die ersten Grooves und Patterns bei?

Ehrlich gesagt hatte ich niemals Schlagzeugunterricht. Die meisten Sachen brachte ich mir selbst bei oder schaute sie mir bei anderen Drummern ab. Meistens schrieb ich mir Patterns auf, von denen ich dachte, dass sie der jeweilige Schlagzeuger bei einem entsprechenden Song hätte spielen sollen. Ich hörte mir das Stück genau an und kritzelte dann meine Vorstellungen des perfekten Drummings auf ein Stück Papier.

Drummer Gene Hoglan sitzt am Schlagzeug
Mit Testament und Death wurde er zur Kultfigur: Gene Hoglan (© Hans König)

Wann hattest du deine erste richtige Band?

Ich war gerade mal fünfzehn, als ich in eine Band namens Dark Angel einstieg. Zwei Jahre später wechselte ich zu einer Gruppe, die vollkommen andere Musik als Dark Angel machte. Ich war an der Highschool und stand total auf einen möglichst brutalen Heavy Metal, beziehungsweise das, was wir damals für besonders brutal hielten. Die Gruppe hielt nur vier Proben lang, dann stieß ich zu WarGod, bei der Michelle Meldrum an der Gitarre war. Michelle war damals gerade vierzehn, ich zwei Jahre älter. Einige Aufnahmen aus dieser Zeit kann man auf einigen ihrer alten Compilations finden.

Wenn du deine Zeit bei Bands wie Testament, Death, Dark Angel oder Old Man’s Child charakterisierst: Gibt es signifikante Unterschiede?

Ja, natürlich. Zu Testament ging ich, um mit dem großartigen Chuck Billy zu arbeiten. Chuck ist auch heute noch der einzige Typ, der mich mit seinen Fähigkeiten einschüchtern kann. „Demonic“ war mein erster richtiger Kontakt zum großen Business des Landes. Bis dahin war ich lediglich in diese kleinen Thrash-Bands involviert gewesen.

Ehrlich gesagt war ich auf diese Seite der Medaille überhaupt nicht vorbereitet. Trotzdem gefiel mir die Art, wie die Scheibe dann auf den Markt kam. Ich versuchte, so gut es irgendwie ging, der Session-Drummer der Scheibe zu sein. Motto: „Ich versuche euch zufrieden zu stellen. Ich spiele alles, was immer auch von mir verlangt.“ Das ist die Art, wie Session-Drumming grundsätzlich funktioniert. Bei Death wurde ich wieder ein eigenständiger Vollblutschlagzeuger.

Und Dark Angel? Wie soll ich meine ersten acht Jahre als junger Schlagzeuger zusammenfassen? Ich lernte, was man in einer Band macht und was man lieber sein lassen sollte! Mein Resümee für Old Man´s Child fällt durchweg positiv aus: Es war eine kurze, außerordentlich positive und sehr ereignisreiche Zeit. In Stockholm gab es ein Studio mit dem besten Pizza-Lieferservice, den man sich vorstellen kann.

Wie bist du zu dem Job bei Strapping Young Lad gekommen?

Ich traf die Jungs bei einem Konzert von Iron Maiden. Ich mochte ihre Musik, sie mochten mein Schlagzeugspiel, alles weitere war schnell abgemachte Sache. So einfach läuft das mitunter.

Wie würdest du dich selbst als Schlagzeuger charakterisieren? Was hältst du für deine größte Stärke, was für deine typischen Stilmittel? Welche Art von Songs bevorzugst du generell beim Drumming?

Es ist natürlich nicht immer ganz einfach, sich selbst zu beschreiben. Aber gut, ich versuchs zumindest: Ich würde meinen Stil mal vorsichtig als „wunderbar grotesk“ charakterisieren. Meine größte Stärke? Nun, ich glaube, ich bin in der Lage, zu jeder Art von Musik zu trommeln. Und ich bin dabei in der Lage, das zu transportieren, was der Song benötigt. Ich bin selbstbewusst genug, um zu sagen: Hey, schaut mir zu, ich bin Gene Hoglan! Und zu guter Letzt: Welche Songs bevorzuge ich? Ganz einfach: Gute Songs, egal ob heavy oder nicht. Ich liebe einfach gute Songs!

