Ginger Baker

Stilanalyse, Biografie & Playalongs: Erfahre alles über den legendären Schlagzeuger und Cream-Gründer Ginger Baker!

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Ginger Baker Biografie

Ginger Baker: Zwischen Genie und Wahnsinn

Der Drumstil von Ginger Baker in White Room

Stephan Rudolph über seine Freundschaft mit Ginger Baker

Ginger Baker Diskografie

Ginger Baker Biografie

Ginger Baker, geboren 1939 in London, wechselte nach anfänglichem Klavier- und Trompetenspiel bald zu den Drums und spielte ab 1955 in der professionellen Dixieband des Klarinettisten Mr. Acker Bilk.

Ginger Baker
(Bild: Zoran Veselinovic/Wikipedia)

1962 folgte er Charlie Watts als Schlagzeuger in Alexis Korners Band Blues Incorporated, kurze Zeit später wechselte er zur Graham Bond Organisation, wo er den Sänger und Bassisten Jack Bruce kennen lernte, mit dem er 1966 zusammen mit Eric Clapton die legendäre Band Cream gründete.

In dieser Formation, die in den späten sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts als absolute Supergruppe galt, spielten erstmals in der Pop- Geschichte alle drei Instrumente – Gitarre, Bass, Schlagzeug – gleichberechtigt nebeneinander, mit bis dahin ungehörten langen Soli.

In der kurzen Zeit ihres Bestehens nahm die Band die LPs „Fresh Cream“ (1966), „Disraeli Gears“ (1967), „Wheels Of Fire” (1968) sowie „Goodbye Cream“ auf, welche kurz nach der plötzlichen Auflösung des Trios 1969 erschien. Mit „Live Cream“ folgte ein Jahr später noch ein Nachzügler mit weiteren Aufnahmen aus dem zum Teil bereits aus „Wheels Of Fire“ veröffentlichten Konzerts.

Im Mai 2005 kam es in der Londoner Royal Albert Hall zu den lang ersehnten Reunion-Konzerten, bei dem Cream in Originalbesetzung ihr damaliges Repertoire präsentierte:

Legendärer Auftritt im Rockpalast: Ginger Baker, Gary Moore und Jack Bruce:

https://www.youtube.com/watch?v=J0esLF_z8qg&t=3s

Zu den Vorbildern von Ginger zählen übrigens Max Roach, Art Blakey und auch Elvin Jones.

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Ginger Baker: Zwischen Genie und Wahnsinn

Ginger Baker ist in der Szene als „schwierig“ bekannt, mit ihm ist nicht immer gut Kirschen essen. So ist Ginger bei einem Fotoshooting für Ludwig in einem Pferdestall („Ludwig Stable of Stars“-Poster) mit einer Mistgabel auf den Fotografen losgegangen, weil ihm alles zu lange gedauert hat. Bobby Rondinelli hat er seine Drumsticks ins Kreuz gehauen, als dieser ihm beim Aufbauen seines Kits helfen wollte. Man nennt Baker auch den Teufelsschlagzeuger.

Der Regisseur Jay Bulger hat über den schwierigen Charakter und die Menschen im Leben von Baker einen sehenswerten Dokumentarfilm namens “Beware of Mr. Baker” gedreht:

https://www.youtube.com/watch?v=jxWDQ-otM2w

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Der Drumstil von Ginger Baker in White Room

Wenn eine Band nur zwei Jahre besteht und vier Alben veröffentlicht, hinterlässt sie in der Geschichte der Rock-Musik für gewöhnlich keine wirklich nachhaltigen Spuren. Bei Cream war das aber ganz anders. Das Power-Trio, bestehend aus Eric Clapton (Gitarre, Gesang), Jack Bruce (Bass, Gesang) und dem Schlagzeuger Ginger Baker, gilt heute als der Prototyp der Supergroup.

Das Video zeigt den einmaligen Sound von Groove-Meister Ginger Baker:

Im Juli 1967 begannen die Musiker mit ihrem Produzenten Felix Pappalardi, der später als Bassist der US-Hard-Rock-Band Mountain in Erscheinung trat, mit den Aufnahmen für das dritte Cream-Album „Wheels Of Fire“, eine Doppel-LP, die Studio-Tracks und Live-Mitschnitte kombinierte. Jack Bruce hatte zusammen mit dem Dichter Pete Brown einen wunderbaren Song geschrieben, welcher der Opener-Track werden sollte: „White Room“.

