Lars Ulrich

Lars Ulrich ist der Schlagzeuger und das Sprachrohr von Metallica. Erfahre mehr über seinen Groove und sein Schlagzeugspiel!

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Wer ist Lars Ulrich?

Lars Ulrich & Metallica

9 Fragen an Lars Ulrich

Der Groove von Lars Ulrich in St. Anger

Wer ist Lars Ulrich?

Lars Ulrich ist am 26. Dezember 1963 in Gentofte, Dänemark, geboren. Sein Vater Torben Ulrich war Profitennisspieler und besaß einen Jazz-Club. 1976 bekam Lars sein erstes Drumset geschenkt. 1979 wanderte die Familie Ulrich nach Newport Beach bei Los Angeles aus. Zwei Jahre später lernte er James Hetfield kennen und gründete mit ihm Metallica.

Lars Ulrich hinter seinem Drumset
Lars Ulrich hinter seinem Tama-Drumset

Aktuell wohnt Ulrich mit seiner dritten Frau, dem Model Jessica Miller, in San Francisco. Aus früheren Beziehungen hat er drei Söhne. Bis heute ist Lars Ulrich dänischer Staatsbürger – 2017 wurde er sogar von Prinz Frederik zum dänischen Ritter geschlagen.

Neben der Musik hat sich Ulrich u.a. auch schon als Schauspieler (Männertrip, Billions), Moderator oder auch Speaker versucht – zuletzt beispielsweise bei den Content Marketing Rockstars in Hamburg.

Lars Ulrich ist Host der Show Electric!, in der er andere Musiker interviewt – wie hier Jack White:

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Lars Ulrich & Metallica

Seit Erscheinen des monumentalen „Black Albums“ von 1991 schwebt Metallica-Drummer Lars Ulrich in den sorglosen Sphären des Mainstreams. So richtig wohl fühlt sich der gebürtige Däne mit Wohnsitz San Francisco darin aber nicht. Denn kaum war die erste Euphorie verflogen, klaffte plötzlich ein riesiges Loch in seinem Leben: Mit Anfang 30 alles erlebt und gesehen — was soll da noch passieren?

Daran hat Lars Ulrich fünf Jahre lang geknabbert. Eine Phase, in der sich die Herren Hetfield, Hammett und Ulrich weniger auf ihre Musik, als auf Luxusartikel, Babys und umfangreiche Kunst-Sammlungen konzentrierten.

Kurzum: Die Vier steckten in der Krise. Erst seit dem Doppelschlag „Load“ und „Reload“ (1996/97) wissen sie, wie es weitergeht: Mit einem experimentierfreudigen Grenzgang zwischen Blues, Rock und Folk, der sich bewusst vom klassischen Metal der 80er absetzt. Um so verblüffender, dass sich der stilistische Wechsel ohne nennenswerte kommerzielle Einbußen vollzog.

Hier der Song “Until It Sleeps) von dem Metallica Album Load: 

2016 beruhten sich Metallica mit dem Album Hardwired…to Self-Destruct zurück auf ihre Metal-Wurzeln:

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9 Fragen an Lars Ulrich

Passt ihr noch in die Metal-Sparte, in der ihr einst groß geworden seid?

Ich habe diese blöden Schubladen schon immer gehasst. Obwohl: Mittlerweile fange ich an, die Meinung der Leute zu tolerieren — sollen sie es doch nennen, wie sie wollen. Ich habe einfach keine Lust mehr, dazwischen zu funken und zu sagen: „Wir sind kein Heavy Metal!“ Das habe ich früher immer getan: „Wir sind kein Speed, wir sind kein Thrash oder was auch immer …“ — es nervt, aber du kannst halt nichts dagegen tun.

Metal meets Hard Rock! 2009 trafen Lemmy und Lars Ulrich in Nashville aufeinander:

Im Grunde beanspruchen wir unseren eigenen Platz. Schließlich sind unsere Alben musikalisch immer sehr abwechslungsreich. Hard Rock oder Heavy Metal gilt hingegen als extrem engstirnig. Natürlich machen wir heftige Musik, das kann ich nicht leugnen.

Aber es gibt doch einen großen Unterschied, ob man nur harte Töne produziert oder tatsächlich in diesen klischeehaften Bahnen denkt. Von daher haben wir es auch sehr genossen, an einer Tour wie Lollapalooza teilzunehmen. Die Leute dort waren einfach viel offener. Und genau das behaupte ich auch von uns.

