Snare Drum

Die Snare Drum, oder kurz „Snare“ oder auch – im Orchester – „Kleine Trommel“ genannt, wird häufig als das Herzstück des Drumsets bezeichnet, da sie in den meisten Patterns als Instrumentenstimme gespielt wird und den berühmten „Backbeat“ (auf den Zählzeiten „2“ und „4“) liefert.

Die Snare Drum ist die deutlichste Stimme im Drumset. Der markante Klang wird durch Resonanzseiten bestimmt, die durch einen Schlag in Schwingung versetzt werden. Eine weitere Besonderheit der Snaredrums ist das extrem dünne Resonanzfell, das eine konkrete Ansprache der Resonanzseiten bei sehr leisen Noten erst möglich macht und diesen typisch crispen Klang entscheidend prägt.

Snareteppich und Abhebemechanismus

Der Snareteppich besitzt meist Spiralen aus Metall und wird in seiner Gesamtheit gespannt. Je nach Spannung variiert also die Ansprache und das Geräusch der Spiralen. Die Spannvorrichtungen, die Snareteppich-Abhebung (auch als Snare Strainer oder Throw Off bezeichnet), kann eine einfache Konstruktion oder komplexe Hebekonstruktion sein.

Die einfachste Variante ist dabei ein An/Abschalthebel mit Spannungsverstellung auf der einen und ein fester Anschlag auf der gegenüberliegenden Seite der Trommel. Das nächste Prinzip beinhaltet eine Spannungsverstellung auf beiden Seiten. In beiden Fällen liegt der Snareteppich mittig auf dem Resonanzfell auf.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Snareteppich über die Kesselränder hinaus zu führen. Dabei kann man dem Prinzip des einseitig angebrachten An/Abschalthebels folgen oder aber eine aufwändige Parallel-Abhebung verwenden. Bei dieser führt eine Stange quer durch den Kessel, die bei Betätigung des An/Abschalthebels auf beiden Seiten gleichzeitig die Hebe- und Befestigungsmechanik für den Snareteppich absenkt oder anhebt.

Größen der Snare Drum

Die meist gebrauchten Größen bei der Snare Drum sind der 14″ Durchmesser, gefolgt von 13″. Aber auch spezielle Modelle in 10″, 12″, 15″ und 16″ sind erhältlich, werden aber meist als ergänzende Stimme im Set – so genannte Add-on-, Side-Snares oder FX-Snaredrums – und auch meist in speziellen Stimmungen eingesetzt. Auch bei den Kesseltiefen gibt es Bandbreiten von 3,5″ bis zu 8″ oder als sehr spezielle Modelle in noch größeren Tiefen. Die Standardgrößen sind 5″, 5,5″ und 6,5″ tiefe Modelle, die von allen Herstellern angeboten werden.

Kesselmaterialien und Konstruktionen

Die Kessel von Snare Drums können aus Holz, Metall oder auch aus alternativen Materialien, wie Verbundwerkstoffen (Acryl, Fiberglas, Carbonfiber etc.) sowie (seltener) aus Holzfaser/Harz-Gemischen wie „Acousticon“ von Remo, aus Bambus, Hanf oder sogar Beton-ähnlichen Werkstoffen oder gar Glas bestehen.

Metall-Kessel können nahtlos gezogen sein, was bei weicheren Materialien wie Aluminium und Messing in der Fertigung relativ einfach zu handhaben ist. Stahl und andere ähnlich harte Materialien stellen da höhere Anforderungen. Einfacher ist es in diesen Fällen, Bleche zu rollen und diese an der Stoßstelle dann zu verschweißen (Stahl, Edelstahl, Titan, Aluminium etc.) oder zu verlöten (z. B. Messing, Bronze etc.).