Drummer Ginger Baker interpretiert diesen Song mit der ihm eigenen, unnachahmlichen Art. Um diese Spielweise etwas zu verdeutlichen, habe ich den Schlagzeug-Part – nach einem einleitenden, im 5/4-Takt auf Pauken gespielten Intro – während der anschließend im 4/4-Takt gespielten ersten vier A-Teile sowie den ersten B-Teil ausnotiert. Die Hi-Hat läuft bei diesem Groove basismäßig in 1/8- Noten durch, der Snaredrum-Backbeat wird konventionell auf den Zählzeiten „2“ und „4“ platziert, auch die 1/8-Bassdrum-Akzente sind im Prinzip nichts Besonderes.

Bei einem Reunion Auftritt 2005 spielten Baker, Bruce und Clapton den Song:

Das Eigentümliche von Ginger Bakers Schlagzeugspiel ist seine Art des dynamischen Spiels sowie seine Auffassung von Rhythmik, die mit dem heutigen „Click“-Denken wenig zu tun hat. Diese Dinge lassen sich naturgemäß nicht wirklich notieren, den Zugang findet man nur über das Zuhören selbst.

Achtet z. B. einmal auf die unterschiedlichen Lautstärken einzelner Bassdrum-Schläge, so wie in den Takten 2 und 3 des ersten A-Teils notiert. Oder auf das Einsetzen diverser Snaredrum-Ghost-Notes als „Buzz“-Effekt oder die das eine Mal eher binäre, ein anderes Mal eher ternäre Interpretation der notierten 1/16-Noten bei den verschiedenen Fills. Insgesamt spielt Ginger äußerst musikalisch und songdienlich und bestimmt damit entscheidend die Song-Charakteristik.

—> Hol dir den PLAY ALONG zu dem Cream-Song! <—

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Stephan Rudolph über seine Freundschaft mit Ginger Baker

Ich war totaler Fan! Ginger spielte damals bei Hawkwind, die bei Bronze Records unter Vertrag waren. Ich rief einfach bei der Plattenfirma an, und die gaben mir dann die Telefonnummer von seinem Manager namens Roy Ward.

Ich fragte, ob er mir Kontakt zu Mr. Baker verschaffen könne, er wäre mein absolutes Idol, und ich möchte ihn nicht nur treffen, sondern Schlagzeugunterricht von ihm erhalten. Einen Tag später erhielt ich einen Rückruf, ich könne vorbeikommen. Eigentlich unvorstellbar, heute. Ich habe dann mein ganzes Erspartes zusammengekratzt und bin nach England gefahren.

Ginger hatte in London ein Studio gemietet, übrigens ganz in der Nähe von Shepherds Bush, wo die Zildjian Awards im Dezember 2008 stattfanden. Im Raum daneben probte der Sohn von Pete Townshend mit seiner Band. Ginger war sehr freundlich, wahrscheinlich auch weil er merkte, dass ich ihn total anhimmelte.

Also pilgerte ich tagtäglich dort hin und erhielt Intensivunterricht, bis meine Kohle aufgebraucht war. Ich weiß gar nicht mehr, was er für eine Stunde verlangt hat. Die ersten paar Einheiten habe ich bezahlt, dann wollte er auf einmal kein Geld mehr von mir haben. Der Kontakt blieb bestehen, und ich fuhr insgesamt sechsmal zum Unterricht nach England.

Das war Anfang der 80er, so 1982 müsste das gewesen sein. Später zog Ginger aus steuerlichen Gründen nach Italien, in die schöne Toskana und versuchte sich als Olivenzüchter. In Italien war ich achtmal, habe auch meine Freundin mitgenommen, denn so konnte man Urlaub und Trommelfortbildung bestens miteinander verbinden.

Die ganzen Musiker der damaligen Gruppe Baker & Band lebten auch alle auf dem alten Gehöft, so war immer was los im Gemäuer. Das war schon beeindruckend damals, wie alle Musiker zusammen auf der Farm gelebt und geprobt haben. Ginger nahm auch meine damalige Band Cake, ein klassisches Powertrio, zweimal als Vorprogramm mit auf Deutschlandtour.

Das war natürlich gigantisch für uns, wir waren alle so Anfang Zwanzig, und der Rockstartraum war noch nicht ausgeträumt. Mitte der 80er zog es Ginger nach Amerika, nach Santa Barbara in Kalifornien, um genauer zu sein. Zu der Zeit habe ich noch ein paar Mal mit ihm telefoniert, und er trennte sich auch von seinem Manager, Ginger hat es ja nie allzu lange mit seinen Kollegen ausgehalten.

Adrian Gurvitz von der Baker Gurvitz Army erzählte mir einmal, dass Ginger es eine Zeit lang pflegte, eine Partie Polo zu spielen, bevor er auf die Bühne ging. Nun ist Polo ein harter Sport auf dem Rücken der Pferde, und bei einem Konzert auf einer US-Tournee hatte der Drummer dermaßen Schmerzen im Hinterteil, dass er nach einer Viertelstunde vom Sitz aufsprang und fluchend einfach den Gig abbrach.