Ist das eine Frage des Erwachsenwerdens?

Nun, es hat sicherlich etwas mit dem Alter zu tun, andererseits aber auch mit diesem Gefühl der Sicherheit, mitunter mal ein paar andere Dinge auszuprobieren. Schließlich resultiert die größte Fehlinterpretation unserer Band doch gerade aus der Reduzierung auf ihre stilistischen Fähigkeiten. Wir können viel mehr, als uns die meisten Leute zutrauen. Und wir fangen gerade erst an, diese Seiten immer mehr in den Vordergrund zu stellen.

In den 80ern wäre das gar nicht nötig gewesen — damals waren wir eben eine reine Metal-Band. Die Leute wären überrascht, wenn sie wüssten, dass wir diese Seiten schon seit Jahren ganz bewusst unterdrücken. Es wäre einfach viel zu früh gewesen, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wie steht es um die DJ Spooky-Remixe zum „Spawn“-Soundtrack und zu „The Memory Remains“? Sind das weitere unbekannte Facetten?

Ja, unbedingt. Wir sind dabei, uns für völlig andere Dinge zu öffnen. Vor fünf Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Es ist auch nichts, für das ich mich sonderlich begeistern könnte. Trotzdem habe ich nichts dagegen, wenn jemand unsere Musik neu interpretiert – ich muss mich ja nicht daran beteiligen. Von daher habe ich auch keinerlei moralische Bedenken gegen diese Remixe. Wirklich gut finde ich sie aber nicht, wenn du weißt, was ich meine …

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Klassischer Metal ist einfach nicht tot zu kriegen — nimm nur diesen neuen Boom an Spandex & Haarspray-Bands …

… ja, einfach unglaublich! Das ist alles so fürchterlich konservativ. In jedem anderen Genre hält man Innovationen für etwas Positives. Im Hard Rock ist es genau umgekehrt. Außerdem gibt es keine andere Form von Musik, in der ein derartiger Konkurrenzkampf herrscht. Ich finde es sehr sonderbar, dass die Leute im Hard Rock und Metal immer darüber reden, wer der schnellste Gitarrist ist. Was heißt das schon? Jeder kann der schnellste Gitarrist der Welt sein, wenn er eine gute Fingertechnik besitzt — das ist keine Frage des Talents, sondern des Trainings.

Es spricht ja auch niemand davon, wer der schnellste Songwriter ist, Noel Gallagher oder Elton John. Das ist so unglaublich dumm. Und im Heavy Metal ist das eben besonders ausgeprägt. Hey, das war doch der große Verdienst von Kurt Cobain: Als der 1991 auftauchte, hat er den Kids vor Augen geführt, dass es noch andere Ausdrucksformen gibt. Er hat all diesen 13-jährigen Kids, die sich ansonsten automatisch für Heavy Metal oder Hard Rock entschieden hätten, noch eine weitere Alternative aufgezeigt.

Er hat sich vor ihnen hingestellt und gesagt: „Ich bin kein großartiger Gitarrist, ich bin überhaupt schlecht in allem, was ich tue.“ Trotzdem konnte er seine Gefühle ausdrücken. Und das ist doch das große Problem des Hard Rock: Es geht nur um die handwerklichen Fähigkeiten — aber nicht um Emotionen.

Wie kommt es dann, dass ihr euch jahrelang mit diesem Genre identifiziert habt? Ist es nicht schizophren, einerseits wüste Partys mit Guns´n´Roses zu feiern und andererseits über die Unsinnigkeit dieses Lifestyles zu grübeln?

Irgendwie schon. (lacht) Ich meine, wir hatten mindestens so viel Spaß wie Guns‘n´Roses oder Mötley Crue. Doch im Gegensatz zu ihnen haben wir nie damit rumgeprahlt. Axl Rose hat eben immer gerne den bösen Jungen gespielt — vor allem in den Medien.

Wir hingegen waren stets darauf bedacht, diese Seite von Metallica nie in den Vordergrund zu stellen. Dabei haben auch wir unsere Erfahrungen in Sachen Alkohol, Drogen und Groupies gemacht, das kannst du mir glauben! Ich habe mittlerweile 10 Leben hinter mir und bin froh, dass ich diese Phase überstanden habe. Dabei gibt es nichts, für das ich mich schämen müsste. Schon gar nicht musikalisch.