Vor einigen Jahren galt das noch als Kennzeichen für „preiswerte“ Instrumente, was natürlich heutzutage Blödsinn ist: Die Schweiß- und Lötverfahren haben heute derartige Qualitäten erreicht, das es in Sachen Schwingung und Resonanzverhalten kaum noch zu klanglich wirklich relevanten Unterschieden kommt – sofern die Fertigung natürlich das entsprechende Niveau hat. Neben den Blechen bietet sich für bestimmte Metall-Legierungen natürlich auch der Guss an (Glockenbronze)

Die meisten Holzkessel werden in der Sperrholz-Bauweise hergestellt. Dünne Furniere werden mit zueinander gekreuztem Maserungsverlauf zusammengestellt, miteinander verleimt und in einer Presse unter hohem Druck und Temperatur gebacken. Vereinfacht gesprochen: Durch das Kreuzen der Maserung neutralisieren sich die Dehnungskräfte des Holzes bei der Aufnahme/Abgabe von Feuchtigkeit – und der Kessel der Snare Drum bleibt formstabil.

Ein weiteres klassisches Verfahren ist das „Steam Bending“. Hierbei wird abgelagertes Holz gewässert und über Wasserdampf in Form gebogen. Zur Stabilisierung des Kessels werden in der Regel Verstärkungsringe an den Rändern mit zur Kesselnaht versetzter Naht eingearbeitet. Das ist eine große Handwerkskunst und erfordert viel Know-how. Entsprechend höher sind auch die Kosten, dafür bekommt man allerdings auch eine besondere Klangqualität.

Eine weitere Möglichkeit einen Holzkessel herzustellen ist es, ihn aus Dauben zusammenzusetzen. Damit produziert man ihn also wie ein Fass oder – um bei Musikinstrumenten zu bleiben – wie eine Conga. Die Holzschnitte werden zusammengesetzt und verleimt, anschließend wird der Kessel innen wie außen gedrechselt, bis er seine runde Trommelkessel-Form besitzt.

Äußerst selten werden Kessel für eine Snare Drum aus einem Stamm geschnitzt. Der Aufwand ist extrem hoch und ebenso das Risiko, denn erst nach Fertigstellung und entsprechender Lagerzeit kann das Instrument endmontiert werden und erst dann zeigt es sich, ob sie überhaupt einen Wohlklang produziert. Dieses Verfahren wird von den Edel-Drum-Herstellern Brady und Canopus verwendet.

Snare Drum Ikonen

Zu den beliebtesten Snare Drum Materialien zählen bei den Metall-Kesseln Messing und Aluminium. Die Popularität begründet sich zweifelsfrei in den noch heute erhältlichen „Supraphonic“-Snaredrums des amerikanischen Herstellers Ludwig: LM 400 und LM 402 mit nahtlosem Aluminium-Kessel und die „Black Beauty“ Snare Drums LB 416 und LB417 mit nahtlos gezogenem Messingkessel.

Diese Snare Drum Modelle finden sich auf zahllosen Aufnahmen der unterschiedlichsten Musikstile, und fast jeder professionelle Schlagzeuger besitzt eine dieser Snaredrums. Der Vollständigkeit sei hier auch darauf hingewiesen, dass die LM 400 und LM 402 Snaredrums bis etwa Mitte der 1960er-Jahre ebenfalls einen nahtlosen Messingkessel besaßen, dieser allerdings eben verchromt ausgeführt war.

Erst ca. 1963 wurde die Aluminium-Legierung für die preiswerteren „Acrolite“-Snaredurms von Ludwig und in der Folge dann auch für die „Supraphonic“-Snaredrums in verchromter Version eingesetzt. Dass diese Snaredrums berechtigterweise als stilbildend bezeichnet werden dürfen, zeigt auch die Tatsache, dass heute jeder namhafte Hersteller Snaredrums aus diesen Kesselmaterialien anbietet, teils mit nahezu identischer Kesselkonstruktion.