Ginger konnte auch ein wahrer Tyrann sein. In Italien hatte er mal Zahnschmerzen, da ließ er seine üble Laune an seinem Gitarristen Doug aus, der später mal mit Thin Lizzy spielte. Ich bot ihm meine Schmerztabletten aus dem Reisegepäck an, und er spülte sofort die ganze Packung mit einer Flasche Wein runter, dann ging es ihm besser.

Ginger war nie einfach, und ich bin froh, dass er mich so gut leiden konnte, doch mit ihm zusammenzuarbeiten hieß immer, sich auf unvorhergesehene Zwischenfälle einzustellen. Wir haben auch mal in Ludwigsburg gespielt, in einem Club namens „Metropol“ und da kam Jack Bruce, der damals in Nellingen wohnte, auf den Gig.

Herr Baker schmiss sofort seinen Bassisten von der Bühne, um dann mit Jack einige Cream-Klassiker zu spielen. Das Publikum hat’s gefreut, den Bassmann hat’s ziemlich angekotzt. Wir hatten damals für eine deutsche Band glänzende Kontakte, waren zum Aufnehmen in Manchester in den Strawberry Studios, wo auch 10CC einige Scheiben aufnahmen.

Das wäre wohl nicht so gegangen, wenn Ginger Baker mich nicht so gut leiden gekonnt hätte. Seine damalige Freundin in der Toskana sagte auch oft zu mir, dass er sich mir gegenüber „anders“ benahm, sich eigentlich mit niemandem so gut verstanden hat wie mit mir.

Ich habe ihn später nur noch zweimal getroffen, einmal in Basel, als er mit vier afrikanischen Percussionisten spielte und einmal in Stuttgart im Theaterhaus, mit Jonas Helborg, nur Bass und Schlagzeug. Beide Male habe ich nur kurz mit ihm gesprochen.

Für die afrikanischen Sachen, die ich mit Tanguda mache, habe ich unheimlich viel von Ginger gelernt. Ich denke, für diese ganzen westafrikanischen Ethno-Grooves war Ginger schon ein Pionier, vor vielen anderen Drummern.

Ich möchte diese Zeit auf keinen Fall missen. Es ist dann doch wohl so etwas wie ein Traum für mich in Erfüllung gegangen!“

Texte: Robert Hurasky, Marcel Vogelmann

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Ginger Baker Diskografie

 

The Storyville Jazz Men and The Hugh Rainey Allstars

  • Storyville Re-Visited (1958) also featuring Bob Wallis and Ginger Baker

 

Alexis Korner Blues Incorporated

  • Alexis Korner and Friends (1963)

 

Graham Bond Organisation

  • Live at Klooks Kleek (1964)
  • The Sound of ’65 (1965)
  • There’s a Bond Between Us (1965)

 

Cream

  • Fresh Cream Polydor (1966)
  • Disraeli Gears Polydor (1967)
  • Wheels of Fire Polydor (1968)
  • Goodbye Polydor (1969)
  • Live Cream Polydor (1970)
  • Live Cream Volume II Polydor (1972)
  • BBC Sessions (2003)
  • Royal Albert Hall London (2005)

 

Blind Faith

  • Blind Faith Polydor (1969)

 

Ginger Baker’s Air Force

  • Ginger Baker’s Air Force Atco (1970)
  • Ginger Baker’s Air Force II Atco (1970)

 

Baker Gurvitz Army

  • Baker Gurvitz Army Janus (1974)
  • Elysian Encounter Atco (1975)
  • Hearts on Fire Atco (1976)
  • Flying in and Out of Stardom Castle (2003)
  • Greatest Hits GB Music (2003)
  • Live in Derby Major league productions (2005)
  • Live Revisited (2005)

 

Solo Alben

  • Ginger Baker at His Best (1972)
  • Stratavarious Polydor (1972)
  • Ginger Baker & Friends Mountain (1976)
  • Eleven Sides of Baker Sire (1977)
  • From Humble Oranges CDG (1983)
  • Horses & Trees Celluloid (1986)
  • No Material live album ITM (1989)
  • Middle Passage Axiom (1990)
  • Unseen Rain Day Eight (1992)
  • Ginger Baker’s Energy ITM (1992)
  • Going Back Home Atlantic (1994)
  • Ginger Baker The Album ITM (1995)
  • Falling Off the Roof Atlantic (1995)
  • Do What You Like Polydor (1998)
  • Coward of the County Atlantic (1999)
  • African Force (2001)
  • African Force: Palanquin’s Pole (2006)
  • Why? (2014)

 

Fela Kuti

  • Fela’s London Scene (1971)
  • Why Black Man Dey Suffer (1971)
  • Live! (1972)