Im Gegenteil: Ich bin stolz auf unsere alten Platten. Auch dann, wenn ich heute nicht mehr viel damit anfangen kann. Das gilt vor allem für „And Justice For All“. Aber als wir es 1988 einspielten, war ich genau so glücklich wie nach den Sessions zu „Garage Inc.“ Und nur darauf kommt es an: Wenn du eine Platte aufnimmst, musst du immer dein Bestes geben. Aber wer weiß, vielleicht klingt „Garage Inc.“ in 10 Jahren ja unglaublich dumm. Momentan macht es durchaus Sinn.

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Wollt ihr euch nicht ohnehin mehr auf die Arbeit im Studio, als auf der Bühne konzentrieren? 

Wenn du 22 Jahre alt bist, denkst du nur ans Trinken, an Drogen und daran, Frauen aufzureißen. Das ist schließlich fester Bestandteil dieses ganzen Tour-Alltags. Und mein bisheriges Leben war eine einzige Tournee.

Jedesmal, wenn es darum ging, ein Album aufzunehmen, habe ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt: „Nein, ich will keine Platte machen, dann müsste ich ja aufhören, zu touren.“ Irgendwann habe ich dann erkannt, dass Platten nur ein Vehikel für weitere Tourneen sind und habe mich halt damit abgefunden. Klar, Konzerte zu geben ist schon eine tolle Sache, aber ich bin jetzt älter und brauche einfach ein bisschen mehr Spaß. Schließlich bin ich auch nicht mehr so versessen darauf, erfolgreich zu sein.

Ich musste erkennen, dass ich lange Zeit einer Sache nachgelaufen bin, die ich spätestens mit dem „Black Album“ erlebt habe: den absoluten Erfolg. Drei Jahre später hatte das plötzlich jegliche Faszination verloren. Es gab nichts mehr, dem ich hinterherlief. Und der einzige Ausweg aus dieser Misere ist eben der, etwas selbstsüchtiger zu sein und in erster Linie wieder für sich selbst zu spielen. Denn ist der Spaß erst einmal weg, ergibt das Ganze doch überhaupt keinen Sinn.

Ende der 70er warst du eines der größten dänischen Tennis-Talente. Hast du es je bereut, diese Karriere für die Rockmusik geopfert zu haben?

Nicht wirklich. Das Schwierigste ist, mit diesem Gruppen-Format klarzukommen. Ich meine, ich muss in ein Flugzeug steigen, auch wenn ich gar keine Lust dazu habe. Ich muss so oft so unglaublich früh aufstehen, obwohl ich viel lieber noch ein bisschen schlafen würde. Natürlich liebe ich die anderen Jungs, aber als Tennis-Profi könnte ich eben einen Flieger nehmen, wenn ich gerade Lust dazu habe. (lacht)

Warst du wirklich so gut, wie alle behaupten?

Schon, aber ich war wohl einfach nicht diszipliniert genug. Es gibt Leute wie John McEnroe, die sind einfach unglaublich talentiert — sie müssen noch nicht mal trainieren. Dagegen hat Ivan Lendl fast gar kein Talent. Er ist nur deshalb so gut, weil er täglich 12 Stunden übt. Ich bin ein bisschen von beidem. Ich habe das Talent von meinem Vater geerbt, musste aber härter daran arbeiten, als mir lieb war.

Mit 15, 16 fing ich dann an, Bier zu trinken, zu kiffen und Iron Maiden zu hören. Alles andere war mir egal. Außerdem hatte ich dieses Erlebnis in Florida, wo ich einige Wochen mit einem Typ namens Nick Bolletieri trainiert habe — er ist der Coach von André Agassi und Monica Seeles. Damit bin ich einfach nicht klargekommen — im Gegensatz zu den Drums.

Und: Hat das Tennisspielen irgendwelche Auswirkungen auf dein Drumming?

Oh ja, mein Rhythmusgefühl ist dadurch definitiv viel sicherer geworden – ganz einfach, weil du genau weißt, wie du deine Energie einteilen musst und wie viel Kraft nötig ist, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Das gilt übrigens auch für andere Bereiche des täglichen Lebens – beim Sex zum Beispiel … (lacht schallend)

Interview: Marcel Anders

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Der Groove von Lars Ulrich in St. Anger

Auf dem in den „Headquarter Studios“ in Nordkalifornien aufgenommenen Metallica-Album „St. Anger“ stellen James Hetfield, Kirk Hemmett, Robert Trujillo und Drummer Lars Ulrich mit 11 neuen Songs einmal mehr unter Beweis, dass diese Band so schnell keiner vom Heavy-Metal-Thron stoßen kann. Hier einige der typischen „Lars Ulrich Grooves“!