Wie bereitest du dich auf eine Tournee vor? Wie lernst du das Material und wie stellst du sicher, dass du auch wirklich in einer physisch guten Konstitution bist?

Ich mag es, gut vorbereitet zu sein. Schlagzeugproben sind wie Training für ein sportliches Großereignis. Und genau dieses ist es ja im Grunde genommen auch, wenn man brutalen Metal spielt. Man kann das durchaus mit einem Marathonlauf vergleichen, bei dem man unentwegt schreit. So jedenfalls hat es mal Brett von Dark Angel beschrieben. Und ich denke, diese Beschreibung gilt heute genauso gut wie früher.

Text: Matthias Mineur (aus Sticks 09/2006)

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Gene Hoglans Equipment bei SYL

Drums (Pearl):

  • Masters Custom
  • Natural Maple Finish
  • 22″ x 16″ Bassdrum
  • 13″ x 11″ Tom
  • 14″ x 12″ Tom
  • 16″ x 16″ Floor-Tom
  • 14″ x 5,5″ Snaredrum
Das Schlagzeug von Gene Hoglan
Das Drumkit von Gene Hoglan auf der Strapping Young Lad Europa-Tour 2006 (© Hans König)

Cymbals (Sabian):

  • 14″ AA Xcelerator Hi-Hats
  • 22″ HH Power Bell Ride (2x)
  • 18″ HHX Stage Crash
  • 18″ HHX Studio Crash
  • 18″ AAX Stage Crash
  • 18″ AAX Chinese
  • 20″ AAX Chinese

Hardware:

  • Pearl 2000er Serie

Pedale:

  • Pearl H-2000 Eliminator Hi-Hat
  • Tama Camco Bassdrum-Pedale mit Danmar „Red Beater“ Holzschlägeln

Sticks:

  • promark 2B

Elektronik:

  • Alesis DM5 Soundmodul
  • Alesis DMPro Soundmodul
  • ddrum Pro Trigger

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Diskografie

mit Dark Angel:

  • Darkness Descends (1986)
  • Leave Scars (1989)
  • Live Scars (1990)
  • Time Does Not Heal (1991)

mit Death:

  • Individual Thought Patterns (1993)
  • Symbolic (1995)

mit Devin Townsend:

  • Infinity (1998)
  • Christeen (1998)
  • Physicist (2000)
  • Terria (2001)

mit Strapping Young Lad:

  • City (1997)
  • No Sleep Till Bedtime (1998)
  • SYL (2003)
  • For Those Aboot To Rock (DVD) (2004)
  • Alien (2005)
  • The New Black (2006)

mit Testament:

  • Demonic (1997)
  • Dark Roots of Earth (2012)

mit Dethklok:

  • The Dethalbum (2007)
  • Dethalbum II (2009)
  • Dethalbum III (2012)

mit Meldrum:

  • Blowin’ up the Machine (2007)
  • Lifer (2012)

mit Anderen:

  • Naphobia – Of Hell (1995)
  • Old Man’s Child – Ill-Natured Spiritual Invasion (1998)
  • The Almighty Punchdrunk – Music For Them Asses (1999)
  • Just Cause – Finger It Out (2001)
  • Frygirl – Someone Please Kill Me (Congas) (2001)
  • Daemon – Eye For An Eye (2002)
  • Ani Kyd – Evil Needs Candy Too (2005)
  • Zimmers Hole: When You Were Shouting at the Devil… We Were in League with Satan (2008)
  • Pitch Black Forecast: Absentee (2008)
  • Mechanism: Inspired Horrific (2008)
  • Tenet: Sovereign (2009)
  • Fear Factory: Mechanize (2010)
  • Brendon Small: Brendon Small’s Galaktikon (2012)