Ebenfalls ein Ikone der Snaredrum-Baukunst ist die Slingerland „Radio King“, deren Holzkessel aus einem Stück Ahorn im „Steam Bent“-Verfahren hergestellt wurde. Abgelagertes Ahornholz wurde dabei über Wasserdampf zu einem Zylinder gebogen und verleimt. Zusätzlich wurden an den Rändern des Kessels Verstärkungsringe aus Ahorn eingeleimt, die auf die gleiche Weise hergestellt wurden. Gut erhaltene Modelle sind heute Bestand des Instrumentariums der Top-Drummer. Sie bestechen durch einen weiten Stimmbereich, eine satten Punch im Attack und ein bisweilen wuchtiges Sustain.

Weitere interessante Snaredrum-Entwicklungen

Nahtlose Stahlkessel

In den 70er-Jahren begann die Firma Sonor mit der Herstellung von Snaredrums mit nahtlos gezogenen Stahlkesseln. Dafür bedurfte es spezieller Stahlbleche, die für das Herstellungsverfahren elastisch genug waren, dem Endprodukt aber auch die entsprechende Steifigkeit verliehen. Die Sonor Phonic Snaredrums besitzen, wie auch die Kessel der Ludwig Supraphonic Snaredrums eine Sicke in der Mitte, allerdings einen grundsätzlich helleren und etwas obertonreicheren Klang. Auch die japanische Firma Yamaha produzierte für die Serie 9000 Snaredrums mit nahtlos gezogenen Stahlkesseln. Bemerkenswert war dabei die Ausstattung mit einer Parallel-Abhebung für den Snareteppich, die der Konstruktion von Ludwig Super Sensitive Snaredrums (Supraphonic-Kessel mit Parallelabhebung) nicht unähnlich war.

Tama präsentierte in der „Mastercraft“-Serie ebenfalls Snaredrums mit nahtlos gezogenem Stahlkessel. Eine beidseitig einstellbare Snareteppich-Abhebung, die den Snareteppich über den Kesselrand hinausführte – dieses Prinzip wird auch häufig als „Throw Off II“ bezeichnet – sowie die Ausstattung mit Guss-Spannreifen waren für diese Snaredrums das besondere Kennzeichen.

Alternatives Snare Drum Konzept

Die Pearl Free Floating Snaredrums erblickten ca. 1984 das Licht der Welt – und damit ein bis heute ganz eigenständiges Konzept. Die Basis bildet hier ein Gussrahmen, an dem alle Hardware-Komponenten (Stimmböckchen und Snareteppich-Abhebung) befestigt sind. In die Unterseite des Gussrahmens sind eine Kesselgratung und ein Snarebed eingearbeitet, da das Resonanzfell an diesem Rahmen befestigt wird.

Von oben auf den Rahmen wird dann ein Kessel gesetzt, der somit keinen direkten Kontakt mit den Kesselbeschlagteilen (Hardware) hat, also seine Resonanz ungehindert von anderen Bestandteilen des Instruments entwickeln kann. Der Durchmesser der Free Floating Snaredrums ist 14″, bei der Kesseltiefe stehen Varianten zwischen 3,5″ bis 8″ zur Verfügung und man hat eine große Auswahl beim Kesselmaterial. Zu Beginn der Ära „Free Floating“ waren das Stahl, Messing, Kupfer und Ahorn, während heute auch Birke, Aluminium, Phosphor Bronze und Hybrid Shells (z. B. Maple/Mahogany) zur Auswahl stehen.

Alternatives Tuning System

Tama präsentierte Mitte der 1980er-Jahre mit den „Artwood“-Snaredurms ein spezielles Stimmsystem. Dieses wurde von der Schlagfellseite aus bedient und man konnte das Resonanzfell separat von dort aus stimmen oder das Schlag- und Resonanzfell gleichzeitig oder nur das Schlagfell stimmen. Ein Prinzip, das der amerikanische Schlagzeuger, Schlagzeuglehrer und Hersteller Billy Gladstone in den 1930er-Jahren schon einmal entwickelt hatte. Die Weiterentwicklung wurde von Tama dann für das ganze Drumset verwendet und kam bei den „Starclassic Bubinga Onmi Tune“-Drums wieder zum Einsatz.

Alternative Kesselmaterialien

Hierzu kann man sicherlich ein Buch schreiben, denn schon immer wurde geforscht, entwickelt und produziert. Manches verschwand so schnell wie es erschien, doch einige Dinge setzten sich durch oder kehrten nach ihrer Blütezeit und kurzfristiger Einstellung wieder zurück.

Mit dem ansteigenden Erfolg der japanischen Hersteller vom Ende der 70er-Jahre an, begannen diese erfolgreich zu experimentieren. Abseits der klassischen Sounds der Snaredrum-Ikonen konnte man auch viele interessante Alternativen finden, die klanglich viel zu bieten hatten.

Dazu zählen unbedingt die Tama Bell Brass Snaredrums (mit Glockenguss-Kesseln). Hier gibt es auch das Signature-Modell von Lars Urich (Metallica). Die 14″ x 6,5″ Tama Rosewood Snaredrum (Palisander-Kessel) war für Alex van Halen eine gewisse Zeit lang die erste Wahl; dieses Modell wurde von Tama zum 40. Firmenjubiläum wieder neu aufgelegt. Mit der „Fiber Star“ Snaredrum stand dann auch ein Modell mit Kunststoffkessel zur Verfügung.

Pearl setzte Glasfiber bzw. Acryl schon seit Mitte der 70er-Jahre ein, und hier gab es 100% (nahtlose!) Fiberglaskessel ebenso wie die innen laminierten Wood/Fiberglass-Kessel. Deren Weiterentwicklungen sind seit 2014 unter der Bezeichnung „Hybrid Exotic“-Snaredrums wieder erhältlich. In der „Masterworks“-Serie kann man bei Pearl sogar Maple-Kessel mit einer inneren wie äußeren Lage Carbonfiber bestellen.

Yamaha hat eine Zeit lang mit Snaredrums mit reinem Carbonfiber-Kessel experimentiert, aber die in den 1990er-Jahren noch exorbitanten Kosten dafür, und die Bruchempfindlichkeit der Kessel stoppten dieses Projekt. Die Yamaha FRP Snaredrums mit Acryl-Kessel klangen durchaus interessant, waren aber kommerziell nicht erfolgreich und wurden relativ schnell wieder eingestellt.

In Sachen Acryl haben schon in den 70er-Jahren Firmen wie Ludwig, Fibes, Sonor und Pearl so einiges angeboten. Zu einer Renaissance dieser transparenten Kessel kam es vor einigen Jahren. RCI in den USA ist einer der Hersteller, der Kessel für namhafte Hersteller bereitstellte. Diese konnten dann damit ihre Endorser mit Special Editions ausstatten – natürlich bestückt mit der eigenen Hardware der diversen Hersteller. Währenddessen ließ Ludwig die „Vistalite“-Drums der 70er-Jahre wieder aufleben und Sonor präsentierte mit den „X-Ray“-Drums Historisches in neuer Qualität und Fertigungstechnologie.

In Deutschland machte Wahan Drum Technlologie mit nahtlos gezogenen Kesseln allerhöchster Qualität auf sich aufmerksam. Kirchhoff Schlagwerk setzte auf extrudierte Kessel mit Fokus auf perkussivere Sounds.

Hinzu kommen natürlich noch die verschiedenen Kleinserien- und Custom-Hersteller edler Instrumente, die z. B. Titan für Snaredrum-Kessel einsetzen (wie z. B. Dunnett), Hybrid-Kessel aus verschiedenen Hölzern oder Holz/Metall Kombinationen (z. B. Acoutin Cooper) anbieten oder aus ungewöhnlichen Hölzern in speziellen Bauweisen das Herzstück unsers Drumsets bauen. Im Laufe der Zeit wird es zu diesem Thema hier sicherlich noch Ergänzungen geben. Bis dahin: Viel Spaß bei der Snare Drum Entdeckung!

Autor: Ralf Mikolajczak

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