Cover von St Anger

 

St. Anger

Notenbeispiel 1: Über ein dominantes Gitarren-Riff wird der Einsatz des Gesangs (ca. 00:57) über acht Takte rhythmisch aufbauend vorbereitet. Der Snaredrum-Backbeat des in Notenbeispiel 1 gezeigten Grooves liegt auf den „und“-Zählzeiten, während die Bassdrum Akzente auf den 1/4-Noten-Puls setzt; das Ganze liegt unter einem in 1/16-Noten heavy angeschlagenem Cymbal und wird vier Takte lang gespielt.

Notenbeispiel 2: Im weiteren Verlauf wird der Snaredrum-Backbeat auf die 1/16 „e“- und „a“- Zählzeiten verlegt, somit verdoppelt sich das Tempogefühl. Unter den von der Hi-Hat und der Snaredrum abwechselnd gespielten 1/16- Noten liegt ein in 1/32 gespieltes Double-Bassdrum-Pattern; dieser Groove läuft ebenfalls über vier Takte.

Notenbeispiel 3: Im Anschluss daran wird ein 3/4-Takt eingeschoben, der in Gruppen von jeweils drei 1/16-Noten akzentuiert wird, die kontrastreich über dem 1/4-Noten-Puls liegen.

Chords zu St Anger

Das Notenbeispiel 4 zeigt den sofort an diesen 3/4-Takt anschließenden zweitaktigen Groove, der mit Einsatz des Gesangs gespielt wird. Im Prinzip ein recht einfacher Rhythmus, der jedoch einen sehr eigenen Charakter mit einer im ersten Moment etwas vertrackt erscheinenden Rhythmik entwickelt, die durch das Versetzen der Snaredrum-Backbeats auf die Zählzeiten „4und“ in Takt 1 sowie „2und“ und „4und“ in Takt 2 entsteht.

Dadurch erscheint vom Pulsgefühl her ein 3/4-Takt (Zählzeiten 1 – 3, Takt 1) mit daran anschließenden 2/4-Takten (Zählzeiten „4“, Takt 1, einschließlich der „1“ in Takt 2, Zählzeiten „2“ und „3“ in Takt 2 etc.).

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Some Kind Of Monster

Notenbeispiel 5 zeigt den während eines Gitarren-Riffs gespielten Groove. Bei diesem ersten Durchgang ist bis zur Wiederholung des Riffs ein 2/4-Takt eingeschoben, bei dem die Zählzeit „1“ des anschließend wiederholten Rhythmus auf der Zählzeit „2und“ vorgezogen gespielt wird. Dadurch entfällt der Bassdrum-Akzent auf der „1“ des nächsten Taktes, es entsteht viel Bewegung.

 

Notenbeispiel 6: Der im weiteren Songverlauf gespielte Rhythmus lebt von dem präzisen und dominant hervorgehobenen Bassdrum-Pattern. Für die Bewegung sorgen dabei die auf den Zählzeiten „3e“ sowie „3a“ gesetzten Akzente.

 

Dirty Window

Notenbeispiel 7 zeigt einen im Prinzip recht einfachen, auf 1/4- und 1/8-Noten basierenden Groove, der allerdings in einem rasanten Tempo mit viel Drive gespielt wird. Anhören!

Shoot Me Again

Notenbeispiel 8: Seinen Vorwärts-Drive erhält dieser Groove durch die auf den „e“- und „a“-1/16-Noten-Zählzeiten gespielten Snaredrum-Akzente (mit abgeschaltetem Snaredrum-Teppich gespielt), während die auf den 1/4-Noten-Zählzeiten akzentuierte Bassdrum die Basis bietet und die auf einem Crash-Cymbal angeschlagen 1/8-Noten für den „offenen“ Heavy-Charakter sorgen – ein von Lars Ulrich sehr häufig verwendetes Groove-Muster.

Die Schlagzeugkünste von Lars Ulrich sind recht umstritten – auf Youtube gibt es zahlreiche Fail-Kompilations. Dennoch sind der Groove und die musikalische Leistung von Ulrich mit Metallica innovativ. Als Lars mit Metal-Drumming begann, war das Genre Metal in Amerika noch weitestgehend unbekannt.

Hier eines der Videos, die Ulrich angeblich als schlechtesten Drummer der Welt ausweisen:

https://www.youtube.com/watch?v=0QYfd9UPXvw

Workshop: Diethard